Um Staus vor der Barriere zu vermeiden: Wer im Goldacher Dorfplatzkreisel stehen bleibt, zahlt

Der Versuchsbetrieb für die neue Verkehrsführung beim Dorfplatzkreisel läuft. Goldach braucht allerdings noch etwas Geduld, bis das neue Verkehrsregime bei allen Fahrzeuglenker angekommen ist. Noch kommt es vor der Barriere zu erstaunlichen Szenen.

Rudolf Hirtl
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Auf der Sulzstrasse (links) und der Untereggerstrasse (rechts) stehen dem Verkehr nun drei Fahrspuren zur Verfügung.

Auf der Sulzstrasse (links) und der Untereggerstrasse (rechts) stehen dem Verkehr nun drei Fahrspuren zur Verfügung.

Bild: Tino Dietsche

Bei geschlossenen Bahnschranken können Fahrzeuglenker einem Stau im Goldacher Zentrum leicht entgehen. Sie müssen dafür nur auf die Mühlegutstrasse ausweichen. Dort wurde im Mai die 1300 Tonnen schwere Unterführung um 30 Meter erfolgreich unter den Bahndamm verschoben. Seit Ende Juli steht die Umfahrungsstrasse dem Verkehr zur Verfügung.

Angekommen ist dies allerdings längst nicht bei allen Automobilisten. Noch immer bleiben manche vor der Barriere beim Dorfplatzkreisel stehen und blockieren Autos, die über das Mühlegut fahren möchten. In den vergangenen Tagen wurden die Zufahrten zum Dorfplatzkreisel so gestaltet, dass die freie Durchfahrt auch dann möglich ist, wenn Autofahrende auf der neu geschaffenen Haltespur vor dem Kreisel warten.

Fahrlehrer entpuppt sich als Verkehrssünder

Dieser Fahrlehrer scheint von der Situation überfordert. Er blockiert mit seinem Schüler gleich zwei Fahrbahnen.

Dieser Fahrlehrer scheint von der Situation überfordert. Er blockiert mit seinem Schüler gleich zwei Fahrbahnen.

Bild: Rudolf Hirtl

Gestern Vormittag wurde nun der Versuchsbetrieb für die neue Verkehrsführung in Betrieb genommen. Vertreter der Gemeinde, der Kantonspolizei St.Gallen und von beteiligten Planungsbüros waren vor Ort, um sich ein Bild vom Verkehrsfluss zu machen. Das eine oder andere ungläubige Kopfschütteln ist dabei rasch auszumachen, denn hätte die Kantonspolizei gestern schon Bussen verteilt, die Kasse hätte ordentlich geklingelt. So überfuhr ein Fahrlehrer mit seinem Schüler eine doppelte Sicherheitslinie und blockierte gleich zwei Spuren, oder andere Lenker hielten im Kreisel vor der Barriere, obwohl eine rote Ampel und eine Bodenmarkierung dies verhindern sollten.

Gestern beliessen es die Ordnungshüter aber noch bei belehrenden Worte. Sie, aber auch Gemeindepräsident Dominik Gemperli und Gemeinderat Urs Bücheler, informieren wartende Fahrzeuglenker über die Möglichkeit, dem Stau vor der Barriere mit der Fahrt über die nahe Mühlegutstrasse zu entgehen. Übrigens, ab heute werden Autofahrer, die ihr Fahrzeug im Dorfplatzkreisel abstellen, gebüsst. Bei den Gesprächen mit Fahrzeuglenkerinnen und -lenkern fällt auf, dass viele die neue Wechselanzeige an der Sulzstrasse gar nicht beachten und deshalb stehen bleiben.

Gemeinderat Urs Bücheler orientiert die Porschefahrerin über die Möglichkeit, die Barriere zu umfahren.

Gemeinderat Urs Bücheler orientiert die Porschefahrerin über die Möglichkeit, die Barriere zu umfahren.

Bild: Rudolf Hirl

Planer zeigt sich zufrieden

Er sei dennoch hoch zufrieden, sagt der ausführende Bauingenieur Markus Brühwiler von der gleichnamigen AG in Gossau.

«Ich habe schon ganz andere Sachen erlebt. Es braucht erfahrungsgemäss eine Anlaufzeit.»

Man müsse auch den Mut haben, etwas ohne 100-prozentige Sicherheit zu realisieren. «Ich bin aber überzeugt davon, dass die neue Verkehrsführung gut laufen wird.»

Von einem spannenden Projekt spricht Werner Lendenmann, Leiter Verkehrstechnik bei der Kantonspolizei St.Gallen. Auch er betont, dass es eine Eingewöhnungszeit brauche. Es sei nun wichtig, die Entwicklung beim Dorfplatzkreisel zu beobachten und nicht zu schnell Änderungen vorzunehmen. Er selber werde sich die Situation während der Hauptverkehrszeit noch mehrmals anschauen.

Livebilder werden ausgewertet

Dies tut laut Ralph Gerschwiler auch eine Kamera. «Wir werden die Bilder in Zusammenarbeit mit Spezialisten auswerten und wenn nötig nachjustieren», so der Leiter der Goldacher Bauverwaltung. Nach seinen Erfahrungen dauere es ein halbes bis dreiviertel Jahr, ehe sich ein neues Verkehrsregime eingespielt habe.

Fahrzeuglenker sind zu wenig aufmerksam

Goldachs Gemeindepräsident Dominik Gemperli zieht nach etwas über einer Stunde ein durchaus zufriedenes erstes Fazit. «Mein erster Eindruck ist gut. Allerdings haben wir heute auch gesehen, dass, wenn die Fahrzeuglenker aufmerksamer wären, es noch besser laufen würde. Vor allem die Wechselschilder finden noch zu wenig Beachtung.» Auch Gemperli ist guter Dinge, dass sich der Verkehrsfluss bald wie erhofft einstellen wird.

Goldachs Gemeindepräsident Dominik Gemperli informiert eine Autolenkerin über das neue Verkehrsregime.

Goldachs Gemeindepräsident Dominik Gemperli informiert eine Autolenkerin über das neue Verkehrsregime.

Bild: Rudolf Hirtl