Weil Applaus als Dank nicht genug ist: Der Carl-Stürm-Preis geht dieses Jahr an zwölf Organisationen im Pflege- und Betreuungsbereich

Das Pflege- und Betreuungspersonal zu loben, ist gut. Es angemessen zu entschädigen, ist besser. Aus diesem Grund hat der Carl-Stürm-Stiftungsrat entschieden, Menschen auszuzeichnen, die nicht nur in der aktuellen Zeit einen enorm grossen Wert für die Gesellschaft haben. Die Preisverleihung fand am Freitagabend im kleinen aber feierlichen Rahmen im Würth-Haus Rorschach statt.

Rudolf Hirtl
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Die Vertreterinnen und Vertreter der zwölf Organisationen, die den diesjährigen Carl-Stürm-Preis erhalten haben. Ganz rechts Stiftungsratspräsident Peter Thoma.

Die Vertreterinnen und Vertreter der zwölf Organisationen, die den diesjährigen Carl-Stürm-Preis erhalten haben. Ganz rechts Stiftungsratspräsident Peter Thoma.

Bild: Christof Sonderegger

Die Vergabe des Carl-Stürm-Preises warf vergangenes Jahr hohe Wellen. Entgegen dem Anliegen der weltweit demonstrierenden Klimajugend und deren Vorreiterin Greta Thunberg zeichnete der Stiftungsrat die IG Mobil und den Airport St.Gallen-Altenrhein aus. «Nicht die beste Wahl», titelte damals diese Zeitung und fügte die Hoffnung an, der Carl-Stürm-Stiftungsrat möge sich seiner Verantwortung bewusst sein und bei der Auswahl der künftigen Preisträger etwas mehr Fingerspitzengefühl zeigen.

Nun - dieses Jahr dürfte Kritik an der Auswahl der Preisträger ausbleiben. Nicht nur dies, dem Entscheid des Stiftungsrates ist breite Zustimmung gewiss. Bei der Preisverleihung von gestern Abend in Rorschach wird nämlich das Pflege- und Betreuungspersonal gewürdigt, das nicht erst seit der Coronapandemie Tag für Tag grossartige Arbeit leistet.

Preisgeld kommt direkt dem Personal zugute

Nach Ansicht des Stiftungsrates haben Pflegende und Betreuende «mehr als einen flotten Applaus» verdient. «In Zukunft müssten diese Frauen und Männer als gut ausgebildete Profis auch handfester gewürdigt werden, nämlich mit besseren Arbeitsbedingungen», betont Stiftungsratspräsident Peter Thoma in seiner Begrüssungsrede vor 50 statt den üblichen 500 Gästen. Verfolgt werden kann die Preisverleihung dafür erstmals per Livestream im Internet.

Trotz ihres hohen Ansehens seien Pflegeberufe vergleichsweise bescheiden entschädigt. Als kleine Institution könne die Carl-Stürm-Stiftung diese zurzeit mangelnde Leistungsgerechtigkeit nicht aus der Welt schaffen, so Thoma weiter, aber immerhin mit einer bescheidenen öffentlichen Anerkennung honorieren.

Während der Laudatio von Stiftungsratsmitglied Christof Stürm wird ein Video eingespielt. Darin stellen sich die zwölf Organisationen (siehe Kasten) vor, die in der weiteren Region Rorschach im Pflege- und Betreuungsbereich tätig sind. Jede von ihnen erhält aus den Händen von Stiftungsrätin Yvette Reinberger einen Scheck über 3000 Franken. Dabei kommt es auf der Bühne des Carmen-Würth-Saales zu berührenden Momenten. «Wir erleben eine extrem schwierige Zeit. Es ist schön für das ganze Team, dass es mit seiner Leistung nun im Rampenlicht steht. Der Applaus heute gilt nicht nur uns, sondern allen Bereichen der Pflege», sagt Tom Bättig, Geschäftsführer vom La Vita Seniorenzentrum in Goldach.

Im eigens produzierten Film, konnten sich die 12 Organisationen näher vorstellen.

Im eigens produzierten Film, konnten sich die 12 Organisationen näher vorstellen.

Bild: Rudolf Hirtl

Die Preisgelder sollen laut Stiftungsrat den Mitarbeitenden zugutekommen – als Zustupf für gemeinsame Aktivitäten.

Christof Stürm mahnt, im Alter würden fast alle Menschen irgendwann und über eine gewisse Zeit Betreuung und Pflege brauchen, aber nicht nur ältere Menschen könnten darauf angewiesen sein. Es sei daher in vielerlei Hinsicht ausgesprochen wichtig für die Region, dass eine gute und bezahlbare Infrastruktur vorhanden sei.

Beinahe 700'000 Franke ausbezahlt

Peter Thoma betont, der Stiftungsrat sei nicht opportunistisch, sondern habe den Wert der Pflegeberufe bereits vor der Coronapandemie erkannt und über die Preisvergabe entschieden. Er verweist auch auf den Umstand, dass die Carl-Stürm-Stiftung seit 2005 Geldpreise im Wert von 691'000 Franken an Persönlichkeiten, Firmen und Vereine verliehen habe, die sich um die Region verdient gemacht haben. Umrahmt wird der Anlass von der Band Gripped – nicht ohne geforderte Zugabe.

Ausgezeichnet

Carl-Stürm-Preisträger 2020

- Altersheim der Stadt Rorschach - Genossenschaft Alterssiedlung, Rorschacherberg - Haus zum Seeblick, Rorschacherberg - PeLago - Pflegeheim der Region Rorschach -La Vita Seniorenzentrum, Goldach - Liebenau Schweiz gemeinnützige AG - Pflegeheim Helios, Goldach - Pro Senectute Rorschach & Unterrheintal - Schweizerisches Rotes Kreuz, Regionalstelle Rorschach-Rheintal - Home Instead Seniorendienste Schweiz AG - Spirig Privatpflege GmbH - SPITEX Bodensee - Verein Entlastungsdienst für Menschen mit Behinderung und Angehörige der Region Rorschach.

Video von der Preisverleihung und ein filmisches Porträt der Preisträger unter www.carl-stuerm-stiftung.ch.

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