Wer folgt auf den Gossauer Schulpräsidenten Urs Blaser? Nur Ruth Lehner überlegt noch

Stadträtin Claudia Martin nimmt sich als Nachfolgerin von Schulpräsident Urs Blaser aus dem Rennen.

Johannes Wey
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Ende Jahr geht Schulpräsident Urs Blaser in Pension.

Ende Jahr geht Schulpräsident Urs Blaser in Pension.

Bild: Ralph Ribi

Bei den Kommunalwahlen im September wird in Gossau mit dem Schulpräsidium eines der wichtigsten politischen Ämter neu vergeben. Urs Blaser (FDP) hat im Sommer bekannt gegeben, sein Büro im Schulamt Ende dieses Jahres zu räumen. Seit November sucht nun eine Findungskommission (Fiko) Kandidatinnen und Kandidaten für Blasers Nachfolge. Noch bis Ende Februar können sich Interessierte bewerben.

Nur die CVP-Präsidentin ist nicht in der Kommission

An Auswahl dürfte es nicht mangeln. Eine naheliegende Kandidatin für das Amt wäre Ruth Lehner, der in diesem Zusammenhang bereits ein Abschnitt in der Fasnachtszeitung «Drachentöter» gewidmet worden ist. Die 49-Jährige ist Dozentin an der Pädagogischen Hochschule (PHSG), sitzt seit 2017 im Schulrat und ist seit vergangenem Jahr Präsidentin der CVP-Ortspartei.

Ruth Lehner (CVP) ist bewusst kein Mitglied in der Findungskommission.

Ruth Lehner (CVP) ist bewusst kein Mitglied in der Findungskommission.

Bild: PD

Zu einer möglichen Bewerbung bei der Findungskommission will sich Lehner nicht äussern, auch wenn sie in ihrem Umfeld immer wieder danach gefragt werde. Was auffällt: Abgesehen von ihr sind alle Ortsparteipräsidentin Teil der Fiko, während sich Lehner durch Patrik Mauchle vertreten lässt. Die Findungskommission ist damit eine Männerrunde. Darauf habe man sich parteiintern bei der Bildung der Kommission verständigt, sagt Lehner. Für alle Fälle, damit sie sich nicht später zurückziehen müsste, sollte sie das Amt interessieren.

Für Claudia Martin kommt die «grosse Kiste» zu früh

Stadträtin Claudia Martin (SVP) will Blaser nicht beerben.

Stadträtin Claudia Martin (SVP) will Blaser nicht beerben.

Bild: Benjamin Manser

Auch der Name von Claudia Martin ist in Zusammenhang mit dem Schulpräsidium schon gefallen. 2017 wurde die SVPlerin mit überragendem Ergebnis in den Stadtrat gewählt. Als Berufsschullehrerin verfügt sie zudem über einen pädagogischen Hintergrund. Doch das 100-Prozent-Pensum mit Stadtrats- und Schulratssitzungen sei eine «grosse Kiste», sagt Martin auf Anfrage. «Für mich wäre das ein Schritt weg von der Milizpolitik, der für mich noch nicht in Frage kommt.»

Markus Giger ist Präsident der Dorfkorporation Arnegg und Schulleiter in Gossau.

Markus Giger ist Präsident der Dorfkorporation Arnegg und Schulleiter in Gossau.

Bild: PD

Markus Giger ist Schulleiter in Gossau und als Präsident der Dorfkorporation Arnegg auch politisch aktiv. Angesprochen auf das Schulpräsidium, lässt seine Antwort nicht lange auf sich warten: «Kein Interesse.» Auch nicht, um ein altes Anliegen der Dorfkorporation voranzutreiben und ein Schulhaus in Arnegg zu bauen? «Darauf hat der Gossauer Schulpräsident wenig Einfluss.» Als Parteiloser erfüllt er zudem nicht das Ideal der Fiko.

Für Christoph Meier-Meier wäre eine Wahl in Gossau kein neues Amt, sondern nur eine neue politische Körperschaft: Der FDP-Mann lebt wie Giger in Arnegg und ist Präsident der Schulgemeinde Andwil-Arnegg. Auf die Frage nach einer Kandidatur winkt er ab. Wäre denn ein Arnegger im Gossauer Schulamt überhaupt am richtigen Ort? «Aus welchem Quartier ein Stadtrat kommt, sagt überhaupt nichts über seine Qualifikation aus», sagt Meier. Ausserdem würden ja viele Leistungen von der Schule Gossau erbracht, wo die Arnegger Schülerinnen und Schüler auch in die Oberstufe gehen. Meier sagt:

«Es wäre schön, wieder einmal eine Arneggerin oder einen Arnegger im Stadtrat zu sehen.»

Bei den letzten Stadtratswahlen mischte auch die SP mit und schickte Monika Gähwiler-Brändle ins Rennen. Die Stadtparlamentarierin und heutige Vizepräsidentin der Ortspartei landete zwar hinter Martin, aber vor Stefan Harder von der Flig. Ob sie mit der Wahl ins Schulpräsidium einen weiteren Versuch zum Sprung in den Stadtrat unternimmt, bleibt unbeantwortet: Gähwiler war diese Woche nicht zu erreichen.

Findungskommission will einen einzigen Vorschlag

Wie Ruth Lehner ist auch Flig-Präsident Christian Schlegel Dozent an der PHSG und wird als Kandidat fürs Schulpräsidium ins Spiel gebracht. Einen Grund, auf die Mitgliedschaft in der Fiko zu verzichten, hatte er aber keinen: «Ich werde sicher nicht kandidieren», hält er fest. Die Findungskommission werde die Bewerbungen bis Mitte März sichten und dann Kandidatinnen und Kandidaten einladen. Wie der weitere Prozess aussieht, sei nicht zuletzt von der Zahl der Bewerberinnen und Bewerber abhängig. Erklärtes Ziel der Findungskommission sei es jedenfalls, sich am Ende auf eine Kandidatin oder einen Kandidaten einigen zu können, sagt Schlegel.

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