Whatsapp an den Samichlaus: Wie die Klausgruppen St.Gallen trotz Corona Kinder beschenken und wie Sie mit Ihrer Familie mitmachen können

Die Samichlausbesuche in den Stuben der Stadt fallen dieses Jahr aus. Einfach so absagen? Das wollten die St.Galler Klausgruppen nicht – und haben eine digitale Alternative auf die Beine gestellt.

Linda Müntener
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Samichlaus Roman Rieger (rechts) und Schmutzli Peter Knill in Zivil.

Samichlaus Roman Rieger (rechts) und Schmutzli Peter Knill in Zivil.

Bild: Michel Canonica

Schmutzli ist verzweifelt. «Ums Verrode» wolle der Esel die Maske nicht anziehen, beklagt er sich beim Samichlaus, «dabei müssen das doch jetzt alle!» Der Chlaus, über sein goldenes Buch gebeugt, winkt ab. «Lass ihn, wir können dieses Jahr sowieso nicht zu den Familien. Auch wenn sich alle darauf gefreut haben.»

Es ist die erste Szene des Videos, das die Klausgruppen St.Gallen unlängst veröffentlicht haben. In den Hauptrollen Roman Rieger als Chlaus und Peter Knill als Schmutzli. Eigentlich sind die beiden während der Vorweihnachtszeit in den Stuben der Stadt unterwegs. Doch Corona macht dies 2020 unmöglich – alleine deshalb, weil sich die Chläuse ihre Bärte und Kostüme teilen. Die Besuche jetzt einfach so streichen? Das kam nicht in Frage. Die Idee: Chlaus und Schmutzli gehen ins Homeoffice.

Das funktioniert so: Die Familien schauen das von Rieger und Knill produzierte Video gemeinsam an. Die Kinder malen danach ein Bild oder nehmen ein Sprüchli auf, die Eltern verschicken das per Whatsapp oder per Post (siehe Infobox). Ein paar Tage später liegt eine Überraschung im Briefkasten. Mit Grusskarte, handgeschrieben vom Samichlaus und Schmutzli persönlich.

Digitaler Samichlausbesuch

So können Sie mitmachen

Samichlaus und Schmutzli laden die Kinder aus der Stadt St.Gallen und der nahen Umgebung ein, per Whatsapp ein Foto eines selbst gemalten Bildes oder einer Bastelkunst zu schicken. Die Nummer: 079 363 11 94. Sprüchli oder Lieder können als Audioaufnahme oder Video zugesendet werden. Wer bis zum 13. Dezember mitmacht, bekommt eine Überraschung per Post. Auch Lehrpersonen können mit ihren Schulklassen mitmachen und erhalten etwas für die ganze Klasse. In diesem Fall ist eine frühzeitige Anmeldung gewünscht. Seniorinnen und Senioren sind ebenso eingeladen, mitzumachen. Wer per Post mitmachen will, schickt das Bild an: Peter Germann, Saum 41, 9100 Herisau.

Damit soll die Tradition gerade in diesen aufreibenden Zeiten erhalten bleiben. «Wir wollten eine Alternative bieten, die auf jeden Fall coronasicher ist», sagt Roman Rieger. Der Seelsorger der katholischen Kirche St.Gallen gab schon während seiner Jugend im selbstgebastelten Kostüm den Chlaus. Schmutzli Peter Knill ist in der Geschäftsleitung der St.Galler Agentur Echt und seit 25 Jahren Mitglied des Vereins.

Auf dem Programm stehen normalerweise auch Caritas-Besuche. Soziale Institutionen, die Spitex, Pfarrämter, oder Privatpersonen liefern Adressen von Leuten, für die der Chlausbesuch mehr als ein Brauch ist. Eine Aufmunterung, eine Ablenkung vom schwierigen Alltag. «Diese Besuche mache ich am liebsten», sagt Peter Knill. «Man sieht die Schattenseiten der Stadt.»

Roman Rieger.

Roman Rieger.

Bild: Michel Canonica

Der Verein hat seine Anfänge im Jahr 1937. Heute engagieren sich für die Klausgruppen über 60 Freiwillige. Jedes Jahr wird ein Motto bestimmt, am «Chlaus-Seminar» stellt man Gedicht, Lied und Geschichten den übrigen Chlausen und Schmutzlis vor. Dieses Jahr wäre das Thema Freundschaft an der Reihe gewesen. Die Auftritte sollen Freude versprühen. Roman Rieger sagt:

«Ich sehe meine Rolle eher als gütiger Nikolaus, nicht als strafender Samichlaus.»

Er versteht sich als Botschafter des Guten mit christlicher Basis, missionieren wolle er aber nicht. Genauso sei pädagogisches Tadeln für unaufgeräumte Zimmer oder schludriges Zähneputzen nicht seine Aufgabe. Dass die Kinder vor dem Chlausbesuch angespannt und nervös sind, gehöre dazu. Angst sollen sie aber keine haben. «Wir ziehen immer das Positive raus», sagt er, auch wenn sich das die Eltern manchmal anders vorstellen. «Einmal hat eine Frau ein Sündenregister für ihren Ehemann vorbereitet», erinnert sich Peter Knill und lacht. «Wir sind doch keine Eheberater.»

Peter Knill.

Peter Knill.

Bild: Michel Canonica

Helfende Hände und Engel gesucht

Dass solche Begegnungen dieses Jahr fehlen werden, sei natürlich schade. Insbesondere deshalb, weil sich im vergangenen Jahr 30 neue Kinder als «Engel» angemeldet haben. Jeweils zwei von ihnen begleiten das Duo, tragen den Leuten ihr Sprüchli vor und singen ein Lied. Auch im Video haben zwei Engel einen Auftritt, es sind zwei von Riegers vier Kindern. Weil die Aktion auch in den sozialen Medien beworben wird, erhofft sich der Verein etwas Werbung für das Engagement – sei es als Chlaus, Schmutzli, Engel, Fahrer oder Päcklipacker.

Wie gross das Echo nun sein wird, können die beiden nicht abschätzen. Die eingereichten Werke werden übrigens nicht bewertet. Alle, die mitmachen, werden belohnt. Hauptsache, die Kinder haben Spass bei der Vorbereitung und verspüren Vorfreude, bis der Pöstler klingelt. Und noch mehr, bis es nächstes Jahr hoffentlich wieder der Samichlaus ist, der vor der Türe steht.