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Warmes Wetter lässt die Bauern in der Region kühl

Die Bauern zwischen Waldkirch und Rorschach bereiten sich und ihr Land gerade auf den Frühling vor. Die Bedingungen sind aufgrund der Höhenlage ihrer Höfe unterschiedlich. Doch ein Problem haben alle – ein kleines.
Daniel Wirth
Othmar Hauser schneidet einen seiner rund 700 Hochstammobstbäume in Mörschwil zurück. (Bilder: Benjamin Manser)

Othmar Hauser schneidet einen seiner rund 700 Hochstammobstbäume in Mörschwil zurück. (Bilder: Benjamin Manser)

Josef Germann ist Landwirt in Goldach. Er hat den Hof seiner Eltern übernommen. Dieser liegt rund 460 Meter über Meer. Germann betreibt Obstbau, baut Spargeln an und züchtet Christbäume. Gegenwärtig ist er mit dem Winterschnitt an den Obstbäumen beschäftigt. In seinen Kulturen stehen niederstämmige Bäume. Die Temperaturen sind für den 21. Februar ungewöhnlich hoch. Angst, dass deswegen an seinen Apfelbäumen die Knospen treiben, habe er nicht, sagt Germann. Er bleibt cool, macht nicht auf Panik. Der Grund für die Coolness von Bauer Germann sind die kühlen Nächte am Bodensee. «Wir haben zum Teil noch Minustemperaturen», sagt er. Deswegen bestehe keine Gefahr, dass die Knospen treiben.

Die Spargeln machen Germann gegenwärtig keine Arbeit. Er ist froh, sind die Osterfeiertage in diesem Jahr spät; heute in zwei Monaten ist Ostersonntag. Auch bei den Spargeln ist Germann stark von den Temperaturen abhängig. Seinem Geschäft ist es förderlich, wenn die Spargeln vor Ostern gestochen und verkauft werden können.

Othmar Hauser, Landwirt in Mörschwil

Othmar Hauser, Landwirt in Mörschwil


Der Hof von Othmar Hauser in Mörschwil liegt auf rund 540 Metern über Meer. Der Landwirt betreibt Obstbau. «Ich habe rund 700 Hochstämmer», sagt Hauser nicht ohne Stolz. «Äpfel, auch alte Sorten, Birnen, Zwetschgen und Kirschen.» Auch in der St. Galler Vorortgemeinde Mörschwil liegen die Temperaturen über dem langjährigen Mittelwert. Kummer bereitet das Hauser nicht.

«Die Nächte sind kühl, deswegen schlagen die Knospen an den Bäumen nicht aus.»

Im Frühling vor zwei Jahren war die Wettersituation für die Bauern in der Region St. Gallen zum Teil prekär. Als die Bäume in der Blüte standen, gab es Frostnächte. Viele Bauern mussten in ihren Kulturen mit Strahlern und Feuern unter den Bäumen «heizen» – und auch das konnte Ernteausfälle nicht verhindern.

Othmar Hauser hatte Glück. Er konnte 2017 nicht eine Kirsche weniger ernten als in den Jahren zuvor. Die Temperaturen seien alleine in der Gemeinde Mörschwil lokal sehr unterschiedlich, sagt Hauser. Ein benachbarter Landwirt, dessen Kirschbäume nicht einmal einen Kilometer von Hausers Hof entfernt stehen, erlitt grosse Ausfälle.

Von einem Baum zum anderen: Dem Mörschwiler Landwirt geht die Arbeit nicht aus.

Von einem Baum zum anderen: Dem Mörschwiler Landwirt geht die Arbeit nicht aus.

Auf dem Hohfirst in Waldkirch müssen sie Gülle abführen

Roman und Eveline Oswald bauern auf dem Hohfirst in Waldkirch auf einer Höhe von rund 810 Metern über Meer. Dort liegt für die Jahreszeit verhältnismässig viel Schnee. An das Zurückschneiden der Obstbäume ist noch nicht einmal zu denken, wie Eveline Oswald auf Anfrage sagt. Ihr Mann ist gerade im Stall am Misten. Weil noch Schnee liegt auf dem Hohfirst, darf Roman Oswald keine Gülle ausbringen. Das ist ein Problem, denn die Jauchegrube ist gemäss seiner Frau randvoll. Diese Woche muss zum ersten Mal in diesem Winter Gülle abgepumpt und hinunter ins Dorf Waldkirch zum Hof des Schwagers gefahren werden. Dort kann Gülle ausgebraucht werden, genau so wie in Mörschwil oder Goldach; dort ist der «Bschötti»-Geruch derzeit einer der ersten unverkennbaren Frühlingsboten.

Richard Hollenstein, Leiter Obstbau im Landwirtschaftlichen Zentrum des Kantons St. Gallen in Flawil, bestätigt die Aussagen der Bauern: «Die hohen Temperaturen sind für die Landwirte kein Problem.» Die Nächte und der Boden seien noch sehr kühl, weil der Januar kalt und schneereich gewesen sei, sagt Hollenstein. Er hält das gegenwärtige Wetter als geradezu ideal für die Landwirte in der Region St. Gallen. Bei schönem Wetter kämen die Bauern mit dem Winterschnitt und dem Pflanzen neuer Bäume schnell voran, sagt der Obstbau-Fachmann.

Die Bauern rund um St. Gallen haben gemäss Hollenstein ein ganz anderes Problem als das Wetter: Wühlmäuse. Die Landwirte Germann, Hauser und Oswald können ein Lied davon singen. Der Grund liegt in der Trockenheit des vergangenen Sommers. Weil die Mäuse nicht mehr wühlen und sichtbare Haufen zusammenstossen konnten, wähnten sich viele Bauern in Sicherheit. «Sie müssen sich jetzt auf die Mäusejagd machen, damit die Populationen unter den Bäumen nicht grösser werden», sagt Hollenstein. Germann stellt Fallen und setzt Gas ein gegen Mäuse, Hauser setzt ausschliesslich auf Gas und sagt, dessen Einsatz sei für Raubvögel und Füchse, die die toten Mäuse fressen würden, unbedenklich. Roman Oswald kann noch nicht auf Mäusejagd. Im Schnee wäre die Jagd mit Gas oder mit Fallen ineffizient.

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