Wahlkampf um die St.Galler Stadtregierung ist lanciert: Viele wollen Thomas Scheitlin beerben

Mit dem Verzicht von Stadtpräsident Thomas Scheitlin, sich im Herbst nochmals zur Wiederwahl zu stellen, ist der Wahlkampf lanciert. Ums Stadtpräsidium wie um den fünften Stadtratssitz dürfte ein heftiger Wahlkampf entbrennen. Dabei wollen sicher auch die anderen bürgerlichen Parteien Boden gut machen.

Reto Voneschen
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Der St.Galler Stadtrat in seiner heutigen Zusammensetzung. Die Chancen sind gut, dass eines der vier verbleibenden Mitglieder für den Ende Jahr zurücktretenden Thomas Scheitlin (Mitte) das Stadtpräsidium übernehmen kann. In Frage kommen von links nach rechts Peter Jans und Maria Pappa (beide SP), Sonja Lüthi (Grünliberale) und Markus Buschor (parteilos).

Der St.Galler Stadtrat in seiner heutigen Zusammensetzung. Die Chancen sind gut, dass eines der vier verbleibenden Mitglieder für den Ende Jahr zurücktretenden Thomas Scheitlin (Mitte) das Stadtpräsidium übernehmen kann. In Frage kommen von links nach rechts Peter Jans und Maria Pappa (beide SP), Sonja Lüthi (Grünliberale) und Markus Buschor (parteilos). 

Bild: Daniel Ammann/PD

Mit dem Rücktritt von Thomas Scheitlin ist klar, dass es im Herbst zu Kampfwahlen ums Stadtpräsidium wie auch um den fünften und letzten bürgerlichen Stadtratssitz kommen wird. Zu erwarten ist für den ersten Wahlgang vom 27. September ein grössere Zahl von Kandidierenden.

Dies einerseits, weil sicher die SP der FDP das Stadtpräsidium streitig machen will. Dies anderseits aber auch, weil sich neben der FDP sicher CVP, Grüne und SVP um den mit dem Rücktritt von Thomas Scheitlin frei werdenden Stadtratssitz bewerben werden.

Die St.Galler Stadtregierung

FDP hält den letzten bürgerlichen Sitz

Von den fünf Sitzen im St.Galler Stadtrat hält die SP heute zwei (Maria Pappa, Peter Jans) sowie die FDP (Thomas Scheitlin) und die GLP (Sonja Lüthi) je einen. Dazu kommt der parteilose Schuldirektor Markus Buschor. Stadtpräsident ist FDP-Mann Thomas Scheitlin. (vre)

Von den Parteien gibt’s im Moment allerdings noch keine Angaben zu möglichen Kandidierenden. Namen zirkulieren trotzdem bereits. Wie zuverlässig die Gerüchteküche ist, wird sich in den nächsten Tagen und Wochen zeigen, wenn sich die Parteien eine nach der anderen erklären wird.

Stadtpräsidium: Bisherige Stadtratsmitglieder als Favoriten

Erfahrene Beobachter der Stadtsanktgaller Politszene gehen davon aus, dass die Nachfolgerin oder der Nachfolger von Thomas Scheitlin eines der vier bisherigen Stadtratsmitglieder sein wird. Als grösste Stadtpartei mit der stärksten Fraktion im Parlament ist die SP fast gezwungen zur Ausmarchung ums Stadtpräsidium anzutreten. Ob sie allerdings Peter Jans oder Maria Pappa ins Rennen schickt, scheint offen.

Ursprünglich sprach vieles für den politisch erfahreneren Jans, neuerdings gibt’s Zeichen, die auf eine Frauenkandidatur, also Pappa, deuten könnten. Für eine Linkspartei, die sich die Gleichberechtigung auf die Fahne geschrieben hat, wäre es natürlich sehr reizvoll, die erste St.Galler Stadtpräsidentin stellen zu können.

Grundsätzliches Interesse am Amt bekundet haben früher auch schon Stadtrat Markus Buschor (parteilos) und Stadträtin Sonja Lüthi (GLP). Wie sie die Sache jetzt sehen, wenn’s konkret wird, ist offen. Da bleibt einem nichts Anderes übrig, als allfällige Stellungsbezüge abzuwarten.

Stadtratsmandat verteidigen: Chancen der FDP sind intakt

Die FDP wird sicher versuchen, das Stadtpräsidium wie ihren Stadtratssitz über die Runden zu retten. Beim Präsidium wird das für jemanden, der erstmals zur Exekutivwahl antritt, gegen Bisherige schwierig. Beim Stadtratssitz sind die Chancen der Partei aber intakt. Schwierig könnte die Suche nach Kandidierenden werden.

Aus dem Rennen ist Susanne Vincenz-Stauffacher, die im vergangenen Herbst neu in den Nationalrat gewählt wurde und erklärtermassen kein Doppelmandat anstrebt. Für eine Kandidatur abgesagt haben auch Kantonsrätin Isabel Schorer, der inzwischen zum St.Galler Staatssekretär gewählte Benedikt van Spyk und Ex-Tagblatt-Chefredaktor Philipp Landmark.

Mathias Gabathuler von der FDP.

Mathias Gabathuler von der FDP.

Bild: Ralph Ribi (20.10.2019)

Seit einiger Zeit als mögliche Kandidaten gehandelt werden noch Matthias Gabathuler (Rektor der Kantonsschule am Brühl) und Oskar Seger (Stadtparlamentarier und Bauingenieur). Nicht ganz ausgeschlossen ist wohl weiterhin auch eine Kandidatur von Felix Keller (FDP-Fraktionspräsident im Stadtparlament und Gewerbesekretär).

CVP will sicher zurück in die Stadtregierung

Die CVP hat ihren ersten Stadtratssitz 2016 verloren. Damals unterlag die bisherige Patrizia Adam SP-Newcomerin Maria Pappa. Ein Jahr später misslang dem Gaiserwalder Gemeindepräsidenten Boris Tschirky die Verteidigung des zweiten, durch den Tod von Nino Cozzio frei werdenden CVP-Sitzes gegen die Grünliberale Sonja Lüthi.

Patrik Angehrn von der CVP.

Patrik Angehrn von der CVP.

Bild: PD (6.2.2019)

Bei den Christdemokraten gibt's eine ganze Reihe von Persönlichkeiten, die in der Gerüchteküche als Papabili für den Stadtrat gehandelt werden. Da sind Patrik Angehrn (CVP/EVP-Fraktionspräsident im Stadtparlament), Stadtparlamentspräsident Beat Rütsche, der aus St.Gallen stammende Zuger Stadtschreiber Martin Würmli oder Bauunternehmer Christoph Bärlocher.

Auch zu hören ist der Name von Trudy Cozzio, der Witwe von Nino Cozzio. Sie ist allerdings mit Jahrgang 1958 nicht mehr die Jüngste für ein Stadtratsmandat ist.

Bringt die SVP erstmals eine Frau?

Karin Winter-Dubs von der SVP.

Karin Winter-Dubs von der SVP.

Bild: Michel Canonica (22.8.2019)

Im Dilemma dürfte die SVP bezüglich der Stadtratswahlen vom Herbst sein. Zum einen geht der Trend bei den Parlamentswahlen gegen die Partei. Zum andern hat sie erst Mitte April wieder einmal bei den Regierungswahlen erleben müssen, wie schwierig es ihre Kandidaten für Exekutivämter in der Kantonshauptstadt haben. Letztlich stolperte Michael Götte auch über sein schlechtes Resultat in der Stadt St.Gallen.

Sein Abschneiden deckt sich mit jenem der SVP-Kandidaten für den St.Galler Stadtrat: Keiner war seit dem Jahr 2000 erfolgreich. Ambitionen für die Kampfwahlen im Herbst werden bei der SVP trotzdem zwei Personen nachgesagt: Fraktionspräsidentin Karin Winter-Dubs und Stadtparlamentarier Donat Kuratli.

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