Wie findet man zu seiner Seele? Zwei St.Galler geben in ihrem Erstlingswerk eine Antwort 

Zwei St.Galler haben ein Buch publiziert. Darin erklären sie, wie man zu seiner Seele finden soll.

Marlen Hämmerli
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Theolog Thomas Joller und Stadtführerin Ulrike Brüllisauer haben das Buch «Wie geht es weiter mit der Seele?» veröffentlicht.

Theolog Thomas Joller und Stadtführerin Ulrike Brüllisauer haben das Buch «Wie geht es weiter mit der Seele?» veröffentlicht.

Bild: Lisa Jenny

Was ist meine Lebensaufgabe? Was mein Ziel im Leben? Diese Fragen stellen sich viele. Ulrike Brülisauer und Thomas Joller glauben, eine Antwort gefunden zu haben. In ihrem Buch «Wie geht es weiter mit der Seele?», ergründen die Stadtführerin und der Theologe, wie jede und jeder zu sich und der eigenen Lebensaufgabe finden soll. Am Montag, 19 Uhr, stellen die beiden Autoren ihr Erstlingswerk in der Buchhandlung zur Rose vor.

Um seine Lebensaufgabe zu erkennen, muss man sich erst selbst kennen lernen, sind Brülisauer und Joller überzeugt. «Es geht darum, die eigene Individualität hinter all den Gewohnheiten und Mustern zu entdecken», sagt Joller. Dafür muss man sich mit sich selbst auseinandersetzten. «Sich durchschauen, verstehen und lieben», heisst es im Buch. Das schmerze, den Schmerz müsse man aber aushalten. «Wären die Menschen mehr bei sich, könnten sie ohne Streit leben», sagt Joller.

Alte Erlebnisse aus früheren Leben

Für Ulrike Brülisauer und Thomas Joller ist völlig klar, dass es die Wiedergeburt gibt. Alte Erlebnisse können also auch aus früheren Leben stammen. Die gebürtige Norddeutsche erzählt:

«Als Sechsjährige erinnerte ich mich an ein Leben, in dem ich in einem Konzentrationslager gefangen war.»

Der Drang zur Flucht sei stark gewesen. Denn die Erinnerungen an die Qualen stiegen ausgerechnet an einem Familientreffen in ihr auf. Die 57-Jährige bezeichnet sich als eine alte Seele und glaubt sich an viele Leben zu erinnern. Ausschnitte von einigen schildert Brülisauer im Buch.

Seit Jahrhunderten auf Erden oder zum ersten Mal hier

Im Verständnis von Ulrike Brülisauer und Thomas Joller gibt es alte und neue Seelen. Während alte Seelen schon viele Leben gelebt haben, wurden neue Seelen zum ersten Mal auf der Erde geboren. Sie stammen von einem anderen Ort und sind noch unbelastet. «Sie sind treu liebend, immer ehrlich, perfektionistisch, sehr positiv und oft unbedarft», schreibt Brülisauer im Buch «Wie geht es weiter mit der Seele?».

Alte Seelen dagegen seien belastet durch viele Erfahrungen und – teilweise falsche – Lehren aus früheren Leben. Um sich davon zu befreien und zu sich selbst zu finden, helfe die Begegnung mit einer neuen, unbelasteten Seele. «Je mehr man mit sich im Reinen ist, desto mehr wird das Unbewusste bewusst», sagt Joller. «Und desto mehr leuchtet auf, was uns ausmacht – die Seele.»

Mit ihrer Wahrnehmung geht Brülisauer offen um. Anfeindungen ist sie sich gewöhnt, Ausgrenzung ebenso. «Es gibt viele, die mich seltsam finden. Die sagen, ich sollte nicht als Stadtführerin arbeiten.» Sie sei seit Geburt hellsichtig, sehe Engel, Organe, Krankheiten und erkenne familiäre Konstellationen. Zusätzlich arbeitet Brülisauer an der Migros Klubschule als Deutschlehrerin.

Seit gut zehn Jahren führt sie zudem Engelmeditationen durch. Zudem bietet sie Lebensberatungen und heilende Behandlungen an. Vor gut sechs Jahren gründeten sie und der Theologe Joller das «Forum Essenz». Gemeinsam führen sie Seminare und Vorträge durch, aber auch Beratungen zu allen Lebensbereichen.

Ein anderer Zugang zur Wirklichkeit

Das Buch haben Brülisauer und Joller geschrieben, um zu sagen, was einmal gesagt werden müsse. «Wir wollen darauf hinweisen, dass es andere Zugänge zur Wirklichkeit, zum Leben und den Gefühlen gibt», sagt Joller. «Wir drücken unsere eigene Wahrheit aus und fordern die Leute auf, nun ihre zu suchen», ergänzt Brülisauer. Denn jeder solle unabhängig sein und frei denken.

Brülisauer fürchtet sich vor der Blossstellung. Donnerstagnacht habe sie sich erinnert, wie sie vor 500 Jahren an einem Pranger auf dem Bärenplatz stand. Dass sie das jetzt – kurz vor der Buchvernissage – fühle, sei kein Zufall. Brülisauer rechnet mit der Verurteilung durch ihre Mitmenschen.

Das Buch «Wie geht es weiter mit der Seele?» ist im St.Galler Eidis Verlag erschienen.

Das Buch «Wie geht es weiter mit der Seele?» ist im St.Galler Eidis Verlag erschienen.

Bild: Lisa Jenny

Joller, der während rund sechs Jahren Projektleiter der Offenen Kirche war, hat die Kapitel in kursiver Schrift beigesteuert. Seine Inspiration seien christliche Mystiker und der Buddhismus. Die Texte des gebürtigen Nidwaldners ordnen jene von Brülisauer teilweise ein.

In ihren Texten schildert Brülisauer Erlebnisse und Erkenntnisse. Fünf Jahre lang habe sie alles aufgeschrieben, was sie gesehen und gelernt habe. Schliesslich überzeugten sich die beiden gegenseitig, aus all den Texten ein Buch zu machen. Manches sei unverständlich gewesen, sagt der 65-Jährige. Anderes zu privat. «Trotzdem ist es immer noch ein Wagnis, das zu publizieren.»

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