«Was Tesla für die Elektrotechnik war, ist Handke für die Literatur»: Warum ein St.Galler die einzige Büste des Literaturnobelpreisträgers besitzt

Um das geistige Erbe Nikola Teslas in die Welt hinauszutragen, gründete der St.Galler Peter Kaiser vor 15 Jahren die bis heute einzige Tesla Society in ganz Europa. Doch nicht nur Tesla hat es Kaiser angetan, auch Literaturnobelpreisträger Peter Handke. Von ihm liess Kaiser nun eine Bronze-Büste anfertigen.

Luca Ghiselli
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Der St.Galler Peter Kaiser posiert mit der Handke-Büste bei sich zu Hause. (Bild: Ralph Ribi)

Der St.Galler Peter Kaiser posiert mit der Handke-Büste bei sich zu Hause. (Bild: Ralph Ribi)

An Peter Handkes Antlitz gab es in den vergangenen Wochen kaum ein Vorbeikommen. Es wurde auf Titelseiten abgedruckt, in den Fernseh-Nachrichten gezeigt, in den sozialen Medien herumgereicht. Und nun ist das Gesicht des umstrittenen österreichischen Autors und Literaturnobelpreisträgers 2019 auch noch als Büste zu bewundern.

Dass es überhaupt dazu gekommen ist, liegt an Peter Kaiser. Der St.Galler arbeitet hauptberuflich im Detailhandel, in seiner Freizeit amtet er als Chef der Tesla Society Switzerland / EU. In dieser Funktion tritt er an Fachkongressen, Universitäten und Schulen auf und vermittelt das intellektuelle Erbe des Erfinders und Elektroingenieurs Nikola Tesla.

Kaiser ist aber nicht nur ein grosser Bewunderer Teslas, sondern auch ein Freund Peter Handkes.

«Ich bin kein Physiker, sondern Botschafter»

Peter Kaiser lädt zum Gespräch in seine Wohnung im Osten St.Gallens, wo er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern Katarina und Philip lebt. An der Wand hängen Urkunden, Ehrenmedaillen, Auszeichnungen. In seiner Funktion ist der gebürtige Vorarlberger weit gereist. Vor allem im ehemaligen Balkan ist Kaiser, der sich als Botschafter von Teslas Schaffen versteht, ein oft und gern gesehener Gast.

Er tritt an Kongressen mit renommierten Physikern auf – und das als Laie. Woher kommt die Begeisterung für Tesla? Und woher jene für Handke? Kaiser sagt: «Was Tesla für die Elektrotechnik war, ist Handke für die Literatur. Ein Innovator, ein genialer Denker, ein lange verkanntes Genie.»

Die erste Tesla-Ausstellung im Säntispark

«Ende der 1990er-Jahre habe ich Lichtkonzepte für Geschäfte entwickelt und kam so das erste Mal in Berührung mit Teslas Schaffen. Dann habe ich angefangen, zu recherchieren. Und bald gemerkt, dass es viel Aufklärungsarbeit zu leisten gibt.»

Klein habe das angefangen, mit einer Tesla-Ausstellung im Säntispark in Abtwil. Die Resonanz sei durchs Band positiv gewesen, und so habe er gemeinsam mit Gleichgesinnten die Tesla Society gegründet – nach dem Vorbild der gleichnamigen Organisation in New York.

Alles begann mit einer Ikone

Im gleichen Zeitraum, 1999 war es, stellte Peter Kaiser unter dem Titel «Peters Bilderwelten» auch christlich-orthodoxe Ikonen aus, unter anderem in der Offenen Kirche St.Gallen. Eine davon schickte er Peter Handke, dessen Werk «Himmel über Berlin» er schon damals bewunderte. Es folgte ein Dankesschreiben des Autors, und daraus entwickelte sich eine Art Brieffreundschaft, die in einem Treffen bei Handke zu Hause in Chaville bei Paris endete.

Dankesbrief von Peter Handke an Peter Kaiser. (Bild: Privatarchiv Peter Kaiser)

Dankesbrief von Peter Handke an Peter Kaiser. (Bild: Privatarchiv Peter Kaiser)

Stolz zeigt Kaiser Fotos von dem Besuch. Als Gastgeschenk übergab er dem Autor eine Kopie eines Tesla-Gemäldes, das lange Zeit verschollen war und 2010 in Nordfriesland wieder aufgetaucht ist. «Erst kürzlich sah ich in einem Fernseh-Interview, dass er es im Wohnzimmer aufgehängt hat.»

Peter Kaiser besuchte Handke 2012 in seinem Haus bei Paris. (Bild: Privatarchiv Peter Kaiser)

Peter Kaiser besuchte Handke 2012 in seinem Haus bei Paris. (Bild: Privatarchiv Peter Kaiser)

Die Büsten-Idee ist 13 Jahre alt

Schon vor seinem Besuch in Paris hatte Kaiser die Idee einer Handke-Büste. «Ich war 2006 an der Eröffnung des Tesla-Museums in Gallspach bei Linz eingeladen. Am Anlass wurde auch eine Tesla-Büste der Künstlerin Drinka Radovanovic enthüllt», erinnert sich Kaiser. Schon damals sagte er sich: «Handke kommt irgendwann richtig gross heraus. Wir brauchen eine Büste.»

Radovanovic, die unter anderem auch die Tesla-Statue am Belgrader Flughafen schuf, stimmte zu, präsentierte ihm 2012 das erste Modell, fertigte danach die Bronze-Büste und schenkte sie Kaiser als Dank für seinen Einsatz für Tesla. Seit gut einem Jahr ist das Einzelstück nun in Besitz der Tesla-Society und wird in einem Tresor aufbewahrt. «In St.Gallen würde ich das Werk am liebsten in einer Ausstellung zeigen», sagt Kaiser. Für ihn persönlich gehöre die Büste aber nach Kärnten, in die Heimat Peter Handkes. «Mal sehen, was sich ergibt.»

«Habe mit Handke nie über Politik gesprochen»

Und was sagt Peter Kaiser zur Kritik, die nach der Vergabe des Literaturnobelpreises auf Handke einprasselt? «Ich habe mit ihm nie über Politik gesprochen. Sondern, wie man das mit privaten Freunden eben tut, über Fussball, Geburtstage und die Gesundheit.» Politik und literarisches Schaffen gelte es zu trennen. 

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