Wechsel an der Spitze der St.Galler Ortsbürger: Katrin Meier soll erste Präsidentin werden

Der Bürgerrat, die Exekutive der Ortsbürgergemeinde St.Gallen, schlägt Katrin Meier als neue und erste Präsidentin vor. Meier soll gemäss Mitteilung vom Montag an der Bürgerversammlung vom 10. Dezember gewählt werden. Sie soll im Mai 2021 die Nachfolge des in den Ruhestand gehenden Arno Noger antreten. Sie wäre die erste Frau in diesem Amt.

Daniel Wirth
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Katrin Meier in ihrem Büro in der Hauptpost. Im Mai 2021 wechselt sie ins Stadthaus an der Gallusstrasse.

Katrin Meier in ihrem Büro in der Hauptpost. Im Mai 2021 wechselt sie ins Stadthaus an der Gallusstrasse.

Bild: Ralph Ribi

Die 51-jährige Journalistin und Arbeitspsychologin, die seit 13 Jahren das Amt für Kultur des Kantons St.Gallen leitet, wird der Bürgerversammlung am 10.Dezember als neue Präsidentin des Bürgerrats der Ortsbürgergemeinde St.Gallen vorgeschlagen. Der Suchprozess sei umfassend gewesen, heisst es in einer Mitteilung der Ortsbürgergemeinde vom Montag. Meiers Wahl im Advent scheint Formsache zu sein.

Als der amtierende Bürgerratspräsident Arno Noger im Mai dieses Jahres seinen Rücktritt per Ende April 2021 bekanntgab, hiess es im Communiqué der Ortsbürgergemeinde, es werde ein Wahlvorbereitungsausschuss eingesetzt, um die Nachfolge für das Präsidium des Bürgerrats sicherzustellen. Der Wahlvorbereitungsausschuss des Bürgerrats nahm in der Folge Meldungen von Interessentinnen und Interessenten entgegen. In Inseraten öffentlich ausgeschrieben wurde die Stelle nicht. «Wir suchten gezielt eine Frau oder einen Mann mit einem starken Bezug zur Stadt St.Gallen», sagt Noger.

Die Wahl einer Präsidentin oder eines Präsidenten einer Ortsbürgergemeinde könne nicht eins zu eins mit der Wahl einer Präsidentin oder eines Präsidenten einer Schul- oder politischen Gemeinde verglichen werden. Dort ist es nicht mehr ungewöhnlich, dass Findungskommissionen per Inserat nach einem neuen Gemeindeoberhaupt suchen. Jüngste Beispiele: das Gemeindepräsidium in Mörschwil oder das Schulpräsidium in Gossau. Noger sagt, er selber sei 2006 genauso ausgewählt und zur Wahl vorgeschlagen worden wie Katrin Meier jetzt.

Einst Redaktorin beim «St.Galler Tagblatt»

Katrin Meier freut sich auf ihre neue Herausforderung, wie sie gestern auf Anfrage dieser Zeitung sagte, für die sie selber mehrere Jahre als Redaktorin schrieb. Für sie sei die Ortsbürgergemeinde St.Gallen eine wichtige Institution für den Zusammenhalt und die Weiterentwicklung der Gesellschaft, sagt Meier. In den Jahren zwischen ihrer Tätigkeit fürs «St.Galler Tagblatt» und für das kantonale Amt für Kultur bildete sie sich auf dem zweiten Bildungsweg weiter und arbeitete in der Unternehmensberatung und für die Stiftung Risiko-Dialog.

Die Ortsbürgergemeinde St.Gallen kennt Meier, wie sie sagt. Es gebe bei ihrer heutigen Tätigkeit beim Amt für Kultur Schnittstellen mit den Ortsbürgern. Die Ortsbürger ihrerseits erwähnen in diesem Zusammenhang die Bibliothek Hauptpost, das Provisorium der Kantons- und Stadtbibliothek, die dereinst in der «Union» beim Blumenmarkt untergebracht werden soll. Auch bei diesem 130-Millionen-Zukunftsprojekt spielt Meier eine wichtige Rolle.

Bürgerrat ist des Lobes voll über Wahlvorschlag

Die Ortsbürgergemeinde schreibt in den höchsten Tönen von Meier: Sie sei eine lösungsorientierte und integrative Führungskraft. Das federführende Mitgestalten gesellschaftlicher Aufgaben ziehe sich als roter Faden durch ihre Laufbahn. Kurz: Meier sei die ideale Wahl. Sie ist in St.Gallen aufgewachsen. Zeit ihres Lebens hat sie entweder in der Stadt gelebt oder gearbeitet. Meier ist verheiratet und wohnt derzeit in Winterthur. Bei einer Wahl zieht sie hierher. Ortsbürgerin von St.Gallen ist sie noch nicht. «Das Einbürgerungsverfahren läuft», sagt sie.

Rund 600 Mitarbeitende und gut 52 Millionen Jahresumsatz

(dwi) Die Ortsbürgergemeinde St. Gallen (OBG) ist ein bedeutender Arbeitgeber in der Kantonshauptstadt. Ende 2019 beschäftigte sie in ihren unselbstständigen Betrieben und Institutionen sowie in der Geriatrischen Klinik St. Gallen insgesamt 597 Mitarbeitende, die sich 458 Vollzeitstellen teilten. Von den knapp 600 Mitarbeitenden waren Ende vergangenen Jahres 77 Lernende.
2019 erzielte die Ortsbürgergemeinde St. Gallen, die gegenwärtig gut 10000 Bürgerinnen und Bürger zählt, einen konsolidierten Umsatz von 52,4 Millionen Franken. Das Geschäftsfeld «Gesundheit und Alter» ist mit Abstand das grösste der OBG; es umfasst neben der Geriatrischen Klinik das Alters- und Pflegeheim Bürgerspital und die Altersresidenz Singenberg. Weitere Kompetenzzentren sind der Forstbetrieb, die Liegenschaften und Restaurants und Kultur und Bildung mit dem Stadtarchiv.
Das konsolidierte Eigenkapital der Ortsbürgergemeinde betrug per Ende 2019 gut 260 Millionen Franken. Die OBG versteht sich als Gruppe moderner Unternehmen mit Tradition in der Stadt St.Gallen.

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