Wer ist besser geeignet für das neue Wittenbacher Schulpräsidium? An einem Podium treffen die beiden Kandidierenden Doris Nick und Thomas Meister aufeinander

Am 27. September entscheiden die Wittenbacher Stimmberechtigten, wer das Schulpräsidium übernimmt und damit Mitglied des Gemeinderates wird. An einem Podium sprechen die beiden Kandidierenden Doris Nick (parteilos) und Thomas Meister (CVP) über ihre Qualifikationen, die grosse Einheitsgemeinde und Werte, welche die Schule vermitteln soll.

Michel Burtscher
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Thomas Meister und Doris Nick mit Moderator Johannes Wey (Mitte).

Thomas Meister und Doris Nick mit Moderator Johannes Wey (Mitte).

Nik Roth

Es ist eine spannende Ausgangslage: In Wittenbach kommt es am 27. September zu einer Kampfwahl ums Schulpräsidium. Für das Amt kandidieren zwei Personen: Doris Nick (parteilos) und Thomas Meister (CVP). Wer gewählt wird, bekleidet künftig ein Amt, das es so bisher nicht gab. Denn Wittenbach ist ab Anfang 2021 eine kleine Einheitsgemeinde, die Primarschule wird in die politische Gemeinde integriert. Die künftige Schulpräsidentin oder der künftige Schulpräsident ist auch Mitglied des Gemeinderats.

Am Freitag mussten sich die beiden Kandidierenden an einem Podium in der Aula des OZ Grünau kritischen Fragen stellen. Organisiert haben den Anlass die vier Ortsparteien CVP, FDP, SP und SVP. Moderiert wird er von «Tagblatt»-Redaktor Johannes Wey. Beide Kandidierenden bringen Erfahrung und Wissen über die Wittenbacher Schule mit: Nick ist gelernte Handarbeitslehrerin und sitzt seit 2008 im Primarschulrat. Meister ist Bauunternehmer und wurde 2011 in den Primarschulrat gewählt, seit Anfang dieses Jahres präsidiert er ihn.

Die Arbeitsbelastung geht zurück

Doris Nick (parteilos)

Doris Nick (parteilos)

Nik Roth

Wey will von Nick zu Beginn wissen, wieso sie das Amt jetzt wolle und nicht schon 2019 kandidiert habe, als das Schulratspräsidium der Primarschulgemeinde neu besetzt werden musste und Meister der einzige Kandidat dafür war. Nick antwortet, dass ihr damals das Pensum zu hoch gewesen sei. Sie sagt:

«Das konnte ich nicht leisten.»

Jetzt gehe die Arbeitsbelastung jedoch zurück, auch weil man das Rektorat eingeführt habe. Nun gehe es darum, die Schule in die Gemeinde zu integrieren. «Das wäre eine spannende Aufgabe», so Nick.

Thomas Meister (CVP)

Thomas Meister (CVP)

Nik Roth

Von Meister will Wey wissen, ob er sich überhaupt als Bisheriger sehe, immerhin sei das neue Amt ein anderes als das alte. «Zum Teil schon», sagt der Schulratspräsident. Künftig habe man aber zwei Jobs. Man müsse nicht nur die Schule vertreten, sondern sei auch Teil des Gemeinderates. Das sei spannend. Meister sagt:

«Da kommen andere Aufgaben auf einen zu.»

Braucht es einen Baumeister oder eine Pädagogin?

Doch wer bringt den richtigen Rucksack für das Amt mit? Die Bauerei in der Schulgemeinde sei fast vorbei, sagt Wey. Ob es im Schulpräsidium nun nicht eine Pädagogin brauche anstatt eines Baufachmanns wie ihm, will Wey von Meister wissen. «Nein, nicht zwingend», antwortet dieser. Er sei mit einer Pädagogin verheiratet und fühle sich deshalb schon als «Halbpädagoge».

Das Podium fand in der Aula des OZ Grünau statt.

Das Podium fand in der Aula des OZ Grünau statt.

Nik Roth

Es sei klar, gibt Meister zu, beim Bauen habe er aus dem Vollen schöpfen können. Doch damit könne er sich im Alltag als Unternehmer beschäftigen. Er finde auch die Arbeit mit Kindern sehr spannend, betont Meister. Und ergänzt:

«Das ist eine unglaubliche Befriedigung.»

Auf die Frage, wann die Arbeit als Schulrätin für sie erfüllend gewesen sei, sagt Nick: «Immer dann, wenn wir es geschafft haben, bildungsferne Familien und solche aus anderen Kulturen ins Boot zu holen.» Das Ziel müsse sein, dass auch ihre Kinder in er Schule mitlaufen könnten. Denn auch sie bräuchten eine gute Ausbildung für ihre Zukunft. Wichtig sei, sagt Nick, Verständnis zu schaffen. «Wir müssen die Eltern gewinnen für die Arbeit der Lehrpersonen.»

Von Schnellzügen und Weichenstellungen

Ein Thema, das die künftige Schulpräsidentin oder den künftigen Schulpräsidenten beschäftigen wird, ist die grosse Einheitsgemeinde mit der Oberstufe. Denn die kleine Einheitsgemeinde, die nun eingeführt wird, war nur als Zwischenschritt dahin gedacht. Auch für Nick ist die grosse Einheitsgemeinde der «nächste logische Schritt». Sie frage sich nur, ob man nun auf den Schnellzug aufspringen oder zuerst mit der kleinen Einheitsgemeinde Erfahrungen sammeln solle. Nick sagt:

«Dann haben wir klare Fakten, mit denen wir argumentieren können.»

Denn es gebe durchaus auch kritische Stimmen zur grossen Einheitsgemeinde. Bis man diese Erfahrungen gesammelt habe, dauere es noch «einen Moment».

Braucht es eine grosse Einheitsgemeinde mit der Oberstufe? Im Bild das OZ Grünau.

Braucht es eine grosse Einheitsgemeinde mit der Oberstufe? Im Bild das OZ Grünau.

Urs Bucher

Meister sagt, er sei «fest für die grosse Einheitsgemeinde». Der Zug sei bereits abgefahren und jetzt müssten die Weichen richtig gestellt werden. «Wenn wir die Weichen nicht richtig stellen, könnte eine Volksinitiative gestartet werden, um die Verträge aufzulösen.» Eine Knacknuss bei der grossen Einheitsgemeinde wird sein, die Partnergemeinden Muolen und Berg ins Boot zu holen. «Wir müssen ihre Ängste abbauen», sagt Meister. Er sei überzeugt davon, dass man den Partnern den Mehrwert des Vorhabens aufzeigen könne. Es tue nicht weh. Meister betont:

«Wenn man das Kindswohl ins Zentrum stellt, kommt es gut.»

Welche Werte soll eine Schule vermitteln?

Am Ende des Podiums, als das Publikum Fragen stellen kann, will ein Wittenbacher von Nick und Meister wissen, ob eine Schule ihrer Meinung nach auch Werte vermitteln sollte und welche. Beide bejahen. Meister sagt: «Respektvoller Umgang miteinander, Anstand und ein Gemeinschaftsgefühl.» Man solle einander helfen und füreinander da sein. Nick wiederum antwortet: «Respekt voreinander haben, Achtsamkeit und Empathie.» Zudem müsse man Kindern viel Kreativität auf den Weg geben.

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Perrine Woodtli