Wahl
«Ich bin unglaublich erleichtert»: Reto Kaelli (FDP) setzt sich gegen Giuseppa Guerreri (CVP) durch und schafft den Sprung in den Rorschacher Stadtrat

Hauchdünner Sieg für Reto Kaelli: Der FDP-Mann erhält im zweiten Wahlgang 27 Stimmen mehr als Giuseppa Guerreri (CVP) und wird so in den Rorschacher Stadtrat gewählt. Er habe mit einem knappen Resultat gerechnet, sagt der Wahlsieger. «Jetzt ist die Freude riesig.» Seine Mitstreiterin ist enttäuscht, gleichzeitig aber auch dankbar für das gute Resultat.

Perrine Woodtli
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Hat Grund zum Strahlen: Reto Kaelli (FDP) hat die Wahl in den Rorschacher Stadtrat geschafft.

Hat Grund zum Strahlen: Reto Kaelli (FDP) hat die Wahl in den Rorschacher Stadtrat geschafft.

Rudolf Hirtl (6. Mai 2021)

Das Rennen um den freien Stadtratssitz in Rorschach war bis zum Schluss offen. Der Wahlkampf verlief vor allem in den vergangenen Wochen vor dem Abstimmungssonntag äusserst ruhig. Seit kurzem ist nun klar: Der Sieger heisst Reto Kaelli (FDP). Er hat sich im zweiten Wahlgang gegen seine Mitstreiterin Giuseppa Guerreri (CVP) durchgesetzt und den Sprung in den Rorschacher Stadtrat geschafft.

Es ist ein hauchdünner Sieg für Kaelli. Mit 753 Stimmen trennen ihn nur 27 Stimmen von Guerreri, die 726 Stimmen erzielt hat. Die Stimmbeteiligung lag lediglich bei 38 Prozent – genau wie im ersten Wahlgang vom 13. Juni, als keiner der Kandidierenden das Absolute Mehr erreicht hatte.

Die Ersatzwahl war nötig, weil seit dem Rücktritt von FDP-Stadtrat Ronnie Ambauen Anfang Jahr ein Sitz im fünfköpfigen Stadtrat von Rorschach vakant ist. Ambauen hatte sein Amt Ende 2020 niedergelegt, nachdem er zum Leiter der Rorschacher Bau- und Stadtentwicklung gewählt wurde. Mit der Wahl von Reto Kaelli ist die FDP nun wieder mit zwei Sitzen im Rorschacher Stadtrat vertreten.

Ersatzwahl in den Stadtrat Rorschach

Zweiter Wahlgang
gewählt
Reto Kaelli
FDP
753
Giuseppa Guerreri
CVP
726

Blumen und ein dickes Couvert vom Stadtpräsidenten

Jetzt gehe es ihm gut, sagt Reto Kaelli lachend kurz nach der Resultatverkündigung. Bis Samstagabend noch sei er relativ locker geblieben. Am Sonntagvormittag sei er nun aber schon etwas kribbelig gewesen. «Es war eine lange Zeit. Vor allem die Monate zwischen dem ersten und dem zweiten Wahlgang kamen mir sehr lange vor», sagt Kaelli.

«Nun verspüre ich eine grosse Erleichterung, verbunden mit einer Riesenfreude.»

Angesprochen auf das knappe Resultat, sagt der 55-jährige IT-Unternehmer: «Ich habe damit gerechnet.» Die Rorschacherinnen und Rorschacher hätten zwischen zwei valablen Kandidaten auswählen können. Giuseppa Guerreri habe unter anderem mit den Tatsachen gepunktet, dass sie eine Frau und eine Seconda sei. Damit spreche sie viele Einwohnerinnen und Einwohner der Hafenstadt an.

Stadtpräsident Robert Raths (FDP) und Reto Kaelli (FDP) im Rorschacher Rathaus.

Stadtpräsident Robert Raths (FDP) und Reto Kaelli (FDP) im Rorschacher Rathaus.

Bild: Res Lerch (26. September 2021)

Seinen Sieg feiert der frischgewählte Stadtrat nun im «Fuchsschwanz» in Rorschach, wo sich sowohl die FDP als auch Familie und Freunde von Kaelli treffen. «Ich freue mich auf einen schönen Nachmittag und darauf, mit allen anzustossen», sagt er.

Nebst Glückwünschen und Blumen hat Kaelli auch bereits einen Stapel Aufgaben erhalten – und zwar von Stadtpräsident Robert Raths (FDP). «Er hat mir gleich nach der Resultatverkündigung ein dickes Couvert mit Unterlagen in die Hand gedrückt und mir mitgeteilt, dass er mich am Dienstagmorgen an der Stadtratssitzung erwarte», erzählt Kaelli lachend.

Er freue sich darauf, gleich loszulegen. Er müsse nun aber noch gemeinsam mit dem Stadtpräsidenten und dem Schulpräsidenten den Übergang im Rorschacher Schulrat regeln. Dort wirkt Reto Kaelli seit 2013 mit, seit diesem Jahr als Vizepräsident.

Ein Zeichen als Frau mit Migrationshintergrund gesetzt

Nicht ganz so glücklich wie ihr Konkurrent klingt Giuseppa Guerreri am Sonntagnachmittag. «Natürlich bin ich ein Stück weit enttäuscht. Ich hätte mich sehr über die Wahl gefreut», sagt die 46-Jährige. Sie sei gleichzeitig aber auch sehr dankbar für das gute und auch knappe Resultat. «Das zeigt, dass viele Rorschacherinnen und Rorschacher an mich glauben.» Sie habe mit ihrer Kandidatur auch ein Zeichen als Frau mit Migrationshintergrund setzen wollen.

Hat die Wahl knapp verpasst: Giuseppa «Giusi» Guerreri (CVP).

Hat die Wahl knapp verpasst: Giuseppa «Giusi» Guerreri (CVP).

Michel Canonica (9. Mai 2021)

Im Vergleich zum ersten Wahlgang habe sie um einiges aufgeholt, sagt Guerreri. Damals erreichte die Erwachsenenbildnerin 491 Stimmen, Reto Kaelli 591. Ebenfalls im Rennen war damals der parteilose Andreas Kern. Der politische Quereinsteiger erzielte im Juni mit 450 Stimmen einen bemerkenswerten Achtungserfolg, zog sich danach aber aus dem Wahlkampf zurück.

Auch für Guerreri war bis zum Sonntagmittag völlig offen, wer als Sieger oder Siegerin aus dieser Wahl hervorgehen wird. «Ich war schon ein wenig nervös. Ich hatte keine Ahnung, wo ich stand.»

Von Schulratskollegen zu Konkurrenten: Reto Kaelli und Giuseppa Guerreri.

Von Schulratskollegen zu Konkurrenten: Reto Kaelli und Giuseppa Guerreri.

Bild: Res Lerch (26. September 2021)

Nun wolle sie sich weiterhin im Schulrat engagieren, wo sie seit 2017 mitwirkt, sagt Guerreri. Zuerst aber wird auch sie an diesem Sonntag noch ein paar Mal anstossen – mit ihren Parteikolleginnen und -kollegen, mit ihrer Familie und auch mit Reto Kaelli. Sie sagt:

«Ich werde später noch bei ihm vorbeigehen und ihm gratulieren. Das gehört sich so.»

Der Wahlkampf sei immer fair geblieben und sie schätze Kaelli durch ihre Zusammenarbeit im Schulrat sehr. «Er wird die Arbeit als Stadtrat sicher auch gut machen.»

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