Röbi Raths wechselt Anfang Jahr als Stadtpräsident nach Rorschach: Seine wichtigsten Projekte in Thal

Nach 20 Jahren als Gemeindepräsident verlässt er Thal. In der Gemeinde wird er für Verschiedenes in Erinnerung bleiben. Zeit zum zurückzuschauen.

Jolanda Riedener
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Röbi Raths Zeit in Thal ist um, ab 2020 wirkt er in Rorschach.

Röbi Raths Zeit in Thal ist um, ab 2020 wirkt er in Rorschach.

Bild: Rudolf Hirtl

Es sind viele E-Mails und Telefonate, die Röbi Raths in den vergangenen Wochen erhalten hat. Auf der Strasse wird er angesprochen, bekommt eine Flasche Wein geschenkt oder Glückwünsche von seinen Bürgerinnen und Bürgern. «Es ist eine grosse Wertschätzung zu spüren», sagt er. Auch an seiner letzten Orientierungsversammlung Anfang Dezember hat Raths diese gespürt. Vergangene Woche hat er sein Büro im Erdgeschoss des Rathauses gezügelt. «Jetzt ist es real», sagt er. Es ist ein neuer beruflicher Abschnitt für Raths, auf den er sich freue, seit er im Mai im ersten Wahlgang als Nachfolger von Thomas Müller (SVP) gewählt wurde. Auf Anfang Jahr tritt der FDPler das Amt des Stadtpräsidenten in Rorschach an.

Steuerfuss und Arena-Areal als Aushängeschild

Erreicht hat er in seiner Zeit als Gemeindepräsident von Thal einiges. Weniger präsent seien ihm hingegen negative Erlebnisse geblieben. «Das gehört zum Job einfach dazu», sagt er. Insbesondere in der Öffentlichkeit zu stehen und Kritik einzustecken. Was war besonders aufreibend in seiner Zeit als Gemeindepräsident? Röbi Raths muss lange überlegen. «Allenfalls die Schliessung des Schützenhauses in Buechen», sagt er. Das sei aber schon eine Ewigkeit her.

Stolz ist Röbi Raths auf die Entwicklung des Steuerfusses in Thal, den er in seiner Amtszeit halbieren konnte. Weitere Meilensteine sind die Entwicklung des Arena-Areals, der Seeuferweg oder der Neubau der Dorfstrasse. Zudem habe er als Gemeindepräsident von Thal keine Sachvorlagen oder Kreditabstimmungen verloren. Wenn auch knapp, zum Beispiel beim Neubau des Schulhauses in Buechen, so hat das Volk sämtliche Vorschläge des Gemeinderats angenommen. Zielführend dabei war, dass Raths jeweils das direkte Gespräch mit den Bürgern suchte.

Abstimmungen

Nach sämtlichen kommunalen Abstimmungen konnte Röbi Raths jubeln. Alle Investitionen sowie Landerwerbe haben die Thalerinnen und Thaler gut geheissen. Jüngstes Beispiel ist der Kauf des Christareals, worüber am 17. November an der Urne entschieden worden ist. Für Raths ein Muss, dass die Gemeinde ein Kaufangebot macht. Die ehemalige Kartonfabrik liegt an zentraler Lage im Dorf. Das Grundstück ist rund 11000 Quadratmeter gross und kostete 9,5 Millionen Franken. Zu teuer, finden die Gegner der Vorlage. Kommunikation ist für Raths ein wichtiger Schlüssel, sich den Bedenken der Bevölkerung anzunehmen. Vor allem die Vorversammlungen waren stets ein beliebtes Mittel.

Arena-Areal

Die «Arena» war bis 2005 eine legendäre Disco in Buriet. Der Verkauf der Liegenschaft scheiterte wiederholt. Nachdem die Arena Marketing AG Konkurs ging, kam die Liegenschaft unter den Hammer. Auch die Gemeinde Thal bot mit und kaufte das 43000 Quadratmeter grosse Areal für 8,7 Millionen Franken. Dass alle Einsprachen bereinigt und die Überbauung realisiert werden konnte, ist auch Raths Verhandlungsgeschick und Engagement zu verdanken. Mittlerweile ist die letzte Parzelle auf dem Areal verkauft. Unter anderem gibt es ein Einkaufszentrum, Fitnesscenter und Restaurant.

Einheitsgemeinde

Seit 2005 ist die politische Gemeinde Thal als Einheitsgemeinde organisiert. Bereits vor Röbi Raths Zeit als Gemeindepräsident war die Zusammenführung der Schulgemeinde und politischen Gemeinde ein Thema. Diesen Schritt haben viele der umliegenden Gemeinden ebenfalls in den vergangenen Jahren gemacht. Röbi Raths war an dieser Zusammenführung massgeblich beteiligt. Mit einem externen Mediator wurde die Fusion aufgegleist und schliesslich vollzogen. Gemäss Raths habe sich das System in Thal bewährt, man müsse aber stets daran arbeiten. Somit ist der Thaler Gemeinderat das oberste Behördengremium. Für den gesamten Schulbereich ist der Schulrat zuständig.

Schulhaus Buechen

Die Thalerinnen und Thaler haben 2011 an der Urne einem Kredit von 7,3 Millionen Franken für den Neubau des Schulhauses Buechen zugestimmt. Das Abstimmungsresultat fiel ziemlich knapp aus: Nur 52 Stimmen Unterschied trennten die Befürworter und Gegner des Projekts. Insbesondere der neue Standort im Zentrum und der moderne Neubau – mittlerweile ein Blickfang – wurden von der Bevölkerung kritisiert. Hoch war aber auch die Stimmbeteiligung mit 49,6 Prozent, die wie Raths damals sagt, auf die Informationspolitik der Gemeinde zurückzuführen war. Bereits im September 2011 feierte man den Spatenstich, im August 2013 fand erstmals Unterricht im Neubau statt.

Seeuferweg

Der Gemeinderat hat 2008 beschlossen, einen Seeuferweg zwischen dem Altenrheiner Seegraben und dem Jägerhaus-Hafen zu realisieren. Bis zur Umsetzung 2010 dauerte es allerdings: Insbesondere das Teilstück beim Industrie- und Gewerbepark Altenrhein beanspruchte mehrere Jahre intensiver Verhandlungen, bei denen um den idealen Verlauf des Weges gefeilscht wurde. Auch bei der Überbauung Seepark wurde ein Steg erstellt. Dem Staader Hafen wurde ebenfalls 2008 neues Leben eingehaucht, ein Verdienst der politischen und der Ortsgemeinde. Der Abschnitt Seepark bis Badi Speck ist der letzte, der noch fehlt. Gemäss Raths ist aber auch dieses Projekt bereits aufgegleist.

Steuerfuss

In den vergangenen 15 Jahren purzelte der Steuerfuss in Thal kontinuierlich. Dass dies nicht alleine sein Verdienst ist, gibt Röbi Rahts zu. Dennoch hat er wesentlich zur finanziellen Besserstellung in der Gemeinde beigetragen. Als Raths das Amt übernommen hatte, lag der Steuerfuss in der Gemeinde bei 160 Prozent. Im Frühjahr beschloss die Bürgerversammlung erneut eine Reduktion von zehn Prozentpunkte auf aktuell 94 Prozent. Nicht nur die Steuern hat die Gemeinde in Raths Amtsdauer gesenkt, auch die Verschuldung um 35 Millionen Franken reduziert und das Eigenkapital auf 16,5 Millionen Franken aufgestockt. Somit konnte die Gemeinde wieder neue Investitionen tätigen.

Firmen ansiedeln

Röbi Raths ist ein Vermittler. Dass er Leute zusammenbringen kann, hat er mehrfach bewiesen. Zum Beispiel als er einen «TVO»-Beitrag über das damals Wolfhalder Unternehmen Medicel gesehen hatte, das einen neuen Firmenstandort suchte. Zwei Tage später hatte Raths bereits den Kontakt zu einem Thaler Grundeigentümer hergestellt, heute ist die Firma in Altenrhein ansässig. Dasselbe beim Transportunternehmen Galliker, das sich Dank Raths Vermittlungsgeschick in Staad niederliess. Nicht nur Betriebe holte er als Steuerzahler in seine Gemeinde. Auch private Steuerzahler versuchte er nach Thal zu locken und präsentierte ihnen wenn immer möglich passende Objekte.

Bützelpark

Der Sportplatz Bützel ist eine beliebte Fussball- und Sportanlage. Da der Rasen entsprechend stark beansprucht wurde, sollte ein Allwetterplatz her. Dieser entspreche dem Zeitgeist, sagte Röbi Raths im Vorfeld der Abstimmung. Fünf Millionen Franken kostete das Projekt in Buechen, dem die Bürger 2013 zur Freude von Röbi Raths nicht so knapp zustimmten, wie erwartet. Neben einem Kunstrasen stimmten die Wählerinnen und Wähler einem Bühnenanbau an der Ostseite der Doppelturnhalle, einem neuen Spielplatz, sowie der Renaturierung des Bützelbachs zu. Inzwischen steht die nächste Baustelle auf dem Bützel an: Der Rasen auf dem Fussballplatz wird saniert.

Dorfstrasse

Sie war lange ein Engpass: die Durchfahrt auf der Dorfstrasse von Thal Richtung Buechberg im Bereich Nagelstein. Die Sanierung und der Ausbau des Geh- und Radwegs auf der ehemaligen Strassenführung ermöglicht den Schülern, Fussgängern und dem Strassenverkehr heute ein sicheres Durchkommen. Gleichzeitig ist die neugebaute, breitere Strasse, für den motorisierten Verkehr entstanden. Das Grossprojekt, das im November 2009 zur Abstimmung kam, wurde im Dorf viel diskutiert. Die Bagger konnten bereits im Oktober 2010, ein Jahr nach der Zustimmung der Bürger, auffahren.