BUCHS: Aus Nischenprodukt wird Hilfsmittel

Drei Autoren, die sich selbst als «Buchband» bezeichnen, gründeten vor zwei Jahren ihren eigenen Verlag. Am Samstag lasen sie aus dreien ihrer Werke in der Kulturstüdtlimühle.

Julia Kaufmann
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Die Autoren Tom Zai, Alice Gabathuler und Stephan Sigg (von links). (Bild: Julia Kaufmann)

Die Autoren Tom Zai, Alice Gabathuler und Stephan Sigg (von links). (Bild: Julia Kaufmann)

Julia Kaufmann

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Die leidenschaftlichen Geschichtenschreiber Alice Gabathuler, Tom Zai und Stephan Sigg kamen vor zwei Jahren auf eine verrückte Idee: Sie wollten eine «Buchband» gründen. Damit gemeint war ein Verlag, in dem sie selbst, neben ausgewählten Autoren, Bücher für Jugendliche schreiben. Daraus entstanden ist der Verlag «da bux». Pro Jahr erscheint über diesen eine Edition, die vier Werke von vier verschiedenen Autoren umfasst. Damit hat die «Buchband» etwas geschaffen, das es in der Schweiz so zuvor noch nicht gab.

Am Samstag waren Gabathuler, Zai und Sigg zu Gast in der Kulturstüdtlimühle in Buchs, wo sie mit ihren Besuchern angeregt über den Verlag, dessen Aufgaben sowie über drei ihrer Werke diskutierten. Die in der Lesung vorgetragenen Ausschnitte befassten sich ebenfalls mit Dingen, die aus dem wahren Leben Jugendlicher gegriffen sind. Im Buch von Alice Gabathuler sind drei Kurzgeschichten zu finden. Das Werk stammt aus der zweiten, neu erschienenen Edition. Sie las aus der zweiten Kurzgeschichte vor, in der sie über eine Mutprobe ­berichtet, die ein an Down-Syndrom erkrankter Junge machen soll.

Tom Zais Werk «Der Knast» zeigt die Perspektiven eines jungen Erwachsenen auf, der im ­Gefängnis einsitzen muss und diejenige der Aufseher selbst. «Ich befasse mich dabei mit der Frage, wann aus Menschen Unmenschen werden», so der Autor. Der Dritte im Bunde, Stephan Sigg, hat einen Ausschnitt aus ­seinem Buch «Fitness-Junkie» gewählt, in dem der Jugendliche Jonas von Muskeln und einem Sixpack regelrecht besessen ist.

Eine Nische gefunden, die auf Interesse stösst

«Wir haben festgestellt, dass es in der Schweiz keinen Verlag gibt, der dünne, aber knackige Bücher speziell für Jugendliche veröffentlicht. Da wir aber Handlungsbedarf sahen, speziell Jugendliche zum Lesen animieren zu können, haben wir unseren Verlag ge­gründet», so die Autorin Alice Gabathuler. Die erste Edition des Verlags, die vergangenes Jahr erschienen war, beinhaltete vier Bücher, die jeweils unterschiedliche Themen abdecken. Sie alle sind jedoch nicht länger als 60 Seiten und in einem verständ­lichen Stil geschrieben. Denn die Bücher sollen auch von leseschwachen Jugendlichen ver­standen werden. «Uns ist es sehr wichtig, diejenigen Jugendlichen, die Mühe beim Lesen haben, nicht zu verlieren. Sondern auch ihnen die Möglichkeit zu geben, ein Buch zu lesen, das sie ver­stehen und zugleich altersgemäss ist», so Gabathuler. Vor rund zwei Monaten ist schliesslich die ­zweite Edition erschienen. Wiederum vier Bücher beinhaltend, fand sie bereits grossen Anklang bei den Jugendlichen. «Allein im September konnten wir gut 1000 Bücher verkaufen», sagte Zai erfreut.

Anregung, über aktuelle Themen zu sprechen

Vor allem diverse Weiterführende Schulen in der Schweiz schätzen das Angebot der drei Vorreiter sehr. So können die Lehrer mit ihren Schülern nämlich brand­aktuelle Themen anhand des ­gelesenen Buchs diskutieren sowie diverse Arbeitsblätter, die von den Autoren selbst bereit­gestellt werden, dazu bearbeiten. «Durch die kostenlos zur Verfügung gestellten Arbeitsblätter wird den Schülern die Möglichkeit geboten, sich weiter in das Buch sowie in dessen Thematik zu vertiefen», erklärte Zai.

Denn den Autoren war es von Beginn an ein Anliegen, über Dinge zu schreiben, welche die Jugendlichen aktuell beschäftigen und über die es bis dato noch keine Lektüre gab. Dies ist dem Verlag nur dadurch möglich, da er ein Kleinbetrieb ist, wie Sigg erklärte: «Somit können wir am Puls der Zeit sein.»

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