Wann öffnen die St.Galler Clubs wieder? Nacht Gallen stellt sich gegen Lockerungen

In Bundesbern wird diskutiert, Clubs und Konzertlokale bald zu öffnen. In St. Gallen kommt das nicht gut an.

Marlen Hämmerli
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Feiern im Elephant Club: Derzeit bleibt einzig die Vorfreude auf den Ausgang.

Feiern im Elephant Club: Derzeit bleibt einzig die Vorfreude auf den Ausgang.

Bild: Michel Canonica

Nächsten Montag öffnen Restaurants, Bars und Pubs unter Auflagen wieder, aber was ist mit Clubs oder Konzertlokalen? Die Wirtschaftskommissionen von National- und Ständerat fordern in zwei gleichlautenden Motionen, auch hier die Anti-Corona-Massnahmen zu lockern.

Dem steht Nacht Gallen, die Interessengemeinschaft der St.Galler Veranstalter, Gastronomie- und Kulturbetriebe, kritisch gegenüber. Gemeinsam mit der Schweizer, der Berner und der Zürcher Bar- und Club-Kommission hat sie eine Medienmitteilung verschickt.

«Wir freuen uns, wenn wir wieder aufmachen dürfen», sagt Lukas Hofstetter von Nacht Gallen. «Aber wenn die Auflagen zu gross sind und ein Club zum Beispiel nur noch zehn Prozent der Gäste reinlassen darf, ist das weniger rentabel, als wenn er geschlossen bleiben müsste. Deshalb ist die Freude begrenzt.» Ein Club, in dem alle sitzen und zwei Meter Abstand halten: «Unmöglich», sagt Hofstetter.

Lukas Hofstetter organisiert unter anderem das Kulturfestival im Innenhof des Historischen und Völkerkundenmuseum.

Lukas Hofstetter organisiert unter anderem das Kulturfestival im Innenhof des Historischen und Völkerkundenmuseum.

Bild: Adriana Ortiz Cardozo

Entscheid zu kleinen Anlässen gefordert

Gleichwohl fordern die Interessensvertreter des Nachtlebens einen Entscheid, und zwar zu Anlässen mit weniger als 1000 Besuchern. Am 27. Mai will der Bundesrat weitere Schritte kommunizieren, doch das ist für viele Veranstalter zu spät.

«Wir verstehen, dass der Bund die Entwicklung der Fallzahlen beobachten will. Aber ohne Entscheid können wir auch nichts absagen», sagt Hofstetter, der unter anderem das Kulturfestival organisiert. Für die grossen Open Airs sei die Situation geklärt, nicht aber für die grosse Masse an kleineren Anlässen.

Ob das Kulturfestival dieses Jahr stattfindet, ist derzeit noch unklar.St.Gallen im Innenhof Historisches und Völkerkundemuseum: Band Bukahara © Urs Bucher/TAGBLATT

Ob das Kulturfestival dieses Jahr stattfindet, ist derzeit noch unklar.St.Gallen im Innenhof Historisches und Völkerkundemuseum: Band Bukahara © Urs Bucher/TAGBLATT

Bild: Urs Bucher

Nachtgallen fordert in der Mitteilung zudem, dass der Dachverband der Musikclubs und Festivals sowie die Schweizer Bar und Club Kommission in die Ausarbeitung eines «realistischen Schutzkonzepts» eingebunden werden.

Ausserdem soll die Covid19-Verordnung im Bereich der Kultur ausgebaut und verlängert werden. Die aktuelle Verordnung läuft bis Ende Mai und sieht unter anderem eine Ausfallentschädigung für abgesagte Anlässe vor. Diese solle von zwei auf mindestens sechs Monate verlängert werden, heisst es in der Mitteilung.

Für Clubs gibt es keine Ausfallentschädigungen

Von der Ausfallentschädigung profitieren Diskotheken, Dancings und Nightclubs nicht. Einzig der Kanton Zürich unterstützt diese Betriebe, da der Bund die Zürcher Technokultur 2018 auf die «Liste der lebendigen Traditionen der Schweiz» gesetzt hat. In allen anderen Regionen gehen Clubs leer aus.

In der Medienmitteilungen wird deshalb Nothilfe für Musik-Bars, Clubs und Konzerthallen gefordert, die keinen Anspruch auf Darlehen haben oder diese bereits ausgeschöpft haben.

Rund 100'000 Angestellte warten auf einen Entscheid

«Die Not ist sehr gross», sagt Hofstetter. Seit dem 13. März wurden in der Schweiz 6000 Anlässe abgesagt. Die Umsatzverluste belaufen sich gemäss Mitteilung auf über 30 Millionen Franken. Rund 100'000 Angestellte wissen nicht, wie und wann sie wieder arbeiten können.

«Dabei ist Kultur nicht ein Luxusgut, sondern der Kitt unserer Gesellschaft.»


Viele Fragen seien noch offen, etwa jene zu den Mieten. Der Nationalrat hat gestern eine Motion seiner Wirtschaftskommission angenommen. Diese fordert, dass Betriebe, die aufgrund der Corona-Massnahmen schliessen mussten, noch 30 Prozent der Miete bezahlen. Ein Grossteil der Nachtkulturunternehmen hat laut Hofstetter noch nichts von den Vermietern gehört oder muss weiterhin Miete zahlen. «Gerade für die Kleinen ist das schwierig.»

Die Motion der nationalrätlichen Wirtschaftskommission wird nun im Ständerat behandelt. Ob dieser sie annimmt, ist fraglich. Die kleine Kammer hatte sich für eine andere Lösung ausgesprochen. Diese sah einen zweimonatigen Mieterlass vor und schloss einzig Mietzinsen bis maximal 5000 Franken ein.

Der Nationalrat hat den Vorschlag des Ständerats gestern stillschweigend abgelehnt, womit er vom Tisch ist. Den Vorschlag hat der Nationalrat gestern aber stillschweigend abgelehnt, womit er vom Tisch ist.

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