Was Sie über die Gossauer Pflegeheim-Vorlage wissen müssen

In einem Monat stimmt Gossau über die Pflegeheimmillionen ab. Zehn Fragen und Antworten.

Johannes Wey
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Beim Ansichtsmodul der Befürworter ist mittlerweile die korrekte Fenstergrösse angezeichnet.

Beim Ansichtsmodul der Befürworter ist mittlerweile die korrekte Fenstergrösse angezeichnet.

Bild: Benjamin Manser

Der Abstimmungskampf hatte schon begonnen, noch bevor klar war, ob das Geschäft an die Urne kommt. Wir erklären die Vorlage, von ihrem Auslöser bis hin zur Fenstergrösse im Modul.

Worum geht es?

Die Sana Fürstenland AG will auf dem Areal des Andreaszentrums ihre beiden Pflegeheime Schwalbe und Espel in einem Neubau zusammenlegen. Weil ein Baustart wegen eines Rekurses noch immer nicht absehbar ist, kommt sie unter Zugzwang. Um weitere Investitionen ins marode Altersheim Espel zu umgehen, soll das Betagtenzentrum Schwalbe bis im Spätherbst dieses Jahres mittels Modulen um 37 Einzelzimmer und vier Büroräume erweitert werden. Das Espel würde geschlossen.

Weshalb kommt es zur Abstimmung?

Das Stadtparlament hat im November einen Beitrag von drei Millionen Franken mit nur einer Gegenstimme genehmigt – jener von Sandro Contratto (FDP), der auch Mitglied der IG für ein optimiertes Pflegeheim (Igop) ist. Die Igop hat das Referendum ergriffen. Inzwischen wurde das Komitee «Nein zum Container-Dorf Schwalbe» gegründet.

Was sind die Argumente der Gegner?

Sie sehen die Investition in ein Provisorium als «Vier-Millionen-Flop». Stattdessen sollen die Espel-Bewohner in einer Übergangsfrist in privaten Gossauer Heimen untergebracht werden. Das Espel könnte saniert weiter genutzt werden, beispielsweise als Demenzstation.

Wer wirbt für ein Ja?

Der Stadtrat als Urheber unterstützt die Vorlage. Alle Gossauer Parlamentsparteien haben nach dem deutlichen Parlamentsentscheid die Ja-Parole gefasst. Auch das Komitee «Pro-Visorium» setzt sich für ein Ja ein.

Lässt sich der Vorschlag der Igop umsetzen?

Die privaten Altersheimbetreiber könnten nach eigenen Angaben die zusätzlichen Pflegeplätze anbieten, bräuchten aber Vorlaufzeit. Und die Plätze, welche derzeit für das Espel in der kantonalen Pflegeheimliste eingetragen sind, müssten vorübergehend auf die Privaten verteilt werden. Das liesse sich vertraglich lösen, heisst es vom Kanton. Allerdings würde gemäss Sana Fürstenland und Stadt der vorübergehende Wegfall so vieler Bewohnerinnen und Bewohner sowie die damit verbundene Personalreduktion das Unternehmen in den Ruin treiben. Der Verwaltungsrat der Sana Fürstenland AG schliesst deshalb eine Lösung mit privaten Pflegeheimbetreibern aus – selbst für den Fall, dass am 8. März ein Nein resultiert.

Was macht die Sana Fürstenland bei einem Nein?

Für den Verwaltungsrat ist die Übergangslösung der einzige Weg. Bei einem Nein dürfte es aber schwierig werden, «für eine öffentliche Aufgabe auf Betteltour zu gehen», glaubt Präsidentin Kathrin Hilber.

Wie lange würden die Bewohnerinnen und Bewohner im Provisorium leben?

Selbst im günstigsten Fall – einem Rückzug des Rekurses gegen den Neubau – würden die Wohnmodule fünf Jahre benötigt. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in einem Pflegeheim – also die Zeit vom Heimeintritt bis zum Tod – betrug gemäss Zahlen des Bundes im Jahr 2018 durchschnittlich 2,4 Jahre. In den Heimen der Sana Fürstenland sind es 2,5 Jahre.

Würden nur Espel-Bewohnerinnen und -Bewohner in die Module einziehen?

Laut Sana-Fürstenland-Präsidentin Kathrin Hilber könnten sich auch die bisherigen Schwalbe-Bewohnerinnen und -Bewohner auf ein Zimmer im Provisorium bewerben. Genauso könnten Espel-Bewohner ein herkömmliches Zimmer in der Schwalbe wählen. Während die Zimmer im Provisorium alle über eine Nasszelle verfügen werden, trifft dies nur auf die wenigsten in der Schwalbe zu.

Wie gross sind die Fenster der Wohnmodule?

Die Gegner der Vorlage werfen den Befürwortern Augenwischerei vor. Das Wohnmodul, das zu Anschauungszwecken vor dem Andreaszentrum aufgestellt worden ist, hat nämlich zwei grosse Fenster an der Längsseite. Allerdings würden im Provisorium die Fenster an der nach Norden ausgerichteten Stirnseite liegen. Mittlerweile ist auf dem Anschauungsmodul die korrekte Lage des Fensters eingezeichnet – über zwei Meter breit und fast raumhoch.

Wie verteilen sich die Kosten?

Die gesamte Übergangslösung soll vier Millionen Franken kosten, wovon die Stadt drei Millionen beisteuern soll. Eine Million bringt die Sana Fürstenland selber auf. Auf den Anbau selber entfallen rund drei Millionen Franken. Hinzu kommen rund 650000 Franken für Anpassungen an der Schwalbe. Mehrmals haben die Befürworter betont, dass die Module weiterverkauft werden können. In der Ausschreibung wurde eine Rückkaufofferte verlangt. Die Module wären nach sieben Jahren abgeschrieben. Die Herstellerin, die Kifa AG aus Aadorf, würde sie dann gemäss Kathrin Hilber für einen mittleren sechsstelligen Betrag zurückkaufen. Werden sie weniger lange gebraucht, ist der Rückkaufwert höher.