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Der dreifache Sepp Kuster: Vater, Sohn und Enkel aus Goldach gehen zusammen auf die Jagd

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Vater, Sohn und Enkel heissen Sepp Kuster und jagen leidenschaftlich gerne. Über Emotionen, Überwindung und Tradition.
Jolanda Riedener
Trophäen soweit das Auge reicht: Das Jagen verbindet die drei Generationen aus Goldach. (Bild: Ralph Ribi)

Trophäen soweit das Auge reicht: Das Jagen verbindet die drei Generationen aus Goldach. (Bild: Ralph Ribi)

«Diesen Rotmilan habe ich auf der Jagd tot gefunden. Er war noch warm», sagt Sepp Kuster, dessen Vater und Sohn denselben Namen tragen. Der Vogel thront über dem gewölbten Keller, ein Cheminée hält ihn gemütlich und warm. In der Mitte des Raumes steht ein grosser Tisch. Dutzende Hörner und Geweihe hängen an den Kellerwänden. Die grössten Hirschgeweihe stammen von Jagden im Ausland. Ginge es nach seiner Frau, hätten Kusters bald genug Trophäen im Haus. Das Jagen ist die grosse Leidenschaft des Geschäftsführers der Goldacher Firma Elektro Kuster, die er mit seinem gleichnamigen Vater und seinem Sohn teilt.

Anders als man erst vermuten würde, ist sein Vater durch ihn zum Jagen gekommen. «Der Götti meines Sohnes jagte und ich bin einmal als Treiber mitgegangen», sagt er. Da habe es ihn gepackt. Das ist nun 30 Jahre her. Kuster (59), Junior (36) und Senior (81) jagen alle in unterschiedlichen Jagdrevieren im Kanton St.Gallen. Dass die drei zusammen auf die Jagd gehen, komme aber dennoch vor.

Puls steigt auch nach 30 Jahren

«Eine Freizeitbeschäftigung, die ich mit meinem Grossvater ausführen kann, wo gibt’s das sonst?», sagt der Jüngste. Er trägt einen goldenen Rehbock als Ohrstecker. Mit seinem Vater habe er als Bub bereits mit dürfen. Heute ist er Geschäftsführer von Elektro Kuster in St.Gallen. Er sei sozusagen ins Jagen hineingewachsen. Als er 18 Jahre alt war, ging er das erste Mal auf die Pirsch, kurze Zeit später machte er die Jagdprüfung. Sie dauert zwei Jahre und besteht aus einer Schiessprüfung sowie einem theoretischen Teil. Mittlerweile absolvieren sie in jedem Jahrgang auch ungefähr zehn Prozent Frauen.

Während der 59-jährige Sepp Kuster mit seinem zweiten Sohn in Alvier jagt, ist Kuster Junior im Weisstannental, im Revier Wannachopf tätig. Das bedeutet: Rucksack packen und zu Fuss gehen. «Ich bin gerne in den Bergen, deshalb gefällt es mir dort», sagt er.

Sepp Kuster Senior gehört dem Jagdrevier Waldkirch an. «Ich hatte schon immer einen Bezug zu den Tieren», sagt er. Der gelernte Käser ist auf einem Bauernhof im Toggenburg aufgewachsen. Die Plätze in einem Revier werden jeweils für acht Jahre neu vergeben. «Wer einen Platz will, braucht Beziehungen», sagt er. Tradition und Kameradschaft sind in diesem Metier wichtig. So genau erinnert sich Sepp Kuster nicht mehr an den ersten Treffer. Er sagt:

«Die Emotionen sind jedes Mal erneut da. Der Puls geht in die Höhe und man ist angespannt.»

Das erste Tier, das sein Sohn mit 18 Jahren erlegte, war ein Rehbock in Untereggen. «Man will natürlich alles richtig machen», erinnert sich der heute 36-Jährige. Wer ein Tier trifft, legt ihm einen Zweig zwischen die Zähne und erweist ihm so die letzte Ehre. «Dann komme ich zur Ruhe und gehe einen Moment in mich», sagt Kuster Junior. Schliesslich habe man gerade einem Tier das Leben genommen.

Wild ist gefragt

Es sei auch schon vorgekommen, dass sie auf der Jagd für ihre Tätigkeit kritisiert wurden, sagt Kuster Senior. «Das ist aber selten, die Allermeisten sind sehr interessiert und uns gegenüber wohlwollend gestimmt», ergänzt Kuster Junior.

Ausserdem sei Wildfleisch gefragter denn je. Grossverteiler bieten kein Schweizer Wild an, da sie nur grosse Mengen abnehmen. «Wir verkaufen das Fleisch an Restaurants oder essen es selbst», sagt Kuster Senior. Ein Cordon bleu, eine Lasagne mit Wildhackfleisch oder auch Fondue Chinoise kommt bei ihnen auf den Tisch. Kuster Junior sagt:

«Das Fleisch ist natürlich der Hauptgrund für unser Hobby.»

Schliesslich wisse man beim Wild, was man auf dem Teller habe – sicher keine Antibiotika, sagt der Grossvater. Doch dazu gehört auch, das tote Tier auszunehmen: Nach dem Erlegen wird dazu der Bauch aufgeschnitten und die Innereien werden entfernt. «Wer das zum ersten Mal sieht, hat sicher Mühe», sagt Sepp Kuster Junior. Vor allem der Geruch sei gewöhnungsbedürftig.

Für die nächste Jäger-Generation aus dem Hause Kuster ist gesorgt: Auch der sechsjährige Sohn heisst Sepp und sei schon ganz neugierig aufs Jagen.

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