Wie die Mutter, so die Tochter: Diese Mutter-Tochter-Gespanne wollen in den Kantonsrat

Gleich drei Töchter namhafter Politikerinnen aus Abtwil und Andwil kandidieren am 8. März für den St.Galler Kantonsrat.

Melissa Müller
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«Ich wollte schon in der 3. Klasse wie mein Mami werden»: Lisa und Susanne Vincenz.

«Ich wollte schon in der 3. Klasse wie mein Mami werden»: Lisa und Susanne Vincenz.

Bild: PD

Das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter ist etwas Besonderes. Vor allem, wenn die Tochter in die Fussstapfen ihrer prominenten Mutter treten will. So wie Lisa Vincenz, Aliena Umbricht und Leandra Heim, die eine politisch aktive Mutter haben – und nun selber für den Kantonsrat kandidieren.

Von Rivalität ist bei diesen Mutter-Tochter-Gespannen keine Spur – sie gehen zusammen durch dick und dünn, bilden ein vertrautes Doppel und haben das Heu auch politisch auf der gleichen Bühne. Wobei die Newcomerinnen meist noch kompromissloser sind als ihre Mütter.

Lisa und Susanne Vincenz

Als im Kanton St.Gallen an verschiedenen Orten Wahlplakate ihrer Mutter Susanne Vincenz-Stauffacher beschmiert wurden, empörte sich deren Tochter Lisa – und handelte. Wo «Hure» auf dem Plakat stand, sprayte sie zusammen mit ihrer Schwester Lara kurzerhand das Wort «guet» hinzu: «Huere guet».

Die 24-jährige HSG-Studentin arbeitete im Stab der Mutter für die Ständeratswahl. Danach leitete sie den erfolgreichen Nationalratswahlkampf, chauffierte die Mutter zu Wahlanlässen und verteilte am Bahnhof Flyer. Dabei fing die Studentin mit der schwarzen Mähne ebenfalls Feuer. Jetzt exponiert sie sich selbst und will den frei werdenden Sitz der Mutter im Kantonsrat übernehmen.

Sie seien beste Freundinnen, Vertraute, Komplizinnen. «Wir reden über alles.» Wenn Lisa die Mutter nach einem Auftritt kritisiert, schauen sie genau hin: Sind wir jetzt Mutter und Tochter oder Chefin und Angestellte?

In einem Steckbrief der Partei bezeichnet Lisa Vincenz ihre «Mami als Vorbild». «Ich bin beeindruckt, wie reflektiert sie mit Kritik umgeht», sagt die Jungpolitikerin, die sich als «hitzköpfiger» einschätzt. Da sei die Mutter vermittelnder, sachbezogener. Die beiden sind auch im Berufsleben ein Team. Lisa Vincenz arbeitet nebenbei in der Kanzlei der Mutter.

«Schon seit der 3. Klasse wollte ich so werden wie meine Mami und als Anwältin anderen helfen.»

Die junge Frau wohnt noch immer daheim in Abtwil. Um zu sparen, weil sie mit ihrer Schwester Lara einen Hund hat, und weil sie gern bei den Eltern wohnt. Natürlich habe sie in der Pubertät auch rebelliert, sich einen Nietengurt gekauft und die Haare rabenschwarz gefärbt.

2016 schloss sich Lisa Vincenz den Jungfreisinnigen an, inzwischen ist sie bei den Umweltfreisinnigen und betont, dass sie für ein Wochenende in Paris mit ihrem Freund den Zug nimmt. Ihre Mutter verzichtet aber noch konsequenter aufs Fliegen. Hier wolle sich Lisa weniger einschränken lassen. «Der Radius unserer gemeinsamen Ferien ist somit eingeschränkt», sagt die Nationalrätin.

Leandra und Seline Heim

Das gleiche Lächeln, die gleiche Nase: Leandra ist Seline Heim wie aus dem Gesicht geschnitten. Mutter und Tochter posieren zusammen auf einem Wahlplakat für den Kantonsrat. «Wir empfehlen uns auch in unserem Freundeskreis weiter», sagt Seline Heim. Sie pflege zu sagen: «Es freut mich, wenn du mir deine Stimme gibst – und meiner Tochter übrigens auch.» Leandra könnte vom Namen der prominenten Mutter profitieren.

Ein Herz für die Landwirtschaft: Seline und Leandra Heim.

Ein Herz für die Landwirtschaft: Seline und Leandra Heim.

Bild: PD

Dass die jüngste ihrer fünf Töchter in die Politik will, freut die Mutter. «Dabei heisst es ja, dass Kinder von Politikerinnen die Politik eher meiden. Weil sie sehen, wie viel Aufwand dahinter steckt. Und was es heisst, in der Öffentlichkeit zu stehen», sagt die 56-jährige Andwilerin, die seit 16 Jahren für die CVP im Kantonsrat sitzt und damit zu den politischen Urgesteinen gehört.

«Man kann es nie allen recht machen, braucht einen breiten Rücken.»

Nachzüglerin Leandra Heim wurde auch von ihren Schwestern erzogen. «Beim fünften Kind ist man natürlich entspannter», sagt Seline Heim. Und beschreibt Leandra als «herzlich, offen, freundlich und sensibel». Ihre Stärke sei, dass sie offen auf Leute zugehe. Das kommt ihr beruflich zugute: Sie vermählt Paare beim Zivilstandsamt der Stadt St.Gallen. «Ich bringe jeweils eine persönliche Note in die Zeremonie und schreibe auch mal ein Gedicht für das Brautpaar», sagt die Zivilstandsbeamtin, die ihr Herz schon vergeben hat – einem Landwirt.

Die Gossauerin, die auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, träumt vom eigenen Hof. «Die Arbeit mit den Tieren und die Selbstständigkeit sagen mir zu», sagt die 23-Jährige, die auf dem elterlichen Hof in Gossau wohnt, den ihre Schwester übernommen hat.

Leandra beschreibt die Mutter als geduldig, herzlich, flexibel und belastbar.

«Sie hat viel erreicht – als Politikerin, Bäuerin und Leiterin der Bäuerinnenschule.»

Auch die Tochter ist nicht nur lieb und nett. Im TSV Fortitudo lebt sie ihre kämpferische Seite aus. «Da bin ich zielstrebig, will den Ball ins Goal bringen», sagt die Unihockeyspielerin. Kämpfen will die junge CVP-Frau auch im Kantonsrat – vor allem, wenn es um die Zukunft der Bauern gehe.

Aliena und Regula ­Umbricht

Die Andwiler Gemeinderätin und Bildungsmanagerin Regula Umbricht und ihre Tochter Aliena klopfen gern zusammen einen Jass. Auf ihren Spaziergängen auf den Tannenberg debattieren die FDP-Frauen zudem über politische Themen. Jetzt kandidieren beide erstmals für den Kantonsrat. Während die Mutter stundenlang Krimis liest, powert sich die Tochter lieber beim Sport aus. Als junge Athletin beim Schwimmclub Flipper Gossau holte sie etliche Goldmedaillen. Das Schwimmen hat sie aufgegeben; inzwischen spielt sie Squash oder erlernt Paartänze wie Discofox.

Regula und Aliena Umbricht debattieren auf Spaziergängen gern über politische Themen.

Regula und Aliena Umbricht debattieren auf Spaziergängen gern über politische Themen.

Bild: PD

Aliena Umbricht studiert an der ETH Lebensmittelwissenschaften und jobbt bei der Sportanlage Gründenmoos. Die Mutter nehme ihr in strengen Lernphasen vieles ab. «Obwohl sie Karriere macht, ist sie immer für uns da. Das ist mega bewundernswert», sagt die 20-Jährige. Auch in der Pubertät hätten sie sich kaum je gezofft.

«Da ich fünf Mal in der Woche fürs Schwimmen trainierte, hatte ich gar keine Zeit zu pubertieren.»

Aliena Umbricht schaute schon als Kind gern die Tagesschau, sie interessiert sich fürs Weltgeschehen. Sollte sie gewählt werden, würde sie sich bei der Bildung und landwirtschaftlichen Themen einbringen. Auch mit der Ernährungssicherheit der Schweiz befasst sie sich. «Viele Leute urteilen pauschal über die Bauern oder Gentechnik. Ich finde, man sollte schon in der Schule besser verstehen lernen, wie die Landwirtschaft funktioniert.»

Bei den Jungfreisinnigen fühlt sich Aliena Umbricht wohl, die Leute passen ihr. Als ihr auffiel, wie wenig junge Frauen kandidieren, beschloss sie, sich auf die Liste setzen zu lassen.

Wie die Eltern

Auch in der Stadt St.Gallen kandidieren Eltern-Kind-Gespanne für den Kantonsrat, zum Beispiel Doris Königer und ihre Tochter Monika Simmler, beide bei der SP, oder Max Lemmenmeier und seine Tochter Eva, ebenfalls in der SP. Für die EVP kandidiert gleich eine ganze St.Galler Familie: Die Eltern Gisela und Daniel Bertoldo mit ihren Söhnen Simeon und Gabriel sowie Schwiegertochter Tanja. (mem)