Wegen zwei Bäumen ist die Goldacher Zentrumsüberbauung seit Jahren blockiert: Nun liegt das Projekt erneut öffentlich auf

In Goldachs Dorfzentrum sind drei Neubauten mit Wohn- und Geschäftsräumen geplant. Wegen eines jahrelangen Rechtsstreits konnten diese bisher nicht realisiert werden - wann der Spatenstich gefeiert wird, bleibt ungewiss.

Jolanda Riedener
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Die Zentrumsüberbauung zwischen der Blumenstrasse (links) und der Ulrich-Röschstrasse (rechts) ist schon seit Jahren durch den Einsprecher der Nachbarsliegenschaft blockiert.

Die Zentrumsüberbauung zwischen der Blumenstrasse (links) und der Ulrich-Röschstrasse (rechts) ist schon seit Jahren durch den Einsprecher der Nachbarsliegenschaft blockiert.

Bild: Tino Dietsche

Wohnen und arbeiten mitten in Goldach, das hätte mit der Zentrumsüberbauung eigentlich bereits Realität sein können. Seit 2013 steht der Gestaltungsplan, Einsprachen haben den Spatenstich seither aber verzögert. Vergangenen März dann die grosse Überraschung: Das Verwaltungsgericht rügt die Gemeinde und schickt das Projekt zurück auf Feld eins.

Grund dafür sind Oblichter, die für bessere Wohnhygiene vorgesehen waren. Das Verwaltungsgericht hält fest, dass die Oblichter nicht als technisch notwendige Baubestandteile zu qualifizieren sind und somit die maximal zulässige Gebäudehöhe um zehn Zentimeter überschreiten. Weder im Prozess der Gestaltungsplanung noch im Bereich des Verfahrensrechts seien hingegen Fehler passiert.

Das ist auch der Grund, weshalb Goldachs Gemeindepräsident Dominik Gemperli dem Verfahren mit einer «gewissen Gelassenheit» entgegensieht. Die Bauherrschaft, namentlich die Fortimo AG, habe die Pläne mittlerweile entsprechend dem Urteil des Verwaltungsgerichts angepasst.

Gemeindepräsident Dominik Gemperli.

Gemeindepräsident Dominik Gemperli.

Bild: Ralph Ribi

«Die Bewilligungsfähigkeit ist daher nach meiner Meinung gegeben», sagt Gemperli. Inhaltlich sei alles klar, einzig könne es durch erneute Einsprachen zu weiteren Verzögerungen kommen, nämlich dann, wenn der Anstösser das Verfahren an das Baudepartement oder das Verwaltungsgericht weiterziehe.

Anstösser hat die Pläne gesichtet

Bis am 19. Februar liegen die Pläne zur Zentrumsüberbauung bei der Bauverwaltung Goldach auf. Die mit der Überbauung zusammenhängenden Strassenbauprojekte werden zeitgleich öffentlich aufgelegt.

Immer noch nicht glücklich mit der Überbauung ist ein Anstösser. In der Vergangenheit verwies dieser vor allem auf zwei etwa 50 Jahre alte Bäume auf seinem Grundstück, die für die Überbauung gefällt werden müssten. Ob er erneut Einsprache einreichen werde, wisse er noch nicht, sagt Peter Walder, Inhaber der BKT AG, am Telefon. In einem Schreiben bemängelt er nun insbesondere vier Punkte an der Überbauung.

Erstens sei es ihm nicht möglich, Einsicht in die Pläne nehmen zu können: Bei der Bauverwaltung habe man ihm einen 30 Zentimeter hohen Stapel an Plänen vorgelegt, eine fachliche Erläuterung seitens der Bauverwaltung habe gefehlt.

Gemeinde bleibt gesprächsbereit

Gemeindepräsident Gemperli hat Kenntnis davon, dass Walder Einsicht in die Pläne genommen hat. Er bekräftigt:

«Meine Türe steht immer offen.»

Man sei nach wie vor bereit, das Gespräch mit ihm zu suchen. Dazu sei es auch in der Vergangenheit schon gekommen, allerdings ohne Erfolg.

Weiter stört sich der Anstösser an der Aufhebung des Ankerwegs. «Ankerweg-Bschiss» nennt er es, denn durch die Aufhebung habe seine Parzelle einen Meter Land verloren. Die Fortimo habe es versäumt, dies in den aktuellen Plänen zu bereinigen.

«Ökologie wird Bauindustrie geopfert»

Peter Walder bemängelt in einem Schreiben die «unverantwortliche, rücksichtslose und schadhafte Überverdichtung zu Lasten seiner Parzelle und deren Bewohner.» Diese «Überverdichtung» würde schliesslich zu vielen Leerwohnungen führen.

«Die Landschinderei am Ankerweg richtet sich vor allem gegen die Existenz der beiden Riesenbäume Bergahorn und Birke», kritisiert Walder weiter. Wertvolle und dringend notwendige Ökologie würden der Bauindustrie geopfert. Weiter sei die Fortimo-Überbauung mittlerweile überholt, veraltet und dringend nochmals revisionsbedürftig.

Goldachs Zentrum bleibt durch Einsprecher blockiert

Das kantonale Baudepartement hat die Einsprache zur Zentrumsüberbauung in Goldach abgewiesen. Der Einsprecher zieht weiter ans Verwaltungsgericht. Auslöser des jahrelangen Streits sind zwei Bäume.
Jolanda Riedener

GOLDACH: Zentrum «tötelet» weiter

Die Realisierung der Zentrumsüberbauung wird erneut verzögert. Der Kanton heisst einen Rekurs des Nachbarn gut. Gemeindepräsident Thomas Würth spricht von «übertriebenem Formalismus».
Linda Müntener