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Wahlkampf: Fünf Fragen an die Kandidaten fürs Rorschacher Stadtpräsidium

Die Kandidaten fürs Stadtpräsidium in Rorschach äussern sich zur Zukunft der Hafenstadt: Was soll sich aus finanzieller Sicht verbessern? Mit wem wollen sie zusammenarbeiten? Und wo liegt Rorschachs Potenzial?
Jolanda Riedener
Kandidaten fürs Rorschacher Stadtpräsidium (v.l.): Röbi Raths, Guido Etterlin, Beat Looser. (Bild: jor)

Kandidaten fürs Rorschacher Stadtpräsidium (v.l.): Röbi Raths, Guido Etterlin, Beat Looser. (Bild: jor)

Der Wahlkampf befindet sich in der heissen Phase: Wer wird Nachfolger von Rorschachs Stadtpräsident Thomas Müller (SVP)? Ins Rennen steigen der Thaler Gemeindepräsident Robert Raths (FDP) sowie Stadtrat und Schulpräsident Guido Etterlin (SP). Auf den letzten Drücker hat sich der Rorschacher Beat Looser (parteilos) zur Wahl gestellt. In ihren Worten beantworten sie Fragen zur Zukunft der Hafenstadt.

Was muss geschehen, damit die Stadt Rorschach finanziell langfristig besser dasteht?

Raths: Der Zuzug von steuerkräftigen Einwohner und Firmen. Investitionen sollen immer mit Blick auf die Verschuldung getätigt werden. Dabei Notwendiges vom Wünschbaren trennen. Und wenn nötig, ein Stopp bei Investitionen verhängen, jedoch ohne der Vernachlässigung von Unterhaltsarbeiten.

Etterlin: Durch die rege Bautätigkeit wird die Stadt mittelfristig auf circa 10'500 Einwohner wachsen. Die Einnahmen werden sich positiv entwickeln. Auf der Ausgabenseite werden die Investitionen entscheidend sein. Die städtische Finanzpolitik muss das Anwachsen des Schuldenbergs sorgfältig steuern. Dafür werde ich eine gesamtheitliche Finanz- und Investitionsplanung in die Wege leiten. Zudem brauchen wir einen neuen Finanzausgleich, der die wichtigen Leistungen der Städte endlich abgeltet.

Looser: Die asozialste Verwendung von Steuern ist der Schuldzins. Da wir eine Steuersenkung beschlossen haben, ist es notwendig, nicht dringliche oder unnötige, teure Projekte – wie die Unterführung Stadtbahnhof – nicht zu realisieren oder zu verschieben. Auf längere Sicht ist es nötig, auf kantonaler Ebene neue Ausgleichssysteme für Sozialfälle oder Sonderbeschulungen zu realisieren. Da vor allem bevölkerungsreiche Städte betroffen sind, müsste dies mit anderen Betroffenen demokratisch erreichbar sein.

Gut, richtig und transparent kommunizieren: Wie geht das aus Sicht der Stadt Rorschach?

Raths: Besser als bis anhin. Regelmässige, sicher monatliche Informationen aus dem Rathaus müssen erfolgen. Nicht nur nach aussen muss die Stadt kommunizieren, sondern auch systematisch hinhören.

Etterlin: Die Rorschacherinnen und Rorschacher sollen besser, früher und umfassender informiert werden. Leider ist der Newsletter aus dem Rathaus regelrecht eingeschlafen. Auf Social Media ist die Stadt gar nicht präsent. Wir haben deshalb die Chance, die Kommunikation der Zukunft neu aufzugleisen. Wir werden auch berücksichtigen, dass die flächendeckende Information über das «Tagblatt» leider nicht mehr funktioniert. Über die gezielte Partizipation bei wichtigen Projekten möchte ich das Interesse wecken.

Looser: Es ist klar, dass eine Stadt über Projekte und Veränderungen so früh wie möglich informiert: Via Internet, Zeitung und an Anlässen. So gibt sie der Bevölkerung die Möglichkeiten, sich in verschiedenen Formen einzubringen und an unserer gemeinsamen Zukunft mitzuarbeiten oder natürlich auch ihren Unmut zu äussern.

Wo liegt Rorschachs Potenzial ? Soll die Stadt einwohnermässig zulegen?

Raths: Potenzial hat Rorschach bei der privilegierten Lage am See, dem öffentlichen Verkehr, der Gesundheitsversorgung, den Einkaufsmöglichkeiten, dem grossen Vereinsangebot, Kultur und Events, auch beim attraktiven Gewerbe und der Industrie. Die Stadt Rorschach hat Potenzial für rund 10000 Einwohner. Die gezielte Planung für Wohnungsbauten ist wichtig – Wohnen für Familien, Singles oder Paare. Die Problematik ist die begrenzte Fläche der Stadt, weil alles Platz haben muss, inklusive Freihaltezonen oder Grünflächen.

Etterlin: Das grösste Potenzial unserer Stadt liegt bei den Menschen, die hier leben und arbeiten sowie in der familienfreundlichen Sanierung veralteter Bausubstanz. Wenn einzelne Quartiere verdichtet werden, braucht es Ausgleichsflächen. Rorschach ist schon sehr dicht bebaut. Die Überbauungen Brauerei und Pestalozzi/Industriestrasse mit über 100 Wohnungen liegen vor der Vollendung. In Vorbereitung steht der Neubau Feldmühle mit 300 Wohnungen. Das Einwohnerwachstum soll nicht unnötig weiter angeheizt werden.

Looser: Nach Abschluss aller aktuell laufenden und bereits beschlossenen Bauprojekte, ist im Moment nach meiner Sicht ein Marschhalt einzulegen. Erstens muss auch abgewartet werden, wie sich der Leerwohnungsbestand in Rorschach entwickelt. Denn nur schon im Feldmühleareal kommen nochmals circa 300 Wohnungen auf den Markt. Und zweitens braucht eine Stadt auch Luft und Raum, um zu atmen und lebenswert zu bleiben.

In welchen Bereichen und wie soll Rorschach mit anderen Gemeinden zusammenarbeiten?

Raths: Die heutige Zusammenarbeit mit Goldach und Rorschacherberg sowie weiteren Gemeinden ist schon sehr umfassend vorhanden. Ein finaler Schritt wäre eine Fusion mit Rorschacherberg und vielleicht zu gegebener Zeit mit Goldach. Diese drei Gemeinden hätten ein riesen Potenzial für eine prosperierende Stadt am See.

Etterlin: Die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden ist intensiv. Denken Sie nur an all die Zweckverbände. Diese haben jedoch ein Demokratie-Defizit und sind in der öffentlichen Wahrnehmung zu wenig präsent. Potenzial sehe ich bei den regionalen Verkehrslösungen mit einem gemeinsamen Infrastrukturfonds, einem Zweckverband für alle Bäder in der Region. Unsere Region sollte zudem prüfen, ob sie weiterhin fünf Heime für betagte Menschen einzeln betreiben möchte oder ob das gemeinsam nicht besser ginge.

Looser: In so vielen Bereichen wie möglich, sofern natürlich auch von den Nachbargemeinden gewünscht. Gemeinsame Synergien zu nutzen und gemeinsame Probleme zu lösen, das ist einfach ein Gebot der Vernunft, vor allem bei so engem Beieinander wie den Gemeinden am See.

Wo hat die Stadt aus Ihrer Sicht konkret Nachholbedarf?

Raths: Beim Steuerfuss, beim Halten oder Ansiedeln von Gewerbebetrieben, bei den hohen Sozialausgaben und bei der Vorreiterrolle in Sachen Alternativenergie sowie bei moderner Mobilität.

Etterlin: In den vergangenen Jahren wurde etwas einseitig in Verkehrsanlagen investiert. Der Nachholbedarf betrifft alle anderen Bereiche, die bewusst zurückgestellt wurden. Ich denke da an das Kornhaus, den Hafenplatz, das Strandbad, das sehr in die Jahre gekommene Altersheim und auch – und bitte erschrecken Sie nicht – an die Oberstufe. Wir haben nicht ausreichende Raumreserven in den Schulhäusern. Wenn Rorschach weiter so wächst, braucht es zusätzlichen Schulraum.

Looser: Wer eine familienfreundliche Stadt sein will, muss auch gute und bezahlbare externe Kinderbetreuungsangebote für verschiede Altersstufen anbieten. Ebenso muss der grösste Standortvorteil Bodensee noch besser einbezogen werden. Sowohl im kulturellen Bereich, als auch mit attraktiven Seezugängen und Ufern. Das letzte Entwicklungsareal mit Seezugang, zwischen Hauptbahnhof und ehemaligem Schlachthof, soll nicht Wohnraum für Reiche werden, sondern mit einem Projekt für einen öffentlichen Platz für alle aufgewertet werden.

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