Was soll in Sachen Verkehr passieren in Rorschach? Die drei Stapi-Kandidaten geben Antwort

Die Kandidaten fürs Stadtpräsidium in Rorschach beantworten Fragen zur Hafenstadt und zur Region: Wie wollen sie die Verkehrsproblematik lösen? Wie stehen sie zur SBB-Doppelspur und zur Mobilität der Zukunft?

Rudolf Hirtl
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Kandidaten fürs Rorschacher Stadtpräsidium (v.l.): Röbi Raths, Guido Etterlin, Beat Looser. (Bild: jor)

Kandidaten fürs Rorschacher Stadtpräsidium (v.l.): Röbi Raths, Guido Etterlin, Beat Looser. (Bild: jor)

Der Wahlkampf befindet sich in der heissen Phase: Wer wird Nachfolger von Rorschachs Stadtpräsident Thomas Müller (SVP)? Ins Rennen steigen der Thaler Gemeindepräsident Robert Raths (FDP) sowie Stadtrat und Schulpräsident Guido Etterlin (SP). Auf den letzten Drücker hat sich der Rorschacher Beat Looser (parteilos) zur Wahl gestellt. In ihren Worten beantworten sie Fragen zur Zukunft der Hafenstadt.

Geschlossene Barrieren und eine insbesondere während der wärmeren Jahreszeit hoffnungslos verstopfte Hauptstrasse legen Rorschach teilweise lahm. Wie wollen Sie dieses Problem lösen?

Raths: Eine kurzfristige Lösung der Barrieren-Problematik ist nicht realistisch, sonst hätte der heutige Stadtrat diese Thematik in Zusammenarbeit mit dem Kanton und der SBB bereits gelöst. In Zusammenhang mit der geplanten Sanierung der Kantonsstrasse im Bereich Jakobsbrunnen bis Hafenbahnhof müssen geeignete Gestaltungsmassnahmen zur Reduktion der Geschwindigkeit geprüft werden.

Etterlin: Die verstopfte Hauptstrasse befreien wir von allem unnötigen Verkehr. Haben Sie gewusst, dass unnötiges zielloses Herumfahren und Motoren aufheulen lassen ein Verstoss gegen das Strassenverkehrsgesetz sind und von der Polizei gebüsst werden können? Zusammen mit der Kantonspolizei werde ich dieses Treiben – insbesondere an den schönen Wochenenden – einschränken. Für das Rorschacher Barrierenproblem brauchen wir eine finanzierbare und regional getragene Lösung.

Looser: Hoffnungslos verstopft und lahm legen ist übertrieben und schnelle Lösungen gibt es nicht. Klar steht der Verkehr kurz, wenn die Barrieren unten sind. Und ja auf der Hauptstrasse hat es bei schönem Wetter sehr viel Verkehr und man kommt nur im Stossverkehr vorwärts. Störend und anteilmässig nicht klein ist dann in erster Linie das Hin- und Herfahren der laut gasgebenden Blöfferfraktion. Dagegen gäbe es bereits Gesetze und erst wenn wir konsequent anzeigen und büssen, wird dies weniger werden.

Wie stehen Sie zu den angedachten Projekten zusätzlicher A1-Anschluss, Unterführungen und flankierende Massnahmen?

Raths: ch bin ein Befürworter des Autobahnanschlusses A1 – dies bringt verbesserte Anschlüsse ins Zentrum und aus dem Zentrum. Weiters ermöglicht der Anschluss mit den flankierenden Massnahmen eine Verkehrsentlastung der Aussenquartiere. Im Interesse der Verkehrslenkungen bin ich für Unterführungen, sofern diese gestalterisch machbar und finanziell tragbar sind.

Etterlin: Wer Strassen baut, wird Mehrverkehr ernten. Das ist auch in Rorschach so und kann niemand schönreden. Ich plädiere für ein neues Mobilitätsverständnis für das 21. Jahrhundert. Es muss uns gelingen, Wohnen und Arbeiten einander wieder näher zu bringen und die ungebremst wachsenden Verkehrsströme zu reduzieren. Ich freue mich da über den Chefredaktor vom Tagblatt, der geschrieben hat, es lohne sich, über Alternativen intensiver nachzudenken. Er hat vollkommen recht damit. Fangen wir morgen damit an.

Looser: Die Zeit der billigen fossilen Energie mit allen negativen Auswirkungen muss beendet werden. Die Verkehrssysteme der Zukunft werden verschiedenste leichtere und kleinere E-Mobile (allenfalls selbstfahrend) sein und der ÖV. Lassen Sie uns nachhaltig für die Zukunft planen und nicht noch mehr Kulturland, Umwelt und Geld verschwenden mit kurzfristigen alten Scheinlösungen. Auch sind die angedachten Projekte viel zu teuer und beeinflussen unseren Steuerfuss auf Jahrzehnte negativ; haben wir den Mut zu Neuem und Besserem.

Wer mit dem Schiff in Rorschach ankommt, wird mit einem kühl gestalteten Hafenplatz willkommen geheissen und es fehlt an Verköstigungsmöglichkeiten im Bereich Seeufer. Was wollen Sie unternehmen, um Rorschach auch als Tourismusdestination zu fördern?

Raths: Die Ausführungsplanung des Hafengeländes samt Hafengebäude ist gemäss Geschäftsbericht 2018 des Stadtrates abgeschlossen. Die Urnenabstimmung über den Baukredit steht für 2019 in Aussicht. Sollten sich darüber hinaus weitere Bedürfnisse ergeben, müssten diese mit den Verantwortlichen geklärt werden.

Etterlin: Das Desaster war ja der unansehnliche Parkplatz an schönster Lage am Hafen. Zudem hätte man den ungenutzten Hafenmeisterpavillon schon lange als Pop-up-Beiz herrichten können. Der Empfang mit den neuen Sitzflächen ist dank unserem Stadtgärtner Moser schon wesentlich freundlicher. Mit einfachsten Mitteln notabene! Ich wehre mich zudem, dass die Restaurants an der Hafenkante stets ignoriert werden. Man kann sich dort sehr wohl verköstigen. Unser Kapital ist der See und der freie Zugang dazu.

Looser: Ein fast leerer Platz ist ein schöner Luxus und mit ein paar Schritten ist man bereits beim Pavillon am See, einmal übers Gleis hat man Verpflegungsmöglichkeiten und einmal über die Strasse ist man bei einem feinsten Glace. Wenn schon sollten wir Touristen vermehrt ins Städtchen zu den bestehenden Geschäften locken, mittels besserer Beschilderung und einer App. Rorschach empfiehlt sich als kleine feine Übernachtungsmöglichkeit mit lebendigem und buntem Kleinstadtnachtleben für Tagesausflügler in die Umgebung.

Wie ist Ihre Meinung zum durchgehenden Doppelspurausbau der SBB, ist dies Fluch oder Segen für die Stadt? Entspricht der öffentliche Verkehr den Bedürfnissen, wo sind Verbesserungen angezeigt?

Raths: Der Doppelspurausbau der SBB ist von übergeordneter Wichtigkeit. Entscheidend für die Anstösser ist, dass diese frühzeitig in den Prozess eingebunden werden und die Behörden im Interesse dieser das Bestmögliche herausholen. Was den öffentlichen Verkehr betrifft, ist die Stadt Rorschach und Umgebung auf einem guten Stand.

Etterlin: Der Doppelspurausbau wird kommen. Gemeinsam mit den Planenden der SBB sowie den Anwohnenden muss der Lärmschutz vor Ort sehr sorgfältig organisiert werden. Wenn wir es gut machen, wird eine Aufwertung der südlich angrenzenden Wohnquartiere möglich. Bezüglich Ausbau des ÖV brauchen wir einen vollständigen und regelmässigen ¼-Stunden-Takt. Den Seebus sehe ich langfristig mit kleineren Fahrzeugen dafür mit bedarfsgerechter bedienten Routen.

Looser: Da die Platzverhältnisse an der Bahnlinie knapp sind, ist die Doppelspur vor allem für die Anwohner sicher mehr Fluch als Segen. Wer aber einen starken ÖV will, muss dafür auch einstehen. Rorschach hat das Glück, dass wir bereits sehr gut angebunden sind an das öffentliche Verkehrsnetz über den Hauptbahnhof, was sich auch daran zeigt, dass wir in der Gegend die Gemeinde mit am wenigsten Autos pro Kopf sind. Auch die Busverbindungen entsprechen den Bedürfnissen, auch wenn noch Optimierungsmöglichkeiten bestehen.

Die Mobilität darf sich nicht ohne Umweltschutz entwickeln. Was ist in der Stadt Rorschach zu tun, um den CO2-Ausstoss zu verringern, wie wollen Sie Elektromobilität fördern?

Raths: Die Berücksichtigung des Klimawandels ist ein Gebot der Stunde. Für die Behörden gilt es, auf kommunaler Ebene für geeignete und attraktive Energie-Tankstellen in Zentrumsnähe zu sorgen.

Etterlin: Alle öffentlichen Gebäude müssen energetisch verbessert und fossilfrei geheizt werden. Das ist eine stark vernachlässigte Aufgabe der Stadt. Die Technischen Betriebe werden Anreize schaffen, damit erneuerbare Energien gefördert werden und Hauseigentümer in diese Technologien investieren. Bezüglich E-Mobilität werden kleine und emissionsfreie Fahrzeuge privilegierte Parkplätze finden. Die sollen belohnt werden, dass sie das Klima schonen und die Anwohner vor Lärm und Abgasen verschonen.

Looser: Das Erhalten einer lebenswerten und artenreichen Umwelt und auch unseres Wohlstandes für unsere Nachkommen ist nur durch grösstmögliche Effizienz im Energieverbrauch zu erreichen. Rorschach hat noch viel Potenzial bei der energetischen Sanierung von Altbauten. Bereits von alleine steigen immer mehr Menschen auf E-Velos und E-Mobile um, Rorschach kann mit geeigneten sicheren Verkehrswegen und Parkiermöglichkeiten dazu beitragen, dies noch attraktiver zu machen, und als Stadt eine Vorreiterrolle übernehmen.