Weshalb der Waldkircher Gemeindepräsident 40'000 Franken gegen Vandalismus und Littering einsetzen will

Im beschaulichen Waldkirch gab es seit November fast 30 Wegweisungen, drei Hausverbote auf Schulanlagen und zwei Anzeigen wegen Verstössen dagegen. Aurelio Zaccari erklärt, was in seiner Gemeinde vor sich geht.

Johannes Wey
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Bis zu seiner Wahl arbeitete Aurelio Zaccari bei der Kantonspolizei.

Bis zu seiner Wahl arbeitete Aurelio Zaccari bei der Kantonspolizei.

Urs Bucher

Immer wieder hat der Waldkircher Gemeindepräsident Aurelio Zaccari in den vergangenen Monaten Vandalismus, Littering und Nachtruhestörungen von betrunkenen Jugendlichen angeprangert. Nun will die Gemeinde deswegen für jährlich 40'000 Franken näher mit dem Sicherheitsverbund Region Gossau zusammenarbeiten.

Was ist in Waldkirch los?

Dass Junge Littering, Nachtruhestörungen und Sachbeschädigungen begehen, ist nicht nur in Waldkirch ein Thema, andere Gemeinden kennen das auch.

In früheren Jahren gab es bei solchen Vorkommnissen meist im Spätsommer bis zum Herbst gewisse Spitzen, dann flachten sie wieder ab. Seit letzten August ist das aber lange nicht eingetreten, auch im Winter nicht.

Wir haben einzelne Jugendliche, die aus dem Rahmen fallen, einheimische und auswärtige. Das färbt leider auf andere ab. In den letzten Wochen hat sich die Situation aber etwas beruhigt, die Massnahmen scheinen zu wirken. Trotzdem dürfen und wollen wir die Massnahmen nun nicht vollends herunterfahren.

Scheint da der Polizist durch, der Sie einmal waren?

Nein. Wir hatten viele Rückmeldungen aus der Bevölkerung, die wir ernst nehmen müssen. Viele Einwohner haben, auch nach einem Aufruf der Gemeinde, Nachtruhestörungen und kleinere Sachbeschädigungen der Polizei gemeldet.

Auch diese hat festgestellt, dass oft Alkohol im Spiel ist und kein vernünftiges Gespräch mehr stattfinden kann.

«Teilweise wurden die Mitarbeiter des Sicherheitsdiensts auf ihren Rundgängen angefeindet.»

Vielfach an den Abenden, nach denen am Montagmorgen auf dem Schulareal Scherben oder fünf, sechs leere Schnapsflaschen herumgelegen sind. Das liegt ausserhalb des Rahmens, den unsere Hauswarte aus anderen Jahren kennen. Darum haben wir die Zusammenarbeit mit der Polizei vertieft.

Wie sind die Erfahrungen mit dem Jugendraum für ältere Jugendliche?

Damit haben wir ein Bedürfnis der Jugendlichen aufgenommen. Am Anfang hat das gut funktioniert, später wurden die Auflagen nicht mehr eingehalten: Einzelne rauchten im Raum und es wurde nicht geputzt wie abgemacht. Deswegen ist der Jugendraum derzeit geschlossen.

Ich will aber nicht nur auf Repression setzen, sondern auch auf die Jugendlichen zugehen. Deswegen hat kürzlich wieder ein Austausch zwischen Gemeinde, der Polizei und den Jugendlichen stattgefunden.

Urs Bucher

Sie brauchen einen Ort, wo die Musik auch einmal laut sein darf. Wenn die Entspannung der letzten zwei Wochen anhält, können wir über die Öffnung des Raumes mit klaren Rahmenbedingungen wieder diskutieren.

Sie behandeln die Jugendlichen also als Kollektiv und bestrafen oder belohnen alle.

Wie will ich dem sonst Herr werden? In der Regel wissen die Jugendlichen untereinander ja, wer für welche Schäden verantwortlich ist. Wenn wir das nicht erfahren, können wir sie nicht vor den Konsequenzen schützen.

«Wenn wir wissen, dass eine Gruppe Jugendlicher im Dorf unterwegs war, wovon einzelne Schäden verursacht haben, gilt: mitgegangen, mitgefangen – dass das heikel ist, ist mir bewusst.»

Seit November gab es 30 Wegweisungen und Fernhaltemassnahmen, drei Hausverbote und zwei Anzeigen. Das ist drastisch.

Dem stimme ich zu. Es gab vor dem Jahreswechsel eine Häufung von Vorfällen, wo auch das Auftreten gegenüber der Polizei nicht stimmte.

Die Polizei hat da 26 Wegweisungen für 24 Stunden und zwei Fernhaltemas­snahmen für 30 Tage ausgesprochen. Wo es Wegweisungen gegeben hat, drohten wir ein Hausverbot für die Schulanlagen an, bei Minderjährigen mit einem Schreiben an die Eltern. Direkt ausgesprochen wurden Hausverbote bei der Verhängung eine Fernhaltemassnahme.

Es gab insgesamt drei Hausverbote, wovon zwei auswärtige Jugendliche betreffen. Zwei Jugendliche verstiessen gegen das Verbot und wurden angezeigt.

«Letztlich müssen wir die Regeln durchsetzen, sonst können wir es gleich sein lassen.»

Die Lage hat sich gebessert. Trotzdem streben Sie mit der stärkeren Einbindung in den Sicherheitsverbund eine dauerhafte Massnahme an.

Früher zogen wir den Sicherheitsdienst jeweils nur zu den Spitzen im Sommer bei. Dann beginnt man jedes Jahr bei null. So können wir kontinuierlich an der Situation arbeiten und Polizei und Jugendliche lernen sich kennen. Zudem wird unsere Jugendarbeiterin ins Netzwerk des Sicherheitsverbunds eingebunden, was sehr wertvoll ist.

Sie budgetieren 40'000 Franken für Stadtpolizei und Sicherheitsdienst. Wie hoch waren die Ausgaben bisher?

In den Vorjahren zwischen 6000 und 8000 Franken. Wir würden aber vom Netzwerk profitieren und von regelmässigen Kontrollen und Einsätzen bei Veranstaltungen. Zudem sind die 20'000 für Securitas-Dienstleistungen und 20'000 für die Stadtpolizei als Kostendach anzusehen. Der Aufwand wird effektiv abgerechnet.

Wie hoch waren 2019 die Sachschäden?

Ich schätze 8000 Franken nur bei der Gemeinde. Private Schäden sind nicht eingerechnet. Aber die Mehraufwände für das Gemeindepersonal, die Hauswarte und auch für mich darf man nicht ausser Acht lassen.

Haben Sie in Ihrer Jugend auch einmal über die Stränge geschlagen?

Wir haben auch Lausbubenstreiche gespielt. Dass es einmal etwas lustiger und lauter wird, dafür hätten die Waldkircherinnen und Waldkircher auch heute Verständnis. Aber bei Sachbeschädigungen, Scherben und lauter Musik auch unter der Woche, da hört es auf.