In Berg wurde Wasser zum falschen Preis verrechnet

Jahrelang basierte die Berechnung einer Wassergebühr in Berg auf einem Fehler. Nun will die Gemeinde das System ändern – und unnötig entrichtete Gebühren zurückzahlen.

Adrian Lemmenmeier
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Für den Schluck Wasser bezahlte in Berg manch Hausbesitzer jahrelang mehr, als im Reglement festgelegt. (Bild: Symbolbild: Keystone)

Für den Schluck Wasser bezahlte in Berg manch Hausbesitzer jahrelang mehr, als im Reglement festgelegt. (Bild: Symbolbild: Keystone)

Je teurer das Haus desto mehr Gebühren bezahlt der Besitzer für Wasser – und zwar unabhängig von der Menge, die er verbraucht. Diese Regelung gilt in Berg bis heute. Auf der Abrechnung erscheint neben dem Preis für die konsumierte Wassermenge auch ein Gebäudezuschlag in Höhe von 0,26 Promille des Wertes der Liegenschaft.

Gemeindepräsident Sandro Parissenti.

Gemeindepräsident Sandro Parissenti. 

Weil sich der Gebäudewert mit der Zeit ändert, ändert auch die Höhe dieser Gebühr. Theoretisch. Denn in Berg ging die Anpassung der Gebäudewerte bei den Wassergebühren seit 2012 vergessen. Damals hatte die Gemeinde die Wasserabrechnung an die Firma Elog ausgelagert. «Statt eine Schnittstelle zu den Gebäudewerten einzurichten, die nach Schätzungen aktualisiert werden, hat man einfach die damaligen Zahlen übernommen, ohne zwischenzeitliche Änderungen nachzutragen», sagt Gemeindepräsident Parissenti. Das Resultat: falsche Berechnungen, teilweise über Jahre hinweg.

Ein veraltetes System

Der Fehler ist ans Licht gekommen, als die Verwaltung Prozesse im Bereich Strom und Wasser auf Optimierung prüfte (siehe Infobox).

Die Differenzen, die entstanden sind, belaufen sich bei Privaten auf maximal 113 Franken pro Haushalt und Jahr.

In manchen Fällen geht es auch nur um einige Franken – je nachdem, wie stark sich der Wert eines Gebäudes in den letzten Jahren verändert hat. Wieso aber ist die Wassergebühr überhaupt vom Wert eines Hauses abhängig? «Das geht auf das aktuelle Reglement zurück», sagt Parissenti. «Früher ging man davon aus, dass in einem grossen Haus mehr Menschen wohnen. Heute muss das nicht mehr zutreffen.» Das jetzige Reglement sei deshalb überholt – Berechnungsfehler hin oder her. Der Gemeinderat will nun ein neues erarbeiten.

Statt die Gebühr an den Gebäudewert zu binden, prüfe man eine Grundgebühr oder eine Abgabe, die sich an der gebrauchten Wassermenge orientiert. «Dabei wollen wir verhindern, dass es für Eigentümer zu grossen Verschiebungen kommt.» Bis jetzt spülte die Wassergebühr jährlich gut 42000 Franken in eine Spezialkasse für den Unterhalt der Wasserversorgung.

Die Gemeinde korrigiert nun falsche Berechnungen. Wer zu viel bezahlt hat, erhält eine Gutschrift. Wer zu wenig entrichtete, wird aber nicht mehr zur Kasse gebeten. «Wichtig ist, dass wir die Angelegenheit sauber, aber ohne Zusatzaufwand lösen.»

Kaminfeger listet Öltanks

Ebenso ist der Verwaltung bei einer Überprüfung aufgefallen, dass in Berg kein Register von Heizöltanks besteht. Gemäss Gewässerschutzgesetz sei die Gemeinde aber dazu verpflichtet, eine Liste von bewilligungspflichten Behältern zu führen, wenn diese Flüssigkeiten enthalten, die Gewässer gefährden könnten, heisst es im Mitteilungsblatt der Gemeinde. Dazu gehören auch Tanks für Heizöl, die in Berg in manchem Keller stehen. «Leider verfügt die Gemeinde Berg über kein entsprechendes Register», heisst es im Mitteilungsblatt weiter. Auch sei es nicht möglich, anhand von Material aus dem Gemeindearchiv ein solches in der geforderten Form aufzubauen. Nun habe sich Kaminfegermeister Franz Diethelm bereiterklärt, die Gemeinde bei der Erfassung der Tanknummern zu unterstützen. Bei Routinekontrollen wird der Kaminfeger auch die Nummer von Öltanks aufnehmen. Die Gemeinde will daraufhin ihrer Verpflichtung nachkommen und einen Tank-Kataster erstellen. (al)