Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Waldkircher Fotovoltaikbesitzer wehren sich und wollen mehr Geld für ihren Solarstrom

Seit diesem Jahr erhalten Fotovoltaikanlagenbesitzer in Waldkirch für ihren überschüssigen Solarstrom weniger Geld. Eine Arbeitsgruppe reicht heute eine Petition ein, in der sie mehr Geld und mehr Sicherheit fordert.
Perrine Woodtli
Am meisten Solarstrom pro Kopf produziert in der Region die Gemeinde Waldkirch. (Archivbild: Urs Jaudas)

Am meisten Solarstrom pro Kopf produziert in der Region die Gemeinde Waldkirch. (Archivbild: Urs Jaudas)

In Waldkirch wandeln über 130 Fotovoltaikanlagen Sonnenstrahlen in Strom um. In der 3500-Seelen-Gemeinde wurden 2018 rund 1,5 Millionen Kilowattstunden ins Netz gespiesen. Wer Strom von seiner Solaranlage an die Technischen Betriebe der Gemeinde liefert, erhält eine Vergütung.

Bis Ende 2018 erhielten die Besitzer von Fotovoltaikanlagen 13 Rappen pro Kilowattstunde. Seit Januar gibt es noch neun Rappen. Der Gemeinderat hat die Einspeisevergütung gekürzt, nachdem die «lukrativen Vergütungsansätze» den Technischen Betrieben Defizite eingebracht hatten.

Für den Entscheid des Gemeinderats haben nicht alle Verständnis. In der Gemeinde hat sich die «Arbeitsgruppe erneuerbare Energie» gebildet, die sich für höhere Rücklieferungstarife einsetzt. Die Gruppe besteht aus Christian Spirig, Christian Frei, Andras Besse, Marcel Schmutz, Markus Wäger und Sepp Krapf. Viele seien der Meinung, dass man nichts gegen die Tarifsenkung machen könne, sagt Christian Frei, Fotovoltaikanlagenbesitzer und Co-Präsident der CVP Waldkirch-Bernhardzell. «Wir aber wollen uns wehren.»

Fotovoltaikbesitzer sind enttäuscht

Die Entschädigung für Solarstrom ist in Waldkirch innert weniger Jahre regelmässig gesenkt worden. Das sei unfair gegenüber den Anlagebetreibern, findet die Arbeitsgruppe. Vor einigen Jahren sei in der Gemeinde die Investition in Fotovoltaikanlagen angekurbelt worden. Auslöser sei unter anderem ein attraktiver Rücklieferungstarif für den überschüssigen Strom gewesen.

Seit 2011 wurde der Tarif von 20 auf 9 Rappen reduziert. Einige der Investoren seien enttäuscht und würden ihre Bereitschaft, einen Beitrag zur Umsetzung der Energiestrategie geleistet zu haben, bereuen, heisst es in der Petition.

Die Arbeitsgruppe glaubt nicht, dass die Gemeinde alle Ziele des Energiekonzepts erreichen werde. Das Konzept sieht vor, regionale, erneuerbare Elektrizität zu fördern. Ein weiteres Ziel ist die Ausschöpfung von 74 Prozent des Solarstrompotenzials. «Die Tarifsenkung widerspricht dem Energiekonzept. Ohne eine Förderung der Fotovoltaikbesitzer kann man die Ziele nicht erreichen», sagt Frei.

Entschädigungen waren zu hoch

Mit einer Preisgarantie könnten viele Anlagen realisiert werden. Geeignete Dächer seien vorhanden, doch die Investoren bräuchten eine minimale Planungssicherheit. Die Arbeitsgruppe fordert deshalb für alle Solaranlagenbesitzer eine Vergütung von mindestens zwölf Rappen pro Kilowattstunde.

Dieser Tarif soll für zehn Jahre garantiert sein. Weiter verlangt sie, dass der Gemeinderat sich bemüht, die Massnahmen im Energiekonzept umzusetzen. «Wir wollen mit der Petition ein Zeichen setzen und zeigen, dass es Leute gibt, die sich mit dem Thema befassen.»

Dass die Anlagenbesitzer keine Freude an der Reduktion der Rückliefertarife haben, könne der Gemeinderat teilweise nachvollziehen, sagt Gemeindepräsident Aurelio Zaccari. «Allerdings muss man erwähnen, dass Waldkirch in den letzten Jahren eine massive Entwicklung in Sachen Fotovoltaik erlebt hat», sagt er. «Dies wurde durch attraktive Tarife auch gefördert.»

Massive Defizite

Der Strom, der an die Technischen Betriebe geliefert wird, sei bisher verhältnismässig hoch vergütet worden. «Dies hat massive Mehrkosten und Defizite verursacht, da wir den Strom, bei anderen Lieferanten, ebenfalls zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energiequellen, günstiger einkaufen könnten.»

Hinzu komme, dass die Anzahl der Fotovoltaikanlagen und damit auch die Menge an Strom stark zugenommen habe, was zu höheren Mehrkosten im Energieeinkauf geführt habe.

Deshalb seien die Tarife immer wieder «moderat» gesenkt worden. Mit neun Rappen liege der Tarif rund 4,5 Rappen über dem gesetzlichen Mindestsatz. Dazu, ob die anfänglichen 20 Rappen zu lukrativ waren, sagt Zaccari: «20 Rappen waren sicher ein guter Preis.»

Rund 400 Bürger haben die Petition unterschrieben

Zaccari betont, dass Solaranlagen auch mit der KEV-Einspeisevergütung und der Einmalvergütung des Bundes bereits gefördert würden. «Über einen Fördertopf der Gemeinde fliessen zudem jährlich 100000 Franken in energetische Massnahmen wie Gebäude- und Heizungssanierungen oder Elektrofahrzeugbeschaffungen und Elektrospeicher.»

Der Forderung einer Preisgarantie werde man in Waldkirch wohl eher nicht nachkommen können. Damit sich die Technischen Betriebe in einem geöffneten Strommarkt behaupten könnten, seien langfristige Preisgarantien kaum umsetzbar. «Wir werden die Eingaben aber prüfen und mit den Petitionären ins Gespräch gehen.»

Die Arbeitsgruppe überreicht die Petition heute dem Gemeinderat. Gut 400 Bürger haben diese gemäss Christian Frei unterschrieben. «Dass es so viele sind, hat uns überrascht», sagt er. Dies zeige, dass es sich um ein Thema handle, das beschäftige.

Gegenwind statt Windenergie

Nicht nur mit Fotovoltaikanlagen, sondern auch mit Wind soll in Waldkirch erneuerbare Energie gewonnen werden. Seit 2011 engagiert sich Christian Spirig vom Wärmeverbund Waldkirch mit seinem Geschäftspartner Romeo Böni für eine Windenergieanlage auf dem Tannenberg.

Geplant ist ein 120 Meter hohes Windrad. Flügel mit einer Spannweite von 100 Metern sollen den Wind einfangen. Dessen Kraft soll Strom für rund 1000 Haushalte liefern. Per Laser wurden in einem ersten Schritt die Winddaten auf dem Tannenberg gemessen. Das Fazit: Die Daten sind positiv, es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

2015 teilte Spirig mit, dass als zweiter Schritt die erhobenen Daten mit einer Windmessanlage während anderthalb Jahren bestätigt werden sollen. Geschehen ist das bis heute nicht. Gegen die 80 Meter hohe Messanlage ging eine Einsprache von Anwohnern ein. Schon von Beginn an gab es Widerstand gegen das Windrad. Man befinde sich nach wie vor im Rechtsstreit, bestätigt Spirig.

Das Projekt sei eine grosse Herausforderung. «Wir sind dran. Aber es ist ein langwieriger Weg.» Trotzdem sei er nach wie vor überzeugt vom Projekt, da die Windkraft eine ideale Ergänzung zu den anderen erneuerbaren Energiequellen darstelle. (woo)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.