Glosse

Warten auf die Vogelhochzeit in der Kaserne Neuchlen

Statt Mauersegler brüteten Stare und Kohlmeisen bei der Gossauer Kaserne Neuchlen. Sie können nächstes Jahr bei der Vogelhochzeit mithelfen.

Johannes Wey
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Bislang wurden in der Kaserne Neuchlen noch keine Mauersegler gesichtet.

Bislang wurden in der Kaserne Neuchlen noch keine Mauersegler gesichtet.

Eine so verspielte Medienmitteilung ist man sich von der Armee nicht gewohnt: Mit lauten «Srieh-Srieh-Rufen» künden die Mauersegler das Nahen des Sommers an. Und ebendiese Rufe ab Band sollten dafür sorgen, dass der Sommer zusammen mit den Mauerseglern in der Kaserne Neuchlen Halt macht. 27 Brutkästen wurden 2018 zu diesem Zweck angebracht und den Vögeln über Lautsprecher angepriesen.

Die Massnahme zeigte aber keine Wirkung. Und auch in diesem Jahr haben sich keine Mauersegler in der Kaserne Neuchlen niedergelassen. Die Tiere sind wählerisch und bevorzugen Nistkästen, die sie schon kennen. Dafür brüteten dort Stare und Kohlmeisen, wie bei Armasuisse zu erfahren ist. Im nächsten Jahr sollen die Lautsprecher erneut versuchen, Mauersegler anzulocken. Die Voraussetzungen wären ideal: Gerne weist Armasuisse auf das naturnahe Gelände und das reichhaltige Angebot an Insekten hin.

Wenn die Mauersegler kommen, dürfen die heutigen Mieter getrost bleiben. Schliesslich sollen die Mauersegler eine Vogelhochzeit feiern. Und dabei leisten Meisen und Stare wertvolle Dienste, wie jedes Kind weiss. Der Star muss schliesslich der Braut die Haare flechten. Und die Meise singt das «Kyrie eleison», heisst es im Kinderlied.

Auch der Kuckuck darf dabei sein, sofern er nur das bestellte Hochzeitskleid mitbringt. Ein Kuckucksei sollte er dem erwarteten Mauerseglerpaar hingegen nicht unterjubeln. Dann steht auch dem baldigen Besuch des Storchs nichts mehr im Weg.