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Wie der Vater, so die Tochter: Marroni, Raclette und Risotto sind die Leidenschaft von Ugo und Astrid Mascetti aus St.Gallen

Ugo Mascetti brät seit 43 Jahren Marroni am Hauptbahnhof. Seine Tochter Astrid hilft ihm – und wohnt mit ihm.
Rossella Blattmann
Nicht nur beim Marronirösten ein Team: Astrid Mascetti und ihr Vater Ugo.Bild: Lisa Jenny (1.Oktober 2019)

Nicht nur beim Marronirösten ein Team: Astrid Mascetti und ihr Vater Ugo.Bild: Lisa Jenny (1.Oktober 2019)

Wie die Eltern

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Dieses bekannte Sprichwort meint, dass ein Kind Eigenschaften und Verhaltensweisen der Eltern übernimmt. In einer losen Serie porträtiert die «Tagblatt»-Stadtredaktion Familien, in denen ein Kind dasselbe macht wie die Mutter oder der Vater – beruflich, politisch, gesellschaftlich, sportlich oder künstlerisch. (red)

«Marroni, heissi Marroni!» So tönt es alle Herbste wieder. Auch dieses Jahr ist Ugo Mascettis freundliche Stimme im Pendlerlärm des St.Galler Bahnhofplatzes gut zu hören. Beim Treffen, ein paar Tage vor dem Verkaufsstart am 1. Oktober, fällt in St.Gallen Nieselregen. Mascetti sitzt in der Pastabar Nannini an der Heiligkreuzstrasse. An seiner Brust hängt ein grosses Kreuz an einer massiven Goldkette. «Ich bin der älteste Marronimann von St.Gallen» sagt der 84-Jährige mit leicht italienisch gefärbtem Akzent, während er einen Schluck Espresso nimmt.

Seit 43 Jahren brät der gebürtige Italiener am Hauptbahnhof Marroni. Auch diesen Herbst stehen die St.Gallerinnen und St.Galler wieder vor dem Marronihüsli der Mascettis Schlange, um eine braune Papiertüte «heissi Marroni» zu kaufen.

Durch die Liebe zu den Früchten

Am Stand hat der Italo-St.Galler eine Frau an seiner Seite. Mascettis 61-jährige Tochter Astrid verkauft gemeinsam mit ihrem Vater die dunkelbraunen Herbstfrüchte. Sie sitzt neben ihm. Er sei nicht mehr der Jüngste. Darum greife sie ihm unter die Arme. «Wir sind eine italienische Familie», sagt Astrid Mascetti.

«Italienische Familien halten zusammen.»

Das Geschäft ist bei Mascettis Familiensache. Auch Astrid Mascettis jüngere Geschwister, die Zwillinge Marco und Vera, sind im Markt- und Imbissgeschäft der Familie tätig.

Vom 10. bis 20. Oktober ist wieder Olma. An der Herbstmesse verkauft Astrid Mascetti jeweils Raclette auf dem Jahrmarkt. «Seit 42 Jahren», sagt sie stolz. Auch dieses Jahr wird sie wieder fleissig den geschmolzenen Käse schaben. Auf Toastbrot, nicht auf Kartoffeln, betont sie. «Raclette mit Kartoffeln – das kann doch jeder Zuhause selber machen.» Sie wolle den Jahrmarktbesuchern etwas Besonderes bieten.

Käse und Marroni sind nicht das einzige Geschäft der Marktfamilie Mascetti. «Seit Ende der 1970er-Jahre betreiben wir verschiedene Imbissstände in der Rondelle am Bohl», sagt Astrid Mascetti. Derzeit sind dies das Café Rondo und die direkt angeschlossene «Risotteria», wo Risotti mit Spinat, Kürbis oder Pilzen in der Pfanne köcheln. Doch die Präsenz der Mascettis auf dem St.Galler Marktplatz geht noch weiter zurück. Bereits die – ebenfalls aus Italien stammende – Familie von Ugo Mascettis Ehefrau Nelly Mascetti-Lucchi verkaufte auf dem Gemüsemarkt Früchte und Gemüse.

Bevor sie von ihrem Vater Raclette zubereiten und Marroni rösten lernte, verkaufte auch Astrid Mascetti im «Rondo» mehrere Jahre lang Kaffee und Pizzastücke. Doch jetzt konzentriere sie sich auf das Geschäft mit dem Raclette. Aus gesundheitlichen Gründen, sagt sie: Sie müsse sich schonen, genauso wie der Vater. «Darum haben wir jetzt einen Compagnon», wirft Ugo Mascetti ein. Mit dem Unteregger Caterer Guido Egger habe man einen langjährigen Freund als Geschäftspartner ins Boot der Familienfirma geholt, sagt seine Tochter.

Eine ungewisse Zukunft

Seit dem Tod von Mutter Nelly von vor fünf Jahren teilen sich Vater und Tochter eine Wohnung. «Ich musste meiner Mutter versprechen, dass ich nach ihrem Tod zum Vater schaue», sagt Astrid Mascetti. Sie kümmere sich um Buchhaltung und Haushalt, während ihr Vater am Herd stehe. Er sei ein sehr guter Koch, schwärmt die Tochter. Sein Paradegericht sei Braten.

«Aber meine Tochter macht die viel besseren Schnitzeli. Genau so wie meine Frau, das kann nur Astrid.»

Die Wohngemeinschaft mit ihrem Vater funktioniere gut, sagt Astrid Mascetti. Mit einer Ausnahme: «Bei der Wahl des Fernsehprogramms gibt es schon mal Streit.»

An diesem grauen Septembertag hat es zu regnen aufgehört. Ugo Mascetti steht auf und macht sich auf dem Weg zur Bushaltestelle. Seine Tochter bleibt noch eine Weile im «Nannini» sitzen. Mit der Neugestaltung von Marktplatz und Bohl und dem geplanten Abbruch der Rondelle stehen die Mascettis vor einer ungewissen Zukunft. Astrid Mascetti weiss nicht, wie es mit dem Familiengeschäft genau weiter geht. «Schauen wir, was kommt», sagt sie und tritt hinaus in den kühlen Herbst.

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