Weniger Abfall, weniger Abfallabfuhr: Im St.Galler Stadtzentrum wird die Kehrichtsammlung halbiert

Die Müllabfuhr in der Innenstadt findet ab Juli einmal statt zweimal pro Woche statt. Die Stadt befürchtet dadurch keine Abfallsackberge. Sie hat rund um die Altstadt fünf Unterflur-Presscontainer erstellt. Der Quartierverein St.Mangen sieht das anders.

David Gadze
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Die Papier- und die Kartonabfuhr in der Innenstadt finden neu nachmittags statt.

Die Papier- und die Kartonabfuhr in der Innenstadt finden neu nachmittags statt.

Nik Roth

Im St.Galler Stadtzentrum gibt es ab 1. Juli ein neues Regime bei der Müllabfuhr. Statt wie bisher am Dienstag- und Freitagmorgen, findet sie nur noch am Freitagmorgen statt. Die Anpassung hat zum einen damit zu tun, dass die Abfallmengen in den vergangenen Jahren zurückgegangen sind. Und zum anderen damit, dass die Stadt in den vergangenen Jahren insgesamt fünf Unterflur-Presscontainer in der Altstadt erstellt hat.

Ein sechster wird im Zuge der Neugestaltung des Marktplatzes installiert. Im Gegensatz zu normalen Unterflurcontainern stehen die Unterflur-Presscontainer nicht jedermann zur Verfügung. Sie können nur mit einer Karte geöffnet werden, die Interessierte – in erster Linie Anwohner und Gewerbebetriebe – bei Entsorgung St. Gallen kostenlos beziehen können.

Die Gefahr, dass sich infolge der Halbierung der Abfuhren künftig Berge von Abfallsäcken in den Altstadtgassen türmen, sei damit entschärft, sagt Armin Huser, Ressortleiter Logistik und Recycling bei Entsorgung St. Gallen.

In der Anfangsphase werde es wohl noch passieren, dass einzelne Säcke ein paar Tage länger als gewohnt am Strassenrand stünden. Die Stadt werde nach der Umstellung deshalb «Begleitmassnahmen» vornehmen, etwa Abfallkontrolleure einsetzen und bei Bedarf zusätzlich informieren. Und Gewerbebetrieben mit Containern, denen ein Abfuhrtag pro Woche nicht reiche, Lösungen anbieten.

Die Papiermenge hat sich nahezu halbiert

Abfallsäcke, die schon am Donnerstagabend rausgestellt werden, sind vielen Geschäften am Abendverkauf ein Dorn im Auge

Abfallsäcke, die schon am Donnerstagabend rausgestellt werden, sind vielen Geschäften am Abendverkauf ein Dorn im Auge

Michel Canonica/30. März 2017

Die Abfallabfuhr in der Innenstadt führt immer wieder zu Diskussionen. Vor etwas mehr als drei Jahren war das Gewerbe auf die Stadt zugegangen, weil viele Betriebe ihre Abfallsäcke schon am Donnerstag auf die Strasse stellten, was während des Abendverkaufs störte.

Warum hat die Stadt nun nicht die Gelegenheit genutzt, um den Abfuhrtag zu ändern? Aus logistischen Gründen habe sich Entsorgung St. Gallen für den Freitag entschieden, sagt Huser. Um die Umstellung nicht zusätzlich zu erschweren, habe man an einem der gewohnten Tage festgehalten – eben am Freitag.

Die Papier- und Kartonabfuhr (jeweils einmal pro Monat mittwochs) wird ebenfalls angepasst. Statt ab 19 Uhr abends findet sie nun bereits ab
13 Uhr statt. Die Sammlungen morgens durchzuführen, sei in der Altstadt aus Brandschutzgründen kein Thema, sagt Huser. Papier- und Kartonberge über Nacht seien ein zu grosses Risiko. Der frühe Start soll zur Verkehrsberuhigung in der Innenstadt beitragen und abendliche Störungen durch Lärm und Abgase für Anwohner und für Gäste der Gastronomiebetriebe reduzieren.

Aber stören denn die Lastwagen in den Altstadtgassen am Nachmittag nicht noch mehr? Huser hält fest:

«Es gibt keinen Zeitpunkt, der niemanden stört.»

Ausserdem seien die Sammlungen, welche ein externes Unternehmen im Auftrag der Stadt durchführt, heute schneller abgeschlossen als früher, da sich die Papiermenge in den vergangenen 20 Jahren nahezu halbiert habe.

Pro City sieht kein Problem, ein Quartierverein schon

Ralph Bleuer, Präsident von Pro City

Ralph Bleuer, Präsident von Pro City

Michel Canonica

Pro City, die Vereinigung der Geschäfte in der Innenstadt, sieht dem neuen Regime bei der Kehrichtabfuhr gelassen entgegen. Präsident Ralph Bleuer sagt:

«Natürlich wäre es idealer, wenn die Abfuhr wie bis anhin zweimal wöchentlich durchgeführt würde.»

«Dieser Schritt ist jedoch verständlich, nachdem die Stadt die Unterflur-Presscontainer erstellt hat – auch auf unseren Wunsch hin.» Bezüglich der Abfuhrzeiten könne man geteilter Meinung sein, aber eine Lösung, die allen passe, gebe es schlicht nicht. Gut sei, dass Entsorgung St. Gallen Betrieben, für die das neue Regime nicht funktioniere, Hand biete. Man müsse nun beobachten, wie es sich einspiele, und gegebenenfalls Optimierungen vorschlagen.

Ähnlich klingt es beim Quartierverein Gallusplatz. Viele Anwohner entsorgten ihre Abfallsäcke ohnehin im Unterflur-Presscontainer am Gallusplatz und nicht am Tag der Abfuhr am Strassenrand, sagt Co-Präsidentin Barbara Deuber. Und dass diese nur noch einmal statt zweimal wöchentlich stattfinde, sei «Gewöhnungssache».

Der Quartierverein St.Mangen äussert hingegen Kritik am neuen Regime. «Wir haben jetzt schon Probleme mit Abfallsäcken in den Gassen», sagt Präsident Jürg Diggelmann. Der Quartierverein setzte sich schon seit Jahren bei der Stadt für zusätzliche Unterflurcontainer in der Nähe von Goliath-, Schwert- und Katharinengasse ein. Jener beim Talhof und der Presscontainer bei der Kirche St.Mangen seien für viele Anwohner und Beizer schlicht zu weit weg. «Solange es sie nicht gibt, ist die Halbierung der Müllabfuhr höchst problematisch.»

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