St.Galler Stadtrat gibt Entwarnung: Wegen der roten Stadtlounge verhungerten keine Fische - Mikroplastik werde herausgefiltert

Der Stadtrat hat eine Einfache Anfrage zweier Stadtparlamentarier in Zusammenhang mit der Sanierung des Roten Platz beantwortet. Die Grünen befürchteten, Fische in Bächen und Flüssen würden verenden.

Daniel Wirth
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Wird saniert: der Rote Platz.

Wird saniert: der Rote Platz.

Bild: Benjamin Manser (22.Juni 2020)

Diesen Sommer ist der Rote Platz im Bleicheli-Quartier umfassend saniert worden. Seit seiner Installation durch die Künstlerin Pipilotti Rist und den Architekten Carlos Martinez sind 15 Jahre vergangen.

Die sogenannte Stadtlounge hat sich bei Bewohnerinnen und Bewohnern der Stadt als Treffpunkt und bei Touristen aus nah und fern als Sehenswürdigkeit St.Gallens etabliert.

Veronika Meyer, Stadtparlamentarierin St.Gallen, Grüne

Veronika Meyer, Stadtparlamentarierin St.Gallen, Grüne

PD (Veronika Meyer)

Diesem Fakt pflichten die beiden grünen Stadtparlamentarier Clemens Müller und Veronika Meyer bei. Doch sie pochen darauf, dass der Rote Platz ökologisch gerecht sein muss, wie sie in einer Einfachen Anfrage schreiben, die sie am 10.Juni eingereicht haben.

Kritik an herumliegendem Granulat

Anlass für ihren politischen Vorstoss gab die aktuelle Sanierung. Müller und Meyer schreiben, über längere Zeit habe verstreutes Granulat herumgelegen, sei verweht und ins Abwasser geschwemmt worden.

Dieses Granulat müsse als Mikroplastik mit einer Partikelgrösse kleiner aus fünf Millimeter klassifiziert werden. Es sei anzunehmen, dass dieses trotz Abwasserreinigungsanlagen in Gewässer und Böden gelange, was höchst unerwünscht sei. Fische beispielsweise würden Mikroplastikteilchen fressen. Auch wenn diese nicht giftig seien, so hätten sie doch keinen Nährwert und die Fische könnten im Extremfall verhungern, schreiben Müller und Meyer in ihrem Vorstoss.

Dieser umfasst insgesamt sechs konkrete Fragen, die der Stadtrat soeben beantwortet hat.

Clemens Müller, Präsident der Fraktion von Grünen und Jungen Grünen.

Clemens Müller, Präsident der Fraktion von Grünen und Jungen Grünen.

Lediglich beim Einstreuen liege loses Material herum

Zum Kunstwerk schreibt er: Der einheitlich rote Bodenbelag soll den Eindruck eines Teppichs vermitteln und zu einem angenehmen Verweilen in den jeweiligen Lounges einladen. Bereits zu beginn sei klar gewesen, dass der rote Belag im Gegensatz zu einer konventionellen bituminösen Schicht ein anderes Alterungsverhalten aufweise.

Das grosse Rot im Stadtzentrum ist wieder frisch.

Das grosse Rot im Stadtzentrum ist wieder frisch.

Benjamin Manser

Beim verwendeten Kunststoffbelag handle es sich um einen Sportplatzbelag, wie er für Laufbahnen und Spielplätze verwendet werde. Er bestehe aus einem roten Gummigranulat, welches mit einem Polyurethan-Bindemittel gebunden werde. Diese Deckschicht ist gemäss Stadtrat verhältnismässig weich und elastisch und deswegen weniger widerstandsfähig als herkömmliche Asphaltbeläge.

Das Stadtparlament habe 2005 in Kenntnis des kurzlebigeren und unterhaltsintensiveren Belag dem Gesamtprojekt zugestimmt. Der Stadtrat habe die aktuelle Instandsetzung des Roten Platzes im April dieses Jahrs genehmigt.

Das Meiste wird verbrannt

Zur Sanierung schreibt der Stadtrat: Die oberste Belagsschicht des Gummigranulats werde abgefräst, eingesammelt und anschliessend im Kehrichtheizkraftwerk der Verbrennung zugeführt. Auf die abgefräste Oberfläche werde ein Kleber aufgebracht. Auf den Kleber werden in mehren Schichten Granulat eingestreut und versiegelt.

Mit diesem Verfahren entstehe ein homogener Verbund ohne lose Granulate, schreibt der Stadtrat. Durch diesen Aufbau und die Arbeitsweise sei sichergestellt, dass sämtliches Granulat gebunden werde. Zur Befürchtung, wonach loses Granulat ins Abwasser gelangen könnte, schreibt der Stadtrat, solches befinde sich ausschliesslich während des Einstreuens auf dem Platz und einzig dann könnte eine Ausschwemmung erfolgen. Hinzu komme, dass die Arbeiten nur bei trockenem Wetter ausgeführt würden. Das Fazit: Eine Verunreinigung des Abwassers durch Mikroplastik könne also verhindert werden.

In der ARA wird Plastik zu brennbarem Klärschlamm

Werde im Betrieb Granulatabrieb ausgeschwemmt, werde er mit den Prozessen in den Abwasserreinigungsanlagen herausgefiltert. Ein grosser Teil des Mikroplastiks im Abwasser wird heute gemäss Stadtrat bereits mechanisch abgetrennt und mit dem Klärschlamm verbrannt.

Mit sämtlichen Reinigungsstufen der Abwasserreinigung könnten so 93 Prozent des Mikroplastiks aus dem Abwasser eliminiert werden. Verfüge eine ARA über eine Abwasserfiltration, sei dieser Anteil nicht höher und liege bei ungefähr 98 Prozent. In der ARA Hofen werde eine solche Filtration im nächsten Jahr in Betrieb genommen, schreibt der Stadtrat.

Die Abwasserreinigungsanlage St. Gallen-Au.

Die Abwasserreinigungsanlage St. Gallen-Au.

Benjamin Manser

Eine Aufrüstung in der Abwasserreinigungsanlage Au erfolge in den nächsten Jahren.

Auf die Frage, ob es Alternativen zum Gummigranulat gebe, lautet die Antwort: Man könnte Asphalt rot anmalen. Davon wolle der Stadtrat absehen, weil Gummigranulat nicht als umweltschädlich zu betrachten sei.

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