Weniger Gameboys, mehr Hotdogmaschinen: Die Ludothek Wittenbach wird 25 Jahre alt

Die Ludothek feiert Geburtstag und bietet 1900 Spiele an. Existieren kann sie aber nur dank ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen wie Anita Wäspi.

Elisabeth Fitze
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Anita Wäspi arbeitet ehrenamtlich als Präsidentin der Ludothek.

Anita Wäspi arbeitet ehrenamtlich als Präsidentin der Ludothek.

Urs Bucher (4. Februar 2020)

Die Ludothek Wittenbach feiert dieses Jahr das 25-Jahr-Jubiläum – das ganze Jahr lang. Jeden Monat gibt es eine «Jubiläumsaktion». Im Februar gebe es für alle Besucher etwas Süsses, an Ostern würden Ostereier versteckt und im Dezember gebe es einen Adventskalender, sagt Ludothekspräsidentin Anita Wäspi.

1900 Gesellschaftsspiele, Fahrzeuge und Spielsachen

Die Ludothek bietet heute rund 1900 Gesellschaftsspiele, Fahrzeuge und Spielsachen zum Ausleihen an. «Unser Angebot ist in den letzten drei, vier Jahren ziemlich konstant geblieben», sagt Anita Wäspi.

Zweimal jährlich kauft die Ludothek mindestens 50 neue Spielsachen und tauscht unbeliebte Artikel aus. Bei einem grösseren Angebot wäre es unübersichtlich, sagt die Präsidentin.

Der Gameboyboom ist vorbei

Der Grundsatz der Ludothek hat sich aber in den 25 Jahren nicht verändert. Es sei immer noch ein Ort, wo man Gesellschaftsspiele und andere Sachen, wie zum Beispiel Fahrzeuge oder Playmobilsets, ausleihen könne, sagt Wäspi. «Dies wollen wir auch nicht verändern.»

Wenig verwunderlich ist, dass das Angebot an Gameboy-Spielen massiv verkleinert wurde. Der Spielcomputer erlebte seine besten Zeiten in den 1990er-Jahren. Seit dem Ableben des Gameboy-Booms spielen Computerspiele kaum mehr eine Rolle.

Eine Burg als Geburtstagskuchen

Zum Angebot dazugekommen sind unter anderem Dinge, die Eltern für Kindergeburtstage ausleihen können. Dieses Angebot beinhaltet eine Hotdog- und Popcornmaschine, eine Spielebox und spezielle Kuchenformen für Kindergeburtstage – zum Beispiel für einen Kuchen in Burgenform. Für Familienfeste können ausserdem spezielle Gesellschaftsspiele ausgeliehen werden.

Auch wenn die Ludothek sich keine Sorgen um ihre Existenz machen muss, wäre sie froh um mehr Kunden.

«Es ist schwierig, Familien zu zeigen, dass es uns überhaupt gibt.»

Vor allem jüngere Eltern seien schwer zu erreichen.

Die Präsidentin vermutet, dass dies unter anderem daran liege, dass jüngere Mütter heutzutage oft berufstätig sind und deswegen keine Zeit haben, die Ludothek zu besuchen. Sie denke auch, dass viele Eltern aus Prestigegründen die Spielsachen lieber kaufen, als sie auszuleihen.

Der Recyclingtrend könnte Ludotheken helfen

Die Digitalisierung habe die Kundenzahlen nicht merklich beeinflusst, sagt Anita Wäspi. Sie kann sich vorstellen, dass die Ludotheken vom Trend zum Wiederverwenden profitieren können.

«Ich denke, dieser Trend könnte für unsere Ludothek eine Chance sein.»

Über die Jahre hat das Team herausgefunden, was gut verliehen werden kann und was nicht. Neue Spiele müssen vor dem Kauf nun als «ludotauglich» eingestuft werden. Kleine Teilchen und fragiler Plastik sind Tabu. «Wir haben das Angebot und die Kunden, es fehlt jedoch an Personal», sagt Anita Wäspi.

Alle Mitarbeiterinnen arbeiten ehrenamtlich. Deswegen sei es sehr schwierig, mehr Mitarbeitende zu finden. Solange es noch genug Freiwillige gebe und die Gemeinde die Ludothek unterstütze, werde die Institution an der Obstgartenstrasse 20 aber bestehen bleiben.

Kinder schnappen sich die Puppenwagen

Anita Wäspi ist bereits seit 13 Jahren bei der Ludothek dabei, seit sieben Jahren als Präsidentin. Für sie seien die Kinder das Schönste an der Arbeit in der Ludothek. «Sie bringen einen unserer Puppenwagen zurück und schnappen sich sofort den nächsten. Das ist herzerwärmend.»