Wer holt jetzt das Altpapier? Die Coronakrise wirbelt die Entsorgungspläne in der Region St.Gallen durcheinander

Vielerorts sammeln normalerweise Vereine das Altpapier zusammen. Doch wegen der Coronakrise ist das nicht mehr möglich. Die Gemeinden in der Region St.Gallen müssen darum Alternativen suchen – und den Vereinen entgeht teilweise eine Stange Geld.

Michel Burtscher
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In Andwil sind bereitgestellte Papierbündel im März nicht abgeholt worden.

In Andwil sind bereitgestellte Papierbündel im März nicht abgeholt worden.

Sandra Ardizzone / LTA

In so manchem Andwiler Haushalt dürften sich die Altpapierbündel mittlerweile im Keller türmen. Wegen der Coronakrise fiel die Papiersammlung am 28. März ins Wasser. Wie an vielen anderen Orten auch, führen diese in Andwil normalerweise die Vereine durch. Doch das geht derzeit nicht, wegen der Hygiene- und Abstandsregeln und weil der Bundesrat Vereinsaktivitäten verboten hat.

Darum standen jene Gemeinden, in denen die Vereine involviert sind in die Papiersammlung, nun plötzlich vor der Frage, wie sie die Papiersammlung organisieren sollen. Denn das Bundesamt für Umwelt erachtet die Gewährleistung der Entsorgungssicherheit auch «in der aktuellen ausserordentlichen Lage als unbedingt notwendig», weil die Entsorgung von Abfällen zur Grundversorgung der Bevölkerung zähle.

Eine wichtige finanzielle Stütze für die Vereine

Für den Andwiler Gemeindepräsidenten Toni Thoma ist klar, dass die nächste geplante Papiersammlung im Juni stattfinden muss. In welcher Form, ist zurzeit aber ungewiss. Er wünsche sich zwar, dass die Vereine die Papiersammlung so bald wie möglich wieder durchführen können, sagt Thoma:

Toni Thoma, Gemeindepräsident Andwil

Toni Thoma, Gemeindepräsident Andwil

Urs Bucher
«Es ist eine Tradition, die gut funktioniert und beliebt ist im Dorf.»

Doch ob es im Juni tatsächlich schon so weit sein wird, kann er noch nicht sagen. «Das ist abhängig von der weiteren Entwicklung der Coronakrise.»

Blauring-Scharleiterin Anina Manser sagt, sie hoffe es und sei guten Mutes. Die Jungwacht und Blauring Andwil-Arnegg hätte die Papiersammlung im März durchführen sollen und ist auch für jene im Juni vorgesehen. Dabei geht es für den Verein auch um Geld, wie Manser sagt:

«Die Papiersammlung ist eine unserer grössten Einnahmequellen und eine wichtige finanzielle Stütze.»

Das bestätigt Toni Thoma: Die Vereine hätten Interesse daran, weil sie den Ertrag behalten könnten, sagt er. Die Papiersammlung als Form der Vereinsförderung also.

Gemeinden engagieren Entsorgungsunternehmen

Eine Alternative zur Papiersammlung durch die Vereine wäre, so Thoma, auf dem Werkhof einen Container aufzustellen, in den die Einwohner ihr Altpapier werfen könnten. Das Problem dabei sei jedoch, dass man betagte Menschen damit ausschliessen würde. Die andere Möglichkeit wäre, ein darauf spezialisiertes Unternehmen damit zu beauftragen.

Waldkirchs Gemeindepräsident Aurelio Zaccari

Waldkirchs Gemeindepräsident Aurelio Zaccari

Urs Bucher

So wird es derzeit in anderen Gemeinden gemacht, etwa in Waldkirch. Dort finden die Papiersammlungen weiterhin statt, die nächsten am 9. Mai in Bernhardzell und am 13. Juni in Waldkirch. Gemeindepräsident Aurelio Zaccari sagt: «Wir haben entschieden, dass wir sie trotz Corona durchführen, aufgrund der ausserordentlichen Situation und den Einschränkungen allerdings nicht mit den Vereinen und der Schule.»

Offen ist, wie es in der zweiten Jahreshälfte aussieht

Stattdessen übernehme das «lokale Kehrichtransportunternehmen» diese Aufgabe. «Wir wollen den Bürgern diese Dienstleistung auch während der Krise bieten», sagt Zaccari. Wie die Papiersammlungen in der zweiten Jahreshälfte durchgeführt werden sollen, sei noch offen und hänge unter anderem auch von den weiteren Entwicklungen der Coronapandemie und der damit verbundenen Vorgaben ab.

Auch in Gaiserwald wird die Papiersammlung normalerweise mit den Vereinen durchgeführt. Die Sammlung vom 21. März, für die eigentlich die Pfadi Rappenstein vorgesehen war, sei jedoch von der Schnider AG in Engelburg übernommen worden, heisst es beim Bauamt auf Anfrage. Die Sammlung von diesem Samstag in Engelburg organisiert hingegen der Skiclub. Da es sich um eine «erwachsene Kleingruppe» handle, so die Argumentation, könnten die Vorschriften eingehalten werden.

Vereinsaktivität oder nicht?

Boris Tschirky, Gemeindepräsident von Gaiserwald

Boris Tschirky, Gemeindepräsident von Gaiserwald

Jil Lohse

Gemeindepräsident Boris Tschirky erklärt:

«Die Papiersammlung ist keine Vereinsaktivität im eigentlichen Sinne, sondern wird im Auftrag der öffentlichen Hand ausgeführt.»

Klar sei, dass es mit der Pfadi Rappenstein nicht gegangen wäre, weil dort viele Jugendliche involviert und die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln schwierig gewesen wäre. Beim Skiclub sieht Tschirky aber kein Problem.

Doch auch wenn die Pfadi Rappenstein die Papiersammlung im März nicht wie üblich selber durchgeführt hat, war sie daran beteiligt. «Unsere Leiter haben den Mitarbeitern der Entsorgungsfirma gezeigt, wo sie sammeln müssen», sagt Stufenleiter Florian Unger. Und das Geld habe sein Verein trotzdem erhalten, weil die Absage so kurzfristig kam. Darüber sei man froh, sagt er, weil die Einnahmen aus der Papiersammlung durchaus wichtig seien, damit die Pfadi Rappenstein kein Defizit schreibe.