Wandertipp
Wo St.Gallen wie eine Miniaturstadt erscheint

Die knapp zweistündige Wanderung bietet nicht nur eine neue Sichtweise auf die Kantonshauptstadt. Sie zeigt auch auf, wie im Wald Flora und Fauna in Einklang stehen. Und am Wegrand wartet eine Überraschung.

Sandro Büchler
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Raus aus der Zivilisation, rein in den grünen Ring rund um St.Gallen.
24 Bilder
Wanderwegschild an einem Baumstrunk.
Der erste Anstieg ist geschafft: Hier geht es geradeaus.
Was da wohl drin sein mag?
Blick zurück: Über dem Sitterviadukt ist der Gübsensee, dahinter die Ausläufer von Herisau.
Pflanzen und Blumen schiessen nach dem Schnee aus dem Boden.
Der Pfad zweigt vom Waldweg ab und führt direkt zur Solitüde.
Im Frühling sind die Bäume noch kahl und geben so bereits den Blick frei Richtung St.Gallen.
Über Wurzeln und Nagelfluh-Partien geht es zum höchsten Punkt der Wanderung.
Der Solitüde. Hier warten Bänkli, Feuerstelle und eine metallene Panoramakarte, um die Berggipfel im Süden zu bestimmen.
Doch an diesem Tag ist der Ostschweizer Hausberg, der Säntis, in Wolken gehüllt.
Der Blick fällt deshalb auf die andere Seite. St.Gallen wirkt wie eine Miniaturstadt.
Hier schön erkennbar, wie die Aussenquartiere die Hügel hinauf wachsen.
St.Gallens Güterbahnhof im Vordergrund, das markante graue Fachhochschulgebäude, der Hauptbahnhof, Postturm mit der Uhr und das schwarze Rathaus dahinter.
Der Bodensee liegt zum Greifen nah.
Die Stadt St.Gallen ist langgezogen und eingebettet zwischen Rosenberg und Bernegghügel.
Vom Riethüsli geht es hinauf zum Berneggwald.
Ein Milan stiebt auf und kreist am Himmel.
Bänkli mit Aussicht.
Entweder dem Waldrand entlang oder den Waldweg auf der Krete einschlagen.
Das Restaurant und Hotel Falkenburg rechts im Bild. Links davon das Kloster, dahinter das Kantonsspital mit mehreren roten Kränen.
Eine ungewohnte Sicht zu den Drei Weieren.
Statt die Falkenburgstrasse hinunter beim Fluhweg abzweigen.
Dann gelangt man zu diesem versteckten Aussichtspunkt. Auf dem Hügelzug war die Aussicht aber besser. Spannend ist hier aber der Blick in die Mülenenschlucht.

Raus aus der Zivilisation, rein in den grünen Ring rund um St.Gallen.

Bild: Sandro Büchler

St.Gallen Haggen – Menzlen – Solitüde – Riethüsli – Bernegg – St.Gallen Hauptbahnhof

Start: St.Gallen Haggen Bahnhof
Ziel: St.Gallen Hauptbahnhof
Strecke: 5,6 Kilometer
Wanderzeit: 1 Stunde 50 Minuten
Aufstieg: 305 m
Abstieg: 310 m
Ausrüstung: Gutes Schuhwerk erforderlich, die Wanderung ist nicht für Kinderwagen geeignet.
Gaststätten: Hotel und Restaurant Falkenburg. Aktuell Take-away-Angebot. www.falkenburgsg.ch
Parkplätze: Beim Bahnhof Haggen
Öffentlicher Verkehr: Bahnhof Haggen oder Bushaltestelle Haselstrasse
Kartenmaterial: Landeskarte 1:25'000, Blatt 1075 Rorschach, 1095 Gais (sab)

St.Gallen Haggen. Vom Bahnhof Haggen geht es schnurstracks in die Höhe zum Menzlenwald. Schnell hat man das Siedlungsgebiet hinter sich gelassen, der Weg führt an Bauernhöfen vorbei. Nach einer Wegkreuzung, an der man geradeaus geht, steht am Wegrand eine erste Überraschung. Es ist ein Schränkchen, eine Mischung aus Vogelhäuschen und Briefkasten. Darauf steht: «Wirf einen Blick hinein, Du wirst überrascht sein.» Was sich darin befindet, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten.

Menzlen. Auf dem Weg Richtung Waldrand – am stürmischen Himmel kreisen Milane – fällt der Blick Richtung Gübsensee und Sitterviadukt zurück. Die Sicht ist ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig. So sieht man den Westen von St.Gallen nur selten. Oben im Wald wartet ein Erlebnispfad. Er bringt die Flora und Fauna näher und zeigt auf, wie Pflanzen und Tiere in Einklang leben: Etwa, weshalb Rehe Feinschmecker sind, welche fast schon innige Beziehung die Eiche und Eichelhäher zueinander pflegen, oder wie aus einer Nuss eine 140 Jahre alte Buche wird. Wer will, kann alle zehn Stationen machen – oder auch nur einen Teil davon.

Solitüde. Durch die aus dem Winterschlaf erwachende Pflanzenwelt geht es bis zum höchsten Punkt der gemütlichen Wanderung: der Solitüde. Während sich der Säntis hinter Wolken versteckt, erstrahlt St.Gallen auf der anderen Seite im frühlingshaften Sonnenlicht. Nur wenige Geräusche aus der Stadt dringen nach oben. Gerade genug, um das Grundrauschen der Stadt mitzubekommen. Aus dieser Perspektive wirkt die Gallusstadt wie eine Miniaturstadt, als hätte man sie rund um eine Modelleisenbahn gebaut. Da wuseln lautlos orange Männchen auf der Baustelle beim Güterbahnhof umher, die Züge gondeln langsam in die Stadt hinein oder hinaus. Hier liegt einem St.Gallen zu Füssen. Ein schöner Platz für eine Rast. Auch eine gut ausgebaute Grillstelle ist vorhanden.

Riethüsli. Auf dem Grat geht es nun hinab. Durch das Wiesenbord hindurch sind immer wieder felsige Nagelfluh-Partien zu erkennen. Unten im Stadtteil Riethüsli überquert man die Hauptstrasse und steigt sodann erneut empor – zum Berneggwald.

Bernegg. Hier hat man nun die Wahl: Entweder den Waldrand entlang laufen, mit stetem Blick Richtung Postturm, Kloster und Silberturm. Oder aber, man entscheidet sich für den Waldweg auf der Krete. Obwohl sich das Waldstück nur schmal entlang des Bernegghügels entlang zieht, fühlt man sich doch fernab der Zivilisation. Es ist das Refugium zahlreicher Vögel. Im Frühling übertönt deren Gesang die Geräusche der Stadt bei weitem. Auch hier gibt es Feuerstellen.

St.Gallen Hauptbahnhof. Der Abstieg geht am Restaurant Falkenburg vorbei. Doch statt durch die Mülenenschlucht Richtung Stadtzentrum und Bahnhof zu gehen, kann man abzweigen und den Flugweg nehmen. Die Treppe führt im Zickzack hinab. Zwischendrin ist ein Aussichtspunkt, der den Blick frei gibt zur rauschenden Steinach. Flugs ist man wieder im Tal.