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Weg mit den Zigi-Stummeln neben Schaukel und Sandkasten: St.Gallerin fordert Rauchverbot auf Spielplätzen

Weil im Waldaupärkli immer wieder Zigarettenstummel liegen bleiben, fordert eine Anwohnerin Verbotstafeln. In anderen Städten herrscht auf Spielplätzen bereits Rauchverbot. St.Gallen hält davon wenig. Denn damit sei das Problem nicht gelöst.
Linda Müntener
Auf St.Galler Spielplätzen – wie hier im Waldaupärkli – wird geraucht. Das gefällt nicht allen. (Bild: Michel Canonica)

Auf St.Galler Spielplätzen – wie hier im Waldaupärkli – wird geraucht. Das gefällt nicht allen. (Bild: Michel Canonica)

Sobald die ersten Sonnenstrahlen den Frühling ankündigen, zieht es die Leute nach draussen, in die Parks, in die Wälder, auf Spielplätze. Auf dem Spielplatz im Waldaupärkli haben Besucher ihre Spuren hinterlassen. Neben mehreren Bänkli liegen Zigarettenstummel auf dem Boden. Das stösst einer Anwohnerin sauer auf. Sie hat sich via Stadtmelder an die Stadt gewandt. Auf dem Spielplatz würden immer wieder Eltern rauchen und die Stummel liegen lassen, schreibt sie. Und fordert ein, «oder gleich mehrere» Verbotsschilder. Denn:

«Das ist wirklich kein Zustand.»

In der Stadt St.Gallen herrsche auf keinem öffentlichen Spielplatz Rauchverbot, sagt Christoph Bücheler, Leiter der Dienststelle Stadtgrün. Auch in öffentlichen Parks darf geraucht werden. Christoph Bücheler und sein Team sind verantwortlich für die Pflege der Spielplätze. Zigarettenstummel bleiben dort immer wieder liegen. «Das ist natürlich ärgerlich», sagt er. Reklamationen habe er aber noch keine erhalten. Auch die Forderung nach einem Verbot hört er zum ersten Mal.

Chur und Dietikon als Vorreiter

In der Schweiz gilt nur in wenigen Gemeinden und Städten Rauchverbot auf Spielplätzen. Eine Vorreiterrolle will Dietikon einnehmen. Denn weggeworfene Zigarettenstummel seien für kleine Kinder gefährlich, so die Initianten. Gemäss Weltgesundheitsorganisation enthalten die Stummel bis zu 7000 teilweise giftige Chemikalien. Eine entsprechende Motion hat das Dietiker Stadtparlament Anfang Februar diskussionslos an den Stadtrat überwiesen. So soll das Rauchen neben Schaukel und Sandkasten künftig verboten werden. Ein Novum im Kanton Zürich.

In Chur gilt das bereits. Die Stadt führte 2008 ein Regelwerk ein, das als «härtestes Polizeigesetz der Schweiz» Schlagzeilen machte. Rauchen und Alkoholkonsum auf allen öffentlichen Spielplätzen wird seither geahndet, rund um die Uhr. 2017 hat die Churer Polizei 42 Bussen wegen Verstosses gegen das Rauchverbot erteilt, 2018 waren es 27. Jeder Polizist kann vor Ort eine Busse in der Höhe von 50 Franken erheben – so steht es in der Ordnungsbussenliste.

Stadtpräsident Urs Marti zieht eine positive Bilanz. «Das Rauchverbot war bei uns politisch nie umstritten und wird von allen Parteien getragen», sagt er. Man arbeite mit «weich gestalteten» Tafeln statt klassischen rot-weissen Verbotsschildern. Wird jemand beim Rauchen erwischt, spricht die Polizei ihn erst darauf an, bevor sie im Wiederholungsfall eine Busse erteilt. «Das funktioniert sehr gut. Wir haben kaum Reklamationen.»

Durchsetzung und Kontrollen sind schwierig

Ein Verbot verhängen könne die Stadt St. Gallen nicht einfach so, heisst es auf Anfrage bei der Direktion Planung und Bau. Dazu brauche es zuerst eine gesetzliche Grundlage, so wie das Regelwerk, das Chur eingeführt hat.

Christoph Bücheler hält ein Verbot ohnehin nicht für zielführend. «Es ist eine Illusion zu glauben, man bekomme das Problem damit in den Griff.» Der öffentliche Raum sei immer noch ein freier Raum. Dass manche ihren Abfall dort liegen lassen, sei ein gesellschaftliches Problem. Mit dem Aufstellen von Verbotstafeln und Belehrungen habe die Stadt jedenfalls schlechte Erfahrungen gemacht. «Die Tafeln wurden vollgesprayt, beschädigt, und vor allem nicht gelesen.» Auch die Durchsetzung eines Rauchverbots sei schwierig:

«Wenn Sie etwas verbieten, müssen Sie das auch kontrollieren. Und gebüsst werden kann nur, wer in flagranti erwischt wird.»

Das bestätigt Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen. Bei Littering kann die Stadtpolizei büssen. Wer Kleinstabfälle auf den Boden wirft, zahlt 50 Franken, wer beispielsweise nach dem Grillieren im Park mehrere Abfälle zurücklässt, bis zu 200 Franken.

Zigarettenstummel fallen in diese Kategorie. «Wir können aber nur aktiv werden, wenn wir das selber sehen», sagt Widmer. «Und wenn die Polizei vor Ort ist, verhalten sich die Leute in der Regel korrekt.» Das Rauchen an sich könne die Polizei nur dann büssen, wenn ein entsprechender gerichtlicher Beschluss vorliege, den der Eigentümer zuvor erwirkt habe.

Verhaltensregeln auf Hinweisschildern

Die Stadtpolizei versuche, die Leute in Sachen Littering zu sensibilisieren. Auch Christoph Bücheler appelliert an die Eigenverantwortung der Eltern und an deren Vorbildfunktion für die Kinder. Die Mehrheit sei vernünftig, halte sich an die Regeln und werfe die Zigarettenstummel in die Abfallkübel. Wegen weniger Ausnahmen sei der Aufwand einer Kontrolle nicht vertretbar. Viel grössere Probleme bereiteten ohnehin Katzen, die ihr Geschäft in Sandkästen verrichten, sagt Bücheler.

Die Spielplätze in der Stadt St.Gallen sollen demnächst mit Hinweisschildern neu gekennzeichnet werden. Wie diese genau aussehen, ist noch offen. Geplant ist, dass darauf neben dem Namen des Spielplatzes auch die Kontaktdaten der für den Unterhalt verantwortlichen Dienststelle und die Notfallnummer zu sehen sind. Damit sollen Besucherinnen Schäden schnell melden können, Hilfe anfordern oder Rückmeldungen geben. «Es ist denkbar, dass wir auf den Schildern auch Verhaltensregeln aufführen werden», sagt Christoph Bücheler. So würde man den Spielplatzbesuchern das Rauchen nicht verbieten, sondern sie lediglich darum bitten, es zu unterlassen.

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