Projekt für Gondelbahn liegt auf

Die geplante Gondelbahn vom Espel auf den Chäserrugg wird rund 2,4 Kilometer lang sein. Momentan liegen die Unterlagen des Projekts öffentlich auf. Die Bergbahnen Toggenburg rechnen damit, die Gondelbahn auf die Wintersaison 2015/2016 in Betrieb zu nehmen.

Martin Knoepfel
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ALT ST. JOHANN/UNTERWASSER. Die gesamten Unterlagen – darunter sehr viele Pläne – füllen zwei Bundesordner vollständig aus. Noch bis zum 16. Januar liegt auf der Gemeindeverwaltung von Wildhaus-Alt St. Johann in Alt St. Johann das Projekt der Gondelbahn Espel-Stöfeli-Chäserrugg öffentlich auf. Bis dann sind auch Einsprachen möglich.

Kapazität steigern

Die geplante Gondelbahn werde das Nadelöhr Iltios entlasten, schreiben die Bergbahnen Toggenburg, die Bauherren sind. Die Skipisten könnten noch zusätzliche Gäste empfangen. Die Kapazität der heutigen Luftseilbahn Iltios-Chäserrugg betrage 480 Personen pro Stunde. Die neue Gondelbahn werde bis zu 2500 Personen in der Stunde befördern.

Die Skilifte Espel und Stöfeli haben laut Auskunft der Bergbahnen eine Kapazität von rund 800 respektive 1000 Personen pro Stunde. Damit steigt die Beförderungskapazität durch den Bau der Gondelbahn um circa 700 Personen pro Stunde.

Die neue Gondelbahn führt gemäss den aufgelegten Plänen von der Talstation des heutigen Skilifts Espel mit einer Zwischenstation im Stöfeli auf den Chäserrugg. Skifahrer, die mit der Standseilbahn auf den Iltios fahren, müssen also die Skier für den kurzen Weg zur Talstation der Gondelbahn anschnallen und dort wieder ausziehen.

Prominente Architekten

Die Bergstation wird etwas mehr als einen halben Kilometer nordöstlich des Gipfelrestaurants auf 2071 Metern Höhe erstellt. (Der Chäserrugg ist 2262 Meter hoch.) Skifahrer müssen also von der Bergstation der neuen Gondelbahn zur Talstation des Schleppliftes beim Ruggschopf und mit diesem auf den Chäserrugg fahren, wenn sie ins Restaurant wollen.

Als Architekten für die Hochbauten wurde das Basler Büro Herzog & De Meuron verpflichtet, das schon für das im Bau befindliche neue Gipfelrestaurant auf dem Chäserrugg verantwortlich zeichnet. Die Tal- und die Bergstation werden als rechteckige Zweckbauten mit Giebeldächern ausgeführt. Die Talstation erhält auf der Ost- und der Westseite fensterlose Fronten. Die Mittelstation befindet sich in einer exponierten Lage am Hang. Sie wird sich dank dem geschwungenen Grundriss und einem abgesehen von den Rippen flachen Stahlbetondach gut in die Landschaft einfügen.

Fahrzeit von gut zehn Minuten

Die neue Gondelbahn wird über 78 Gondeln verfügen und eine Höhendifferenz von etwas mehr als 800 Metern überwinden. Die untere Etappe wird zehn Stützen aufweisen und 1,4 Kilometer lang sein. Die obere Etappe mit neun Stützen misst einen Kilometer. Ein Stahlseil mit 50 Millimetern Durchmesser wird die Gondeln mit einer Geschwindigkeit von maximal 21,6 Kilometern pro Stunde ziehen.

Die Fahrzeit vom Espel auf den Chäserrugg wird etwas mehr als zehn Minuten betragen. Die Gondelbahn wird ebenfalls im Sommer verkehren. Da die Gondelbahn einen elektrischen Antrieb erhält, müssen noch diverse Starkstromleitungen verlegt werden.

Gondeln für zehn Personen

Die Gondeln fassen zehn Personen. Lieferant der Seilbahnanlagen ist die Innerschweizer Firma Garaventa, eine Tochtergesellschaft des international tätigen österreichischen Konzerns Doppelmayr. Bei Garaventa und bei Doppelmayr ist die Medienstelle wegen der Betriebsferien diese Woche nicht besetzt. Es liess sich deshalb nicht feststellen, ob Garaventa schon Zehner-Gondelbahnen an Kunden in der Schweiz geliefert hat. In Savognin und in der Lenk sind gemäss Seilbahnlexikon Zehner-Gondelbahnen von Leitner, dem anderen bedeutenden Hersteller, im Einsatz.

Für das Plangenehmigungsverfahren haben sich die Bauherren Gedanken über die Bergung der Passagiere bei Defekten an der Gondelbahn machen müssen. Das kann man den aufliegenden Unterlagen ebenfalls entnehmen. Das Ziel ist, dass bei einem Defekt, der die Bahn stilllegt, alle Passagiere innert maximal dreieinhalb Stunden in Sicherheit gebracht werden können. In den Unterlagen für die Planauflage sind sogar die Texte der Lautsprecherdurchsagen abgedruckt, mit denen man in einem solchen Fall die Passagiere informiert.

Die Skilifte Espel (Jahrgang 1966) und Stöfeli (1936) werden abgebrochen. Für die Materialtransporte während des Baus, vor allem im Zusammenhang mit der Mittelstation, wird aus Umweltschutzgründen teilweise die Luftseilbahn herangezogen. Für das Verfahren für die Bewilligung der Gondelbahn ist das eidgenössische Seilbahngesetz massgeblich.

Mehr Wald als vorher

Für die Gondelbahn müssen 3543 Quadratmeter Wald gerodet werden. Als Ersatz werden in der Schneise des Skilifts Stöfeli 5665 Quadratmeter aufgeforstet.

Das Gebiet Speer–Churfirsten–Alvier wurde 1996 ins Bundesinventar der Landschaften von nationaler Bedeutung aufgenommen. Das bedeutet unter anderem, dass die Silhouetten der Berge nicht verändert werden sollten.

Das auf dem Chäserrugg gelegene Teilstück der Gondelbahn sei von weitem sichtbar, räumen die Bauherren im Umweltbericht ein. Dennoch werde das Landschaftsbild nur unwesentlich verändert, weil der bestehende Schlepplift, die Bergstation und das im Bau befindliche neue Restaurant auf dem Chäserrugg ebenfalls von weitem sichtbar sind respektive sein werden. An der Ostseite des Chäserrugg gibt es eine neue Wildruhezone.

Ehrgeiziger Zeitplan

Der Zeitplan für den Bau mutet sportlich an. Baubeginn soll in der 19. Woche des Jahres sein, also ab dem 4. Mai. Die Abnahme ist für die Kalenderwoche 50, welche am 7. Dezember beginnt, vorgesehen. Damit wäre die neue Gondelbahn für die Wintersaison 2015/2016 verfügbar.

Im Oktober letzten Jahres hatte Mélanie Eppenberger, Verwaltungsratspräsidentin der Toggenburg Bergbahnen AG, gegenüber dieser Zeitung die Kosten der neuen Gondelbahn auf rund 20 Millionen Franken beziffert, mit der Einschränkung, dass das nicht in Stein gemeisselt sei.

Pro Natura und der WWF werden gegen die neue Gondelbahn keine Einsprache machen. Das bestätigte Martin Zimmermann, Geschäftsführer des WWF Ausserrhoden/Innerrhoden/St. Gallen auf Anfrage dieser Zeitung. Er finde das Projekt grundsätzlich gut. Die Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft sei gut gewesen, sagte Martin Zimmermann. Die Bauherren nähmen Rücksicht auf die Natur und hätten die Einwände von WWF und Pro Natura aufgenommen.

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