Wie St.Galler Veranstalter das Wochenende erlebt haben: «Chaos pur»

Der Medienmitteilung des Vereins Nacht-Gallen zur Verschärfung der kantonalen Anti-Corona-Regeln vom Freitagnachmittag liegen Statements von Mitgliedern bei. Die Kurzfristigkeit der Kommunikation durch die Kantonsregierung wurde offenbar durch Missverständnisse zwischen Kanton und Stadt für sie noch verschärft.

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Viel weniger Publikum als normal: Augenschein vom Freitagnacht in Bars und Clubs der St.Galler Innenstadt.

Viel weniger Publikum als normal: Augenschein vom Freitagnacht in Bars und Clubs der St.Galler Innenstadt.

Bild: Raphael Rohner (17.10.2020)
  • Daniel Weder (Kugl)
    «Für Freitagnacht war im Kugl ein ausverkaufter Event mit einem grossen Act geplant. Dieser war bereits angereist und Publikum aus der ganzen Schweiz war auf dem Weg nach St.Gallen. Erste Infos der Stadt nach der kantonalen Pressekonferenz von 16 Uhr besagten, die Verordnung gelte erst ab Samstagnacht. Die Freitagsevents können bis Samstag, 5 Uhr, stattfinden. Kurz vor 20 Uhr wurden wir dann informiert, dass nicht klar kommuniziert worden sei zwischen Kanton und Stadt: Lichterlöschen sei bereits um Mitternacht.» 
  • Ishi Sosa (August-Bar)
    «Dass nun bei Gruppen ab 30 Personen generell und bei Gruppen mit weniger Personen, bei denen kein Mindestabstand eingehalten werden kann, die Maskenpflicht auf unsere Gäste ausgeweitet wird, spricht die gleiche Sprache wie das Tanzverbot für Clubs. Es werden Massnahmen erlassen, die einen ökonomisch sinnvollen Betrieb verunmöglichen, aber gleichzeitig genug Raum lassen, um unseren Anspruch an Kurzarbeitsentschädigung nichtig zu machen. Ich wollte am Wochenende den Rechtsdienst von Gastro Suisse dazu befragen, leider arbeitet man dort aber nur von Montag bis Donnerstag.»
  • Terry Gähwiler (Beef Club)
    «Die aktuelle Vorgehensweise des Gesundheitsdepartements basiert aus unserer Sicht auf Pragmatismus und Populismus, ohne Rücksichtnahme auf die lokalen Betriebe sowie Veranstalterinnen und Veranstalter, welche Leben in die Stadt bringen. Das erzeugt eine Stimmung des Misstrauens gegenüber der Regierung, aber auch bei uns untereinander.
    Wir wünschen uns Konsens und Gesprächsbereitschaft seitens der Politik, um auch unsere Standpunkte in dieser Lage vorbringen zu können. Nur gemeinsam werden wir diese schwierige Zeit bewältigen. Wir sind bereit, den Kanton und die Stadt zu unterstützen. Was wir aber nicht akzeptieren, ist ein Alleingang der Politik, welcher sich repressiv und schädigend auf unsere Branche auswirkt.»
  • Samuel Tanner (Ostklang)
    «Für uns vom Partylabel ‹Ostklang› ist es mit den neuen Massnahmen nicht mehr möglich, unsere Veranstaltungen durchzuführen. Dass die am vergangenen Freitag kurzfristig angeordneten Massnahmen bereits aufs Wochenende in Kraft gesetzt wurden, ist ein Skandal und hat für alle Clubs, Bars und Veranstalter ein weiteres dickes Minus mit sich gebracht. Das Tanzverbot ist für uns ein definitives Berufsverbot. Dies Bedeutet für uns Totalausfall bis Ende Jahr, und zwar ohne Aussicht auf Entschädigung. 
  • Samuel Tanner (Affekt-Bar)
    «Als der Entscheid kam, haben wir von der Affekt-Bar direkt mit der Gewerbepolizei Kontakt aufgenommen. Uns wurde mitgeteilt, dass die Massnahmen am Freitagabend und in der Freitagnacht noch nicht gelten würden. Wir haben eine Freinacht eingegeben und uns noch auf einen letzten Abend mit einigermassen normalem Betrieb eingestellt sowie entsprechend organisiert und kommuniziert. Um 20 Uhr dann der Besuch der Polizei mit dem Bescheid, dass die Massnahmen ab Freitag, 24 Uhr, umgesetzt werden müssen. Da wir keinen anderen Weg für die Umsetzung gefunden haben, mussten wir die Gäste bitten, zu gehen, und Bar schliessen. Am Samstag hatten wir bereits einen Umsatzeinbruch von über 80 Prozent.»