Thaler Widerstand gegen Fahrende

Der Kanton St. Gallen hat Mühe, geeignete Standplätze für Fahrende zu finden. In Thal stimmt die Bevölkerung über einen geplanten Durchgangsplatz ab – der nur Schweizer Fahrenden offenstehen soll.

Martin Rechsteiner
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Thal stimmt am 18. Mai über einen Standplatz für Fahrende ab. (Bild: Ralph Ribi)

Thal stimmt am 18. Mai über einen Standplatz für Fahrende ab. (Bild: Ralph Ribi)

THAL. Am 18. Mai stimmt die Thaler Bevölkerung über die Realisierung des Durchgangsplatzes «Fuchsloch» für Fahrende ab. Beim Kanton hofft man auf ein Ja. Man habe grosse Mühe gehabt, einen geeigneten Standort zu finden, sagt Ueli Strauss, Leiter des kantonalen Amts für Raumentwicklung und Geoinformation. Plätze für Fahrende stiessen vielerorts auf Widerstand – oft auch bei den kommunalen Behörden. «Das Thema Durchgangsplätze ist im Kanton ein Trauerspiel seit 20 Jahren», sagt Strauss. «Jetzt ist es uns gelungen, mit den Gemeinden ein Konzept zu erarbeiten, in dem wir sechs mögliche Standorte für Durchgangsplätze bestimmen konnten.»

Der Kantonsrat hat in den Jahren 2007 bis 2009 insgesamt 2,85 Millionen Franken für die Realisierung der Standorte bewilligt. Umgesetzt werden vorderhand aber nur zwei: Der eine im Industriegebiet Gossau, der andere im «Fuchsloch».

Thal hat bereits Erfahrung mit Fahrenden. In der Vergangenheit haben sich diese oft beim Arena-Areal niedergelassen. Der Standort «Fuchsloch» ist aus Sicht der Behörden auch deshalb ideal, weil der Boden günstig von der jetzigen Besitzerin, der Armasuisse, übernommen werden kann. Der Gemeinderat unterstützt das Projekt.

Reserviert für Schweizer

Aufhorchen lässt, dass der geplante Durchgangsplatz im «Fuchsloch» nur für Schweizer Fahrende zugänglich sein soll. «Selbstverständlich kann man kein Schild über dem Eingangstor anbringen, auf dem steht: <Nur für Schweizer>», sagt Strauss. Dennoch sei der Platz für Fahrende aus der Schweiz reserviert. Dies sei zulässig, weil in der Nähe im Bündnerland ein Platz auch für grosse Gruppen ausländischer Fahrender existiere. Verwaltet wird der Standort im «Fuchsloch» von der Gemeinde. Wer auf den Platz will, muss sich bei den Behörden anmelden und eine Depotgebühr bezahlen. Die Gemeinde wird damit auch entscheiden, wer auf den Platz darf und wer nicht.

«Natürlich werden auch ausländische Fahrende kommen. Ihnen werden wir eine Chance geben», sagt Gemeindepräsident Robert Raths. Thal habe in der Vergangenheit jedoch teils schlechte Erfahrungen gemacht mit Fahrenden aus dem Ausland. «Machen sie wieder eine grosse Unordnung, werden wir den Platz definitiv nur noch Schweizern zur Verfügung stellen», stellt er klar. «Für grosse Gruppen ausländischer Fahrender wäre der Durchgangsplatz <Fuchsloch> ohnehin zu klein», sagt Urs Glaus. Er ist Geschäftsführer der Stiftung Zukunft für Fahrende. «Ausländer fahren meist in grösseren Gruppen, wofür Platz und Infrastruktur im <Fuchsloch> nicht ausreichen würden.» Glaus ist ein klarer Befürworter des Projekts in Thal: «Im Moment ist es der kostengünstigste und beste Standort im Kanton.»

Die Ängste und Vorurteile gegenüber den Fahrenden sind in den Augen von Glaus ungerechtfertigt. «Sie arbeiten, zahlen Steuern und leisten Militärdienst wie jeder andere Bürger auch.» Der einzige Unterschied zu Sesshaften sei, dass sie nicht zur Arbeit pendelten, sondern ihr nachreisten, sagt er.

Gegen die Zersiedelung

«Uns geht es gar nicht darum, dass wir die Fahrenden nicht wollen», sagt Andreas Herzog, einer der Initianten des Referendums. «Wir wehren uns gegen das Projekt, weil wir die Zersiedelung stoppen wollen.» Ein Hauptanliegen sei ihm der Umweltschutz. «Die Schweiz ist bereits sehr dicht bevölkert», so Herzog. Neue Standplätze für Fahrende würden zusätzlichen Raum beanspruchen. «Bei der Umsetzung dieses Projekts wird zudem Landwirtschafts- in Industrieland umgezont», sagt Herzog.

Er habe auch deshalb das Referendum lanciert, damit die Bürger von Thal über diese Umzonung entscheiden könnten. Herzog geht es nach eigenen Aussagen aber auch um ein soziales Anliegen: Die Fahrenden würden zusätzlich ausgegrenzt, wenn man sie an den Rand des Dorfes verbanne.

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