Wie Stadt, Gewerbe und Tourismus die St.Gallerinnen und St.Galler von der Schönheit der eigenen Stadt überzeugen wollen

Mit Plakaten, Instagram und Bierdeckeln wollen Stadt, Gewerbe und Tourismus gegen das Lädelisterben im Zentrum ankämpfen.

Sandro Büchler
Drucken
Teilen
Nach dem Lockdown zieht es wieder mehr Menschen ins Stadtzentrum zum Einkaufen.

Nach dem Lockdown zieht es wieder mehr Menschen ins Stadtzentrum zum Einkaufen.

Bild: Benjamin Manser (16. Mai 2020)

An den Plakatständern in der Stadt, an denen noch bis vor kurzem die grellen Coronaschutzmassnahmen des Bundesamts für Gesundheit omnipräsent hingen, hat sich etwas getan: «Sankt Businesslunch» steht da etwa, umrahmt von einer Wappenform. Ein Mann hält eine Bratwurst und ein Bürli in der Hand. Auf einem anderen Plakat: «Sankt Regenwetter», dazu Kinder, die ausgestopfte Biber im Naturmuseum aus der Nähe inspizieren. Auch Jack Stoiker ist auf einem Bild zu sehen: «Sankt Punk» dazu der Musiker als Rampensau mit Gitarre auf der Bühne.

«Businesslunch» auf dem Kornhausplatz?

«Businesslunch» auf dem Kornhausplatz?

Bild: Sandro Büchler

Dies sind einige Sujets einer gestern präsentierten und vom «City Management Board» entwickelten Kommunikations- und Werbekampagne. Im Gremium sind sechs Institutionen vertreten: das Gewerbe der Stadt, Pro City St.Gallen, der städtische Gastroverband, St.Gallen-Bodensee Tourismus, der regionale Hotellerieverband sowie die Standortförderung der Stadt. Sie alle haben sich vor einem Jahr zusammengetan – anstelle eines «City Managers».

Von der Schönheit der eigenen Stadt überzeugen

Gian Bazzi, Präsident Gewerbe Stadt St.Gallen

Gian Bazzi, Präsident Gewerbe Stadt St.Gallen

Bild: Ralph Ribi

Das Ziel des Sechsergremiums: die St.Galler Innenstadt zu beleben. Das Problem: altbekannt. In den Läden im Zentrum kaufen immer weniger ein, die Sitzplätze in der Gartenbeiz bleiben öfters leer. «Onlinehandel und Einkaufstourismus sind eine immer grösser werdende Herausforderung für das lokale Gewerbe», sagt Gian Bazzi, Präsident Gewerbe Stadt St.Gallen vor den Medien. Das Vorkommnis Corona habe die Rettungsmission zusätzlich erschwert.

Nun also eine Imagekampagne. Diese richte sich in erster Linie an die Sanktgallerinnen und Sanktgaller selbst, sagt Samuel Zuberbühler, Leiter der Standortförderung:

«Wir wollen auf eine frische, sympathische Art aufzeigen, was die Stadt zu bieten hat.»

Man wolle so die lokale Bevölkerung ermuntern, die Attraktionen der Stadt, ihre Schönheit, aber auch Institutionen wie Museen, Uni, Clubs und Konzertlokale neu zu entdecken. In der Stadt gäbe es so viele, vielfältige Läden. «Wir wollen aufzeigen, was vor den Füssen liegt.» So soll die Frequenz erhöht und die Innenstadt lebendig und attraktiv präsentiert werden.

Samuel Zuberbühler, Leiter Standortförderung Stadt St.Gallen

Samuel Zuberbühler, Leiter Standortförderung Stadt St.Gallen

Bild: PD

Zuberbühler sagt, viele hätten kleine Rituale oder Bräuche, die sie mit St.Gallen verbinden. «Für jede und jeden ist etwas anderes heilig an St.Gallen.» Für die einen der herzliche Empfang im Blumenladen, für andere der Markthändler mit dem besten Salat. Und für den Dritten ist es einfach Kaffee, Gipfeli und die Zeitungslektüre am Morgen. «Kurz: mein Erlebnis, mein Heiligtum.»

Solche Augenblicke wollte man in den Kampagnensujets einfangen. «Intime, schöne Momente, eben Sankt Momente» beschreibt es Thomas Kirchhofer, Direktor von St.Gallen-Bodensee Tourismus.

«St.Gallen blickt in den Spiegel»

Mit der Kampagne animiere man die Einheimischen, «in den Spiegel zu schauen» und stolz zu sein auf ihre Heimatstadt. Und dies weiter zu erzählen, die Botschaft nach aussen zu tragen. Kirchhofer sagt, Städte würden aktuell als Lebens- und Freizeitraum an Wert gewinnen. «Die Stadt als Schmelztiegel erlebt eine Renaissance.»

Thomas Kirchhofer, Direktor St.Gallen-Bodensee Tourismus

Thomas Kirchhofer, Direktor St.Gallen-Bodensee Tourismus

Bild: Mareycke Frehner

Der Tourismusdirektor sagt aber auch, zwar spreche man mit der jetzt lancierten Kampagne primär St.Galler an, die Sujets seien aber auch weiter westlich, in Zürich, Bern oder Lausanne denkbar. Jetzt, wo auch die Coronamassnahmen Schritt für Schritt gelockert würden, sei der Moment richtig, wieder um Touristen zu werben.

«Im Sinne von, bleiben Sie nicht länger zu Hause, sondern kommen Sie zu uns – nach St.Gallen.»

Nicht umhin kommt man um den Preis: Die Kampagne kostet insgesamt 165'000 Franken und wurde von der St.Galler Agentur Forb konzipiert. Unterstützt wird die Kampagne auch von lokalen Unternehmen, darunter die Brauerei Schützengarten, die Mobiliar St.Gallen, die St.Galler Stadtwerke sowie die Banken Raiffeisen und Acrevis.

Samuel Zuberbühler stellt die Kommunikationskampagne im Kongresszentrum des Hotels Einstein vor.

Samuel Zuberbühler stellt die Kommunikationskampagne im Kongresszentrum des Hotels Einstein vor.

Bild: Sandro Büchler

Die Sujets werden auf Plakaten, in Schaufenstern, elektronischen Plakatwänden, auf den Bildschirmen in den Bussen und Postautos, in Zeitungsinseraten und in den sozialen Medien zu sehen sein. Dazu gehört Instagram, Facebook, aber auch ein Imagefilm auf Youtube.

Genauso wie die Produktion von Artikeln, etwa Bierdeckel, geplant ist, sollen nach den Sommerferien Flaggen mit den Slogans in der Multergasse aufgehängt werden. Laut dem Standortförderer werden die Plakate nicht nur in der Innenstadt zu sehen sein, sondern auch in der Agglomeration. Denn die Kampagne richte sich an alle: «Sankt Allen» eben.

www.meine-stadt.sg

Aktuelle Nachrichten