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«Es geht um unsere Existenz»: Bauernfamilie wehrt sich gegen geplante Schutzzone der Stadt Gossau

Damit einige Häuser im Westen Gossaus an eine Quelle angeschlossen werden können, will die Stadt eine Schutzzone ausscheiden. Eine Bauernfamilie wehrt sich. Sie fürchtet um die Zukunft des Betriebs.
Adrian Lemmenmeier
Ein Teil der Ackerfläche nördlich der A1 könnte in einer Wasserschutzzone nicht mehr bestellt werden. (Bild: Michel Canonica)

Ein Teil der Ackerfläche nördlich der A1 könnte in einer Wasserschutzzone nicht mehr bestellt werden. (Bild: Michel Canonica)

Andreas Zingg, Landwirt

Andreas Zingg, Landwirt

Andreas und Roger Zingg stapfen über den verschneiten Acker ihres Hofes Bluemenau. Im Sommer spriessen hier Weisskohl, Chicorée-Wurzeln und Karotten. Jetzt ist ein Absperrband über den Acker gespannt. Hier will die Stadt eine Schutzzone ausscheiden, für eine Quelle, die Häuser in den Weilern Rüeggetschwil und Nutzenbuech weiter nördlich versorgt.

«Mit der Schutzzone würden wir 2,5 Hektaren unserer landwirtschaftlichen Nutzfläche verlieren», sagt Andreas Zingg. Sein Sohn Roger ergänzt:

«Das käme einem Berufsverbot gleich. Es geht um unsere Existenz als Landwirtschaftsbetrieb.»

Der Grund: In der Schutzzone ist die Bewirtschaftung des Bodens stark eingeschränkt. «Im inneren Bereich der Zone besteht ein Ackerbau- und Düngverbot», sagt Roger Zingg. An Gemüseanbau ist also nicht zu denken.

Ein jahrelanger Konflikt um Wasser

Aus diesem Grund hatten die Zinggs zusammen mit einem Nachbarn, beides Eigentümer der Quelle, Einsprache gegen die geplante Schutzzone eingelegt. Die Stadt hat diese abgewiesen, nun liegt das Anliegen beim Kanton. «Wir rechnen im nächsten Quartal mit Neuigkeiten», sagt Markus Heer, der die Familie Zingg als Rechtsanwalt vertritt.

Der Streit um die Nutzung von Wasser schwelt am westlichen Rand Gossaus seit langem. Die Weiler Rüeggetschwil und Nutzenbuech beziehen Wasser aus verschiedenen Quellen. Mit dem Klimawandel sind einige aber immer weniger zuverlässig. So musste vergangenen Sommer gar die Feuerwehr Häuser mit Wasser aus Tanklastwagen versorgen.

Der Wasserverein Nutzenbuech-Rüeggetschwil will diese Häuser an eine grössere Quelle anschliessen, für die einige Mitglieder Nutzungsrechte besitzen. Diese Quelle liegt auf dem Grundstück der Familie Zingg und dem des Nachbarn. Weil auch Mietwohnungen Wasser aus dieser Quelle beziehen sollen, gilt sie nicht mehr als privat, sondern als öffentlich – und die Stadt muss für die Nutzung der Quelle eine Schutzzone einrichten.

Viele Fragen seien ungeklärt, sagt Roger Zingg. «Es ist nicht klar, ob die Fruchtfolgefläche, die verloren geht, kompensiert wird.» In anderen Kantonen sei es gar nicht möglich, Schutzzonen auf Fruchtfolgeflächen zu erstellen. Die Zone sei vor dem Hintergrund der Ertragseinbusse nicht verhältnismässig. Ausserdem sei nicht geklärt, ob das Wasser überhaupt die erforderliche Qualität habe, sagt Markus Heer, «Auf dem Gebiet der Schutzzone befinden sich auch Böden mit Altlasten.»

Wasserleitung statt Quelle?

Der Quellenstreit beschäftigte vergangenen Winter auch das Parlament. Weil sich die Eigentümer und der Wasserverein über einen erweiterten Quellrechtsvertrag nicht einig wurden, hat es im Februar eine mögliche Erschliessung der Weiler Nutzenbuech und Rüeggetschwil mit einer Wasserleitung beschlossen. Über den Bau der Leitung kann gemäss Bericht des Stadtrates entschieden werden, wenn feststehe, ob die Schutzzone ausgeschieden werden könne.

Weder der Wasserverein noch die Stadt äussern sich derzeit zum Thema. Beide verweisen auf laufende Verfahren.

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