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Moschee, Bierlager, Büros: Was aus den Kegelbahnen in der Region St.Gallen wurde – und wo die Kugel weiter rollt

Früher ein Volkssport, heute eine Randsportart: Kegeln. Immer mehr Spielorte verschwinden. Wo in der Region St.Gallen früher gespielt wurde, wird heute gearbeitet, gebetet – oder Bier gelagert.
Sandro Büchler
In der Krone in Wittenbach ist die Kegelbahn auch nach einem Pächterwechsel weiter in Betrieb. (Bild: Urs Bucher)

In der Krone in Wittenbach ist die Kegelbahn auch nach einem Pächterwechsel weiter in Betrieb. (Bild: Urs Bucher)

«Wo früher die Kegelbahn war, sind jetzt unsere Büros», sagt Udo Möderndorfer. Er führt eine Gartenbaufirma mit fünf Mitarbeitern und zwei Lernenden. Im vergangenen Jahr hat Möderndorfer den «Schützen» in Engelburg gekauft.

Die Wirte hatten den Betrieb des Restaurants am Dorfeingang zuvor aufgeben müssen. In Möderndorfer fanden sie einen Käufer für die Liegenschaft. «Wir wollen die Erinnerung an die Kegelbahn aber bewahren», sagt Möderndorfer. Kegel, Schreibtafeln und Kugeln hätten sie aufgehoben.

Getränkelager, Gebetsraum und Lichterlöschen

Auch andernorts gibt es neue Nutzungen für die Kegelbahnen. Das Spanische Klubhaus in St.Gallen verfügte vor der kürzlich abgeschlossenen Innenrenovation über zwei Kegelbahnen. «Vorerst ist aber keine Reaktivierung geplant», sagt Vereinspräsident Alberto Gomez. Auf der einen Kegelbahn im «Hogar Español» ist nun ein Teil der neu installierten Haustechnik untergebracht. «Die zweite Bahn nutzen wir als Getränkelager.»

Für unsere App-Nutzer: Klicken Sie auf «Bildvergleich anzeigen», um zu sehen, wie es in einer Kegelbahn in Engelburg früher aussah – und wie heute.

Die Kegelbahn - früher und heute

Im «Schützen» Engelburg

Wo früher die Kugeln im Restaurant Burghof rollten, ist heute samtener Teppich ausgelegt. Seit sechs Jahren hat der Verein Paradies Moschee seine Gebetsräume in der ehemaligen St.Galler Kegelbahn. Einzig der rote Schriftzug «Kegelbahn» an der Aussenwand erinnert an früher.

Ein tristes Dasein fristet die Kegelbahn im Restaurant Stadthof in Rorschach. Dort hiess es Lichterlöschen. «Sie ist zwar noch vorhanden, vermietet wird die Bahn aber nicht mehr», sagt Marcel Wälle vom Amt für Bau- und Stadtentwicklung.

Für unsere App-Nutzer: Klicken Sie auf «Karte anzeigen», um zu sehen, wo sich in und um St.Gallen Kegelbahnen befinden.

Kegelbahnen in und um St.Gallen

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«Kegelbahnen sind auf dem sterbenden Ast», sagt auch Heinz Jakob, Präsident des Sportkegler-Verbands St.Gallen. Der Unterhalt sei teuer. «Um eine Kegelbahn auf Vordermann zu bringen, sind schnell ein paar 10000 Franken nötig.» Wenn der Besitzer eines Lokals wechsle, bedeute das oftmals das Ende für die Kegelbahn, sagt Jakob.

Servet Serin und Maria Russo, die neuen Pächter in der «Krone» Wittenbach, wollten die Kegelbahn erhalten. «Denn sie ist beliebt. Die Nachfrage ist weiter vorhanden», sagten sie bei der Eröffnung vor einem Monat.

«Es kommen keine jungen Spieler nach»

Die Wittenbacher «Krone» ist einer von fünf Orten in der Region, wo noch gekegelt wird. Auch im Restaurant Sennhof in Waldkirch wird ausser an den Ruhetagen täglich trainiert. «Zudem finden hier Meisterschaften statt», sagt Wirt Ruedi Eilinger. Er profitiere womöglich gar von verschwundenen Kegelbahnen. «Unsere Bahn ist zu 90 Prozent ausgelastet.» Er verhehlt aber nicht, dass Sportkegeln rückläufig sei. «Es kommen keine jungen Spieler nach», sagt Eilinger. Seine Bahn sei top im Schuss. Stets habe er Geld in die Bahn gesteckt, habe die Beläge neu gemacht, neue Stühle und Elektronik angeschafft. «Die Kegelbahn sieht gut und edel aus.»

«Mit der Unterstützung der Stadt St.Gallen konnten wir die Kegelbahn im Restaurant Kreuz in Winkeln renovieren», sagt Stjepan Klopotan, Präsident des kroatischen Vereins, der die Bahn betreibt. Dafür habe der Verein rund 70000 Franken investiert.

Auf den zwei Bahnen trainieren laut Klopotan sechs Mannschaften – aus Appenzell oder der Stadt kämen sie angereist. «Am Freitag kegeln die Männer, am Donnerstag die Frauen», sagt der Vereinspräsident. «Wir wären aber froh, wenn mehr Leute kommen würden.»

Noch 68 Sportkegler zählt der Verband

Heinz Jakob, Präsident Sportkegler-Verband St.Gallen (Bild: PD)

Heinz Jakob, Präsident Sportkegler-Verband St.Gallen (Bild: PD)

Die Jungen würden lieber zum Bowling in den Säntispark gehen, weiss Heinz Jakob vom St. Galler Sportkegler-Verband. «Das tut uns natürlich weh.» Bowling biete mehr, sei attraktiver als Kegeln. «Bowling ist ein Duell Mann gegen Mann. Kegeln wird einzeln oder im Team betrieben», erklärt der Verbandspräsident. Kegeln sei für viele ein Spiel. «Für uns im Vordergrund steht der sportliche Wettkampf.» Kegeln sei etwas verstaubt, sagt Jakob.

«Wir haben das Image vom stumpenrauchenden Spieler. Aber so ist es nicht.»

Er glaubt ans Kegeln. Es sei aber illusorisch, den Nachwuchs für den Sport zu begeistern. «Unsere Zielgruppe ist vielmehr die der 40- bis 50-Jährigen, die nach ihrer Fussballkarriere weiter Teamsport betreiben wollen.»

Trotzdem, der Verband hat immer weniger Mitglieder. Im Kanton St.Gallen gibt es aktuell noch 68 Sportkegler – und diese werden älter. «Mit 62 Jahren bin ich immer noch unter dem Altersdurchschnitt», sagt Jakob.

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