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Wieso man Wespen schützen und nicht töten soll

Wegen des Hitzesommers gibt es auch in der Stadt sehr viele Wespen. Die Berufsfeuerwehr rückte wegen der Insekten bisher 195 Mal aus. Doch nicht bei jedem Einsatz entfernt sie das Nest.
Christoph Renn
Weil Wespen keine Nester mehr bauen müssen, sind sie momentan auf der Suche nach Zucker. (Bild: Frank Rumpenhorst/DPA)

Weil Wespen keine Nester mehr bauen müssen, sind sie momentan auf der Suche nach Zucker. (Bild: Frank Rumpenhorst/DPA)

Sie sitzen auf dem Rand des Bierglases oder auf dem Glacé: die Wespen. In diesem Jahr sind es so viele wie schon lange nicht mehr. Grund dafür sind die warmen Temperaturen und das trockene Wetter. «Momentan sind sie besonders lästig», sagt Jonas Barandun, wissenschaftlicher Experte des Naturmuseums St. Gallen. Denn nun haben es die Tiere auf Zucker abgesehen. Eiweiss bräuchten sie nicht mehr so viel, denn «sie müssen weder Nester bauen noch sich entwickeln».

Doch er relativiert auch: «Die Leute sitzen nicht mehr so oft im Freien wie im Hochsommer und deshalb fallen die Wespen weniger auf.» Die Insekten würden aber immer öfter auch in den Häusern auf Nahrungssuche gehen.

Die Temperaturen sind in den vergangenen Tagen zwar etwas gesunken, doch herrscht weiter Wespen-Wetter. Dies spürt auch die Berufsfeuerwehr St. Gallen. «Noch immer werden wir wegen störender Wespen gerufen», sagt Kuno Rutz, stellvertretender Zugführer.

Bereits jetzt ist 2018 ein Rekordjahr. 2015 musste die Berufsfeuerwehr wegen Wespen 131 Mal ausrücken, in diesem Jahr waren es bis gestern bereits 195 Einsätze. Und die Zahl wird weiter steigen. Doch nicht bei jedem Einsatz vernichten die ausgerückten Feuerwehrleute das Nest. Im Gegenteil: «Wir wollen Leben erhalten und nicht zerstören», sagt Rutz.

Die Feuerwehr setzt Gift gegen Wespen ein

Ob ein Wespennest entfernt werden muss, liegt im Ermessen der Feuerwehr. «Ist ein Anwohner ein Allergiker, ist die Sachlage klar», sagt Rutz. Anders sehe es aus, wenn sich die Wespen irgendwo verstecken und nicht direkt mit Menschen in Kontakt kommen. Denn Wespen seien keineswegs aggressiv. Nur wenn sie sich bedroht fühlen, stechen sie zu.

«Wir versuchen die Leute aufzuklären, dass Wespen nützliche Tiere sind.»

Weil sie unter anderem Mottenlarven fressen, helfen sie beispielsweise bei der Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft und im Garten. Zudem verspeisen sie alle Insekten, die kleiner sind als sie, also auch lästige Stechmücken. Und sie dienen anderen Tieren als Nahrung. «Dachse und Raubvögel verspeisen beispielsweise Wespen», sagt Barandun.

Der Feuerwehr geht es aber nicht nur um den Schutz der Tiere, sondern auch um jenen der Natur. «Die Leute sollten wissen, dass wir oft Gift einsetzen müssen, um die Wespen zu töten.» Beim Einsatz dieser Stoffe sei man heute viel zurückhaltender als noch vor 15 Jahren. Zwar könne man die Nester auch umsiedeln, doch nicht immer. «Haben sich die Wespen in schwer zugänglichen Orten wie Hausfassaden oder Rollläden eingenistet, bleibt nur noch der Griff zum Gift», sagt Rutz.

Wie lange die Wespen noch in der Stadt herumschwirren, kann Barandun nicht genau sagen. «Das kommt auf das Wetter an.» Bleibt es trocken und warm, dürften sie bis zum Ende der Herbstferien überleben. «Kommt ein Kälteeinbruch, sind sie vorher weg.»

Die Königinnen werden sich irgendwo verkriechen und im Frühling ein neues Volk aufbauen. «Jedoch nicht mehr im selben Nest», sagt Barandun. Denn dieses sei oft von Parasiten befallen, oder es verfaule über die Wintermonate. Deshalb, und weil die Wespen nicht mehr weiterbauen, nütze es nichts, die Nester zu entfernen. «Jetzt ist es bereits zu spät», sagt Rutz.

Das Entfernen eines Nestes kostet 190 Franken

Oft reichen laut Rutz einfache Tricks, um sich vor Wespen zu schützen. «So hilft es, die Bierflasche nach dem Schluck wieder zu schliessen, die Gläser mit einem Deckel zu schützen und Essensreste schnell abzuräumen.» Denn das Entfernen von Wespennestern kostet. Die Hauseigentümer müssen den Einsatz der Feuerwehr aus dem eigenen Sack zahlen. «Jedes Nest, das wir entfernen, kostet pauschal 190 Franken», sagt Kuno Rutz.

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