Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

St.Galler Politiker und gebürtiger Serbe: «Wer solche Symbole verharmlost, boykottiert die Werte der Schweiz»

Nach dem «Doppeladler-Skandal» im Fussballspiel Schweiz gegen Serbien, gehen die Wogen hoch: Wir haben bei einem Serben und einem Albaner nachgefragt, wie schlimm sie die Symbolik finden und was sie dabei denken. Die Meinungen gehen auseinander.
Raphael Rohner
Lösten eine grosse Kontroverse mit ihrem Jubel gegen Serbien aus: die Schweizer Nationalspieler Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri.

Lösten eine grosse Kontroverse mit ihrem Jubel gegen Serbien aus: die Schweizer Nationalspieler Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri.

«Was für ein Tor, dann diese Geste - wie bescheuert ist das!?», kommentierte Sascha Ruefer den Doppeladler-Torjubel von Granit Xhaka. Auch beim zweiten Treffer formten Xherdan Shaqiri und Stephan Lichtsteiner ihre Hände zum Doppeladler-Symbol. Das Verhalten der Fussballstars spaltet derzeit die ganze Schweiz. Kaum ein Medium, welches nicht darüber berichtet. Doch wie schlimm ist die Geste wirklich? Was löst es bei Menschen aus dem Balkan aus? Wir haben bei einem Serben und einem Albaner nachgefragt.

«Wer sich bekreuzigt ist auch noch kein Fundamentalist»

«Aus Sicht der Albaner war das Symbol höchstens ein Zeichen der Freude», bestätigt auch der Wiler Stadtparlamentarier Arber Bullakaj. Er feuerte sein Team (Schweizer Nati) mit einigen Freunden in einem Public Viewing an. Vom problematischen Symbol hätten sie erst etwas mitbekommen, als der Kommentator, Shaqiri als «bescheuert» bezeichnet hat: «Wir waren verwundert darüber und fühlten uns alle vor den Kopf gestossen.»

Der Wiler Stadtparlamentarier Arber Bullakaj sieht im Symbol kein politisches Problem. (Bild: zvg)

Der Wiler Stadtparlamentarier Arber Bullakaj sieht im Symbol kein politisches Problem. (Bild: zvg)

Für Bullakaj hat das Zeichen in keiner Form einen politischen Hintergrund: «Andere Spieler bekreuzigen sich vor dem Spiel und sind auch nicht direkt religiöse Fundamentalisten - es war einfach ein Zeichen der puren Freude. Ein Gruss an die Familien und Freunde.» Als mehr sei es wirklich nicht anzusehen, sagt der Politiker mit albanischen Wurzeln.

«Der Kommentator hat versagt. Statt sich über unseren grossartigen Sieg in nahezu letzter Minute zu freuen, fällt ihm nichts anderes ein, als unsere WM-Helden wegen eines Zeichens der Freude zu beleidigen. Mit seinen Aussagen hat er der Schweiz teilweise die Freude am Sieg genommen und die Bevölkerung versucht zu spalten. Das ist unprofessionell und eines SRF-Kommentators unwürdig», so Bullakaj.

Albanischer Rat verteidigt Xhaka und Shaqiri

Auch der Albanische Rat der Schweiz sieht das so. In einer offiziellen Stellungnahme an die FIFA halten die Albaner daran fest, dass der Gruss der Fussballer keinesfalls etwas Politisches bedeute: «Der mit gefalteten Händen geformte Doppeladler ist eine Modeerscheinung der Generation Y, also der Millennials. Sie hat überhaupt gar keine politische Komponente oder Bedeutung, ist gegen niemanden gerichtet, ist nicht beleidigend und sollte deshalb von keiner Seite als störend empfunden werden.» Vielmehr sei der «flatternde Doppeladler» eine Art Grussform, eine Geste der Freude sowie ein Ausdruck und Symbol von einem Stückchen albanischer Identität der albanischsprachigen Secondos – überall auf der Welt. Der eigentliche Skandal seien die Beleidigungen der serbischen Fans gegenüber den albanischstämmigen Schweizern. Die Fussballfans hätten vermehrt «Tötet die Albaner» geschrien, schreibt der Albanische Rat.

«Die Schweiz darf geschichtlichen Abrechnungen keine Plattform bieten»

Ganz anders auf die Geste reagieren Serbinnen und Serben in der Schweiz. Der St.Galler Stadtparlamentarier und gebürtige Serbe Vića Mitrovićsagt etwa: «Es ist schlicht inakzeptabel, dass jemand, der in der Schweiz aufwächst, ein solches Zeichen setzt. Es ist ein direkter Affront gegen die Werte der Schweiz, wo Toleranz und Friede gross geschrieben werden», sagt der SP-Politiker.

Für Vića Mitrović ist das Doppeladler-Symbol heikel. (Bild: Coralie Wenger)

Für Vića Mitrović ist das Doppeladler-Symbol heikel. (Bild: Coralie Wenger)

Das Symbol sei als Zeichen schon in der Antike immer wieder aufgegriffen worden. In der Wahrnehmung vieler Serben ist dieses Symbol mit «Grossalbanien» verbunden. «Wer so etwas in der breiten Öffentlichkeit macht, sieht dabei eine Absicht die Werte des friedlichen Zusammenlebens zu boykottieren und alte Wunden aufzureissen.» Mitrović bezieht sich auf den St. Galler Rabbiner Tovia Ben Chorin, der bereits gegenüber dem Tagblatt sagte: «Die Schweiz ist das Foyer zum Paradies» und Mitrović unterstreicht, dass man hier friedlich miteinander lebt und sich gegenseitig akzeptiert. «Die Schweiz darf unter keinen Umständen eine Plattform für geschichtliche Abrechnungen werden, egal was irgend ein Minister sagt, Punkt». Mehrere Bundesräte haben das Verhalten von Xhaka und Shaqiri trotz der vehementen Kritik gutgeheissen und verteidigt.

Kinder werden das Symbol kopieren

An ein Versehen glaubt Mitrović nicht: «Gegen Brasilien haben weder Shaqiri, Xhaka noch sonst jemand irgendwelche Zeichen gemacht». Dass so einflussreiche Sportler wie Xhaka oder Shaqiri mit solchen Symbolen gar ganze Volksgruppen provozieren, sollte ihnen bewusst sein, ist Mitrović überzeugt.

Zudem sei es völlig unverständlich, dass Stephan Lichtsteiner - wohl aus Solidarität - ebenso das Symbol des Doppeladlers gezeigt habe. «Das Verhalten der Sportler wird nun von den Kindern kopiert und in Mode kommen - keine Frage. Doch werden nie alle Kinder verstehen, was dahinter steckt: Purer Nationalismus. Damit werden alte Gräben wieder aufgerissen.»

FIFA untersucht den «Doppeladler»

Die FIFA untersucht den Vorfall und will am Montag über Sanktionen gegen die Spieler und die Fussballverbände entscheiden. Granit Xhaka kommentierte seine Aktion nach dem Spiel als nicht politisch: «Dieser Gruss ging an alle, die mich je unterstützt haben. Es war einfach ein enorm emotionaler Moment für mich.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.