Weg vom Burger-Trend: Die Region Rorschach isst bewusster

Restaurants im amerikanischen Stil sind seit einiger Zeit in der Region Rorschach sehr beliebt. Ob der Trend immer noch auf dem Vormarsch ist: Lokale Gastronomen nehmen Stellung.

Valentina Thurnherr
Drucken
Teilen

Das neue Restaurant in der Hafenstadt «The Ami» wurde bei der Eröffnung am Wochenende regelrecht von Gästen überrannt. Eine mögliche Erklärung liefern die Sozialen Medien und verschiedene Food-Plattformen, denn: Nach wie vor scheinen Burger Restaurants im Trend zu liegen. Das bestätigt auch Rafael Niederkofler, Geschäftsführer des «Stars and Stripes» in Rorschach. «Sowohl jüngere als auch ältere Gäste kommen oft zu uns, da wir im Vergleich zu anderen Restaurants eher günstigere Preise aufweisen können.» Das servierte Essen würde dann fotografiert und fleissig auf den sozialen Medien geteilt. «Was aber auffällt ist, dass die Leute vermehrt fragen, ob unsere Gerichte hausgemacht sind», sagt Niederkofler. 

«Sie wollen gesunde und vor allem frische Zutaten auf dem Teller haben.»

Vor Ort und frisch zubereitete Gerichte sind laut «Gastro Suisse» bei Konsumentinnen und Konsumenten überaus beliebt. Die Nachfrage nach hausgemachten Speisen zähle zu den wichtigsten Konsumtrends in der Gastronomie. Zu diesem Schluss seien frühere Befragungen im Auftrag von «Gastro Suisse» gekommen.

Produkte aus der Region

Grossen Wert auf Frische und Herkunft legt Ralph Leisi, Geschäftsführer und Pächter des Restaurants Mariaberg in Rorschach. «Wir haben kein grosses Lager, sondern kaufen fast täglich frische Produkte ein. Sei das Gemüse von den Bauern aus der Region, oder Fische aus dem Bodensee.» So seien sie authentisch gegenüber ihren Gästen, die das sehr schätzen. Der Trend Richtung Burger und amerikanisch ist allerdings auch an Leisi nicht vorbeigegangen. «Vor zwei Jahren waren es die Foodtrucks und alles musste englisch klingen, jetzt sind es die Burger. Ich denke aber, dass sind eher die jungen Leute, die diesem folgen. Auf unseren Betrieb hatte es jedenfalls keinen Einfluss.» Ein positiver Trend sei jedoch, dass die Gäste sich mehr damit auseinandersetzen, ob die Lebensmittel frisch und regional sind.

Beim Geschäftsführer des Restaurants Rôtisserie Pfeffermühle in Rorschach, Florian Wymann, ist der Burger-Trend hingegen weniger angekommen. Er setzt auf regionale Küche. «Wir bieten klassische Gerichte an und haben ausschliesslich Fleisch aus der Schweiz.» Was aber auch ihm aufgefallen ist: Viele ihrer Gäste würden immer mehr Wert auf Herkunft und frische der Produkte legen. 

«Sich bewusster und gesünder zu ernähren scheint immer wichtiger zu werden.»

Dies bestätigt auch die Geschäftsführerin vom Hotel Mozart in Rorschach, Susanne Tobler. «Wir haben zwar ab und zu Hamburger auf der Karte, aber meist mit Lachs und frischem Gemüse – also die gesunde Variante oder sogar ganz vegetarisch.» Besonders die leichte, lustvolle Küche sei bei ihren Gästen beliebt und der Trend gehe eher in Richtung vegan. «Wir wechseln auch täglich die Karte und bieten natürlich frischen Fisch aus dem See an. Damit sind wir bisher sehr gut gefahren.» Dem amerikanischen Burger-Trend hätten sie bisher nie nachgeben müssen.

Qualität und Beständigkeit

Haubenkoch Jacques Neher von der Wirtschaft zum Löwen in Tübach hat über die Jahre viele «Trend-Restaurants» in der Gegend kommen und gehen sehen. «Vor einigen Jahr gab es die Welle mit der mexikanischen Küche, später folgte ein Crossover mit dem American-Style», dann mit asiatischem Einschlag, sagt der erfahrene Gastronom. «In zwei Jahren, davon bin ich überzeugt, wird schon der nächste Trend folgen.» Wer in der Gastro-Welt bestehen möchte, muss vor allem eines haben: Qualität und Beständigkeit. «Jemand der sein Fach beherrscht wird keine Probleme haben. Wer aber nur einer Strömung folgt und es als Quereinsteiger einfach mal versucht, hat so gut wie keine Chancen.» Vor allem im Bereich Burger habe man mit grossen Konkurrenten wie McDonalds und Burger King zu kämpfen. «Wer konstant bleibt, sei das wie wir mit gutbürgerlicher Gourmet-Küche, oder eben mit amerikanischem Style, der hat auch Erfolg», sagt Neher. Doch die Trends kommen so schnell, wie sie wieder verschwinden. 

«Besonders in der Schweiz. Wir bekleiden eine Art Vorreiterrolle, dank grossem Know-how, sehr guten Ausbildungen und Spitzenplätzen bei internationalen Wettbewerben.»

Für die Zukunft sieht Neher eher das sogenannte «nose to tail»-Prinzip, also von der Nase bis zum Schwanz. Dabei werden alle Teile des Tieres verwertet. «Wir machen das bereits an unseren Kalbs Gourmet Metzgeten seit 20 Jahren und auch sonst verwenden wir nicht nur Edelteile. Im Rest des Landes ist diese Verwertung aber noch nicht überall so bekannt.» Zurzeit werden die Teile, die der Schweizer nicht isst, noch ins Ausland exportiert. «Und wir bekommen dafür Pouletbrüste aus China.»