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Weinstube zum Bäumli in St.Gallen: Die gotische Decke ist gerettet

In der Weinstube zum Bäumli in der St.Galler Altstadt lässt es sich unbesorgter Wein trinken als noch vor einem Jahr. Die rund 600-jährigen Holzbalken hatten kein sogenanntes Auflager mehr. Nun ist die Decke gesichert.
Christina Weder
Der Schaden ist behoben: Die gotische Decke in der Wirtsstube des «Bäumli» hält wieder. (Bild: Urs Bucher)

Der Schaden ist behoben: Die gotische Decke in der Wirtsstube des «Bäumli» hält wieder. (Bild: Urs Bucher)

Die leicht gewölbte Balkendecke in der Wirtsstube des «Bäumli» sieht aus wie eh und je. Nichts deutet darauf hin, dass die gotische Decke im vergangenen Jahr gerettet werden musste.

Jacqueline Kert, "Bäumli"-Wirtin. (Bild: Urs Bucher)

Jacqueline Kert, "Bäumli"-Wirtin. (Bild: Urs Bucher)

Alles begann damit, dass der «Bäumli»-Wirtin Jacqueline Kert auffiel, wie an einer Ecke Sand und Staub herunterrieselten. «Wir mussten dort immer wieder putzen», erzählt sie in der Wirtsstube. Kert wandte sich daraufhin an Thomas Egli, den Bausachverständigen der Genossenschaft Bäumli, der das Haus gehört.

Für Egli war schnell klar, dass er der Sache auf den Grund gehen musste. Die Decke ist rund 600-jährig. Egli befürchtete, die Balken könnten morsch sein. Er beauftragte einen Schreiner, sie zu untersuchen. Dieser gab zwar Entwarnung, was die Balken betraf. «Da war nichts feucht», erzählt Egli. Doch der eigentliche Befund des Bröckelns war gemäss der städtischen Denkmalpflege ebenfalls «besorgniserregend».

Hausfassade wölbt sich in Richtung Schmiedgasse

Wie sich herausstellte, hatten die Balken kein Auflager mehr. Die gotische Decke war nicht mehr mit der Wand verbunden. Die Fachleute vermuten folgenden Grund dafür: Die Fassade des «Bäumli» wölbt sich auf der Höhe des ersten Stocks nach aussen, was wohl zu einer Deformation des Sturzbalkens geführt habe. «Wann das passiert ist, weiss man nicht», sagt Egli.

Nun ging es darum, die gotische Decke zu sichern, «damit sie nicht irgendwann herunterfällt». Dafür wurde die Decke mittels Stahlwinkeln mit der Wand verbunden. Zudem musste ein Zierbalken ersetzt und mit einer Holzmaserung bemalt werden, wie das auch bei den anderen Balken gemacht worden war. Früher sei dies üblich gewesen, um trotz der Verwendung verschiedener Hölzer eine einheitliche Wirkung zu erzielen, sagt Egli. Er engagierte dafür einen italienischen, bereits pensionierten Maler, der sich mit der historischen Maltechnik auskennt.

Baustelle während der Betriebsferien

Das alles musste Schlag auf Schlag gehen. Gerade einmal 3,5 Wochen standen für die Rettung der Decke zu Verfügung. So lange dauern die Betriebsferien im «Bäumli». Bis zur Eröffnung nach den Sommerferien sei alles wieder perfekt gewesen, sagt Egli. Die Kosten beliefen sich auf rund 12000 Franken. Die städtische Denkmalpflege steuerte 2400 Franken bei.

«Man sieht keinen Unterschied zu früher – aber wir sind wieder sicher», zieht Egli Bilanz. Nur ein kleiner Fehler habe sich eingeschlichen. Als der italienische Maler das Wort «renoviert» auf den neuen Balken pinselte, ging ein Buchstabe vergessen.

Seit rund 200 Jahren eine Beiz

Die Weinstube zum Bäumli an der Schmiedgasse 18 ist eine der traditionellen Erst­stockbeizen in St.Gallen. Zum «Bäumli» gehören zwei Gasträume, das Sääli und das Stübli mit der gotischen Decke. Über dem Fenster prangt der Spruch «Freunde! Rein ist er Wein – und Sünd ist’s ihn zu verschmäh’n». Die Küche ist gutbürgerlich. Auf den Tisch kommen Geschnetzeltes, Leberli, Rösti und Spätzle.

Erbaut wurde das Haus nach dem grossen Stadtbrand von 1418. Doch erst 1813 wurde es zu einer Pinte, einem Lokal, in dem man etwas trinken konnte. Das hat Arnold Flammer, Architekt und Vorstandsmitglied der Genossenschaft Bäumli recherchiert. 1837 taucht der Name «zum Bäumle» erstmals auf. 1930 erhielt das Stübli sein heutiges Aussehen: Das Holz wurde maseriert, so dass es wie Nussbaumfurnier wirkt. 1975 stand das «Bäumli» zum Verkauf. Die Mittelschulverbindung Minerva San Gallensis gründete damals eine Genossenschaft, die das «Bäumli» kaufte und renovierte. Seither ist es die Stammbeiz der Verbindung. Zweck der Genossenschaft ist, das Lokal für die aktiven Mitglieder zu erhalten.

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