Waldkirch-Bernhardzell
30 Jahre auf sicheren Veloweg gewartet: Weil der Kanton nicht zahlen wollte, flickten Dorfbewohner die Strasse

Seit 30 Jahren wünscht sich die Gemeinde Waldkirch-Bernhardzell eine sichere Veloverbindung zwischen den beiden Dörfern. Weil der Kanton nicht zahlen wollte, organisierten Dorfbewohner die Sanierung der Strasse. Jetzt ist es endlich so weit: Die IG Bernhardzell eröffnet am 14. August ihren geflickten Panoramaweg.

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Der Panoramaweg führt von Bernhardzell auf der Dickenstrasse hinauf zum Loo über den Vögeliberg und Schuepis bis nach Waldkirch.

Der Panoramaweg führt von Bernhardzell auf der Dickenstrasse hinauf zum Loo über den Vögeliberg und Schuepis bis nach Waldkirch.

Bild: Rita Bolt

Den Verbindungsweg von Bernhardzell nach Waldkirch gab es schon länger – aber nicht in dieser Qualität. «Wir haben den Weg an einzelnen Stellen geebnet, Kies aufgeschüttet und Gräben ausgehoben, damit das Wasser abfliessen kann, wenn es regnet und der Weg nicht zu Pflutsch wird», sagt Werner Frei, Präsident der IG Bernhardzell. Sie hat das Strassenprojekt in den letzten Monaten verwirklicht. «Jetzt wird der Weg noch beschildert.» Frei zeigt eine bunte Tafel mit einem lachenden Jugendlichen auf dem Velo.

Der Weg führt von Bernhardzell auf der Dickenstrasse hinauf zum Loo über den Vögeliberg und Schuepis bis nach Waldkirch. An einigen Stellen sieht man direkt auf den Bodensee. «Deshalb auch der Name Panoramaweg», sagt Frei. Der Verbindungsweg mündet gegenüber dem Werkhof Waldkirch in die Bernhardzellerstrasse.

Der Weg führt durch zwei kleine Waldstücke. Die Fahrt mit dem Velo von Bernhardzell bis nach Waldkirch dauert etwa 15 Minuten, zu Fuss muss eine Stunde eingerechnet werden. Ob der Verbindungsweg zukünftig auch als Schulweg benutzt wird, weiss Frei nicht.

Über zehn Grundeigentümer involviert

Seit 30 Jahren wünscht sich die Gemeinde Waldkirch-Bernhardzell eine sichere Veloverbindung zwischen den beiden Dörfern. Da die Bernhardzellerstrasse eine Kantonsstrasse ist, liegt die Hoheit beim Kanton. Und dieser hat 1998 das Verkehrsaufkommen als zu klein eingestuft, um einen Velo- und Radweg zu bauen. Die Gemeinde habe zwar immer wieder beim Kanton insistiert, aber es habe sich nichts verändert. «Eine Möglichkeit wäre gewesen, dass die Gemeinde eine andere Variante verwirklicht», sagt Frei. Dies hätte aber Kosten von bis zu 200'000 Franken verursacht. «Das Verfahren mit Krediteinholung an der Bürgerversammlung hätte wieder Zeit gekostet.»

IG Bernhardzell springt in die Bresche

Also kümmerte sich die IG Bernhardzell um die Umsetzung dieses Verbindungswegs. Mit einfachen Verbesserungen hat sie eine sichere Verbindung geschaffen. «Wir wurden aber von der Gemeinde bei unserem Vorhaben unterstützt.» Gerechnet wird mit Kosten von etwa 10‘000 Franken. Wer bezahlt? «Wir haben schon verschiedene Zusagen.» Mehr zur Finanzierung möchte Frei nicht sagen. Abgerechnet werde, wenn alle Rechnungen vorliegen.

Mit der Planung wurde im November des vergangenen Jahres auf Wunsch von Dorfbewohnern begonnen. Am 14. August, ab 11.00 Uhr, findet im Loo in Bernhardzell bereits die Einweihung mit Vertretern der Gemeinde statt. Werner Frei ist stolz, dass die IG in so kurzer Zeit unbürokratisch eine sichere Verbindung schaffen konnte. Obwohl die Gespräche mit den Grundeigentümern nicht immer einfach gewesen seien. Einige Abschnitte seien auch Gemeindestrassen. Frei hat rund 200 Stunden am Projekt Verbindungs- und Panoramaweg ehrenamtlich gearbeitet.

Sicherheit steht im Vordergrund

Für eine Verbindung zwischen Bernhardzell und Waldkirch hätte es noch andere Möglichkeiten gegeben: beispielsweise über die Tierlihueb oder den Vögeliberg. «Im Vordergrund stand der Sicherheitsgedanke», sagt IG-Präsident Frei. Denn die Strassen aus diesen Weilern münden direkt in die Bernhardzellerstrasse. «Die Fahrgeschwindigkeiten wären zu hoch.» Er wolle gar nicht daran denken, was da alles geschehen könnte. Deshalb habe die IG die sichere Variante gewählt.

Nachttaxi wird rege genutzt

Die IG Bernhardzell ist als Verein organisiert und sieht sich als Sprachrohr der Einwohnerinnen und Einwohner. Im vergangenen Jahr hat sie das Pilotprojekt «subventioniertes Taxi» für die Gemeinde Waldkirch-Bernhardzell angestossen. Das heisst, nach Mitternacht beziehungsweise wenn kein Postauto mehr fährt, sind kostengünstige Heimfahren nach Bernhardzell oder Waldkirch gewährleistet. Ein Teil der Fahrkosten wird von der Gemeinde getragen. «Monatlich sind es etwa 35 Fahrten», sagt IG-Präsident Werner Frei. Das Taxi-Angebot werde von allen Altersgruppen genutzt. (rb)

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