Der Wittenbacher Gemeinderat will die Grüntalstrasse sanieren und muss sich zwischen zwei Varianten entscheiden

Vor der Eröffnung der neuen Schule Sonnenrain in Wittenbach soll die Grüntalstrasse saniert werden. Es gibt zwei Varianten. Die eine hat mehr Vorteile für die Autofahrer, die andere für die Fussgänger und Velofahrer.

Perrine Woodtli
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Wenn die Schulanlage Sonnenrain fertig ist, soll auch die Grüntalstrasse umgestaltet sein. (Bild: Urs Bucher)

Wenn die Schulanlage Sonnenrain fertig ist, soll auch die Grüntalstrasse umgestaltet sein. (Bild: Urs Bucher)

Eines ist klar: Die Grüntalstrasse muss saniert werden. Unklar ist, wie sie dereinst aussehen soll. Der Gemeinderat hat verschiedene Sanierungsvarianten geprüft und sich für zwei entschieden. Diese wurden an zwei Infoanlässen am Samstag und Montag den Bürgern vorgestellt. Schon vor einigen Jahren nahm der Gemeinderat das Strassenprojekt in die Hand. 2012 aber lehnten die Wittenbacher Gutachten und Antrag für die Grüntalstrasse ab.

Jetzt ist für den Gemeinderat der richtige Zeitpunkt, die Sanierung erneut aufzunehmen. Grund dafür ist die neue Schulanlage Sonnenrain, die derzeit an der Grüntalstrasse gebaut wird. Die Strasse soll fertig saniert sein, wenn im August 2020 die Schüler einziehen. Zumindest auf dem Abschnitt entlang der Schule. «Es wäre nicht sinnvoll, die Strasse erst zu sanieren, wenn das Schulhaus gerade fertig wurde», sagte Daniel Worni, Leiter Tiefbau.

Strasse wird sicher breiter

Heute teilt sich die Grüntalstrasse in eine 7 Meter breite Fahrbahn und ein 2,20 Meter breites Trottoir auf. Einen Velostreifen gibt es nicht. Die Grüntalstrasse bildet eine Lücke im kantonalen Radwegenetz. Um diese zu schliessen, sind nun Velozonen geplant.

Die erste Variante sieht eine Kernfahrbahn vor. Die Strasse hat auf beiden Seiten einen Velostreifen, aber keine Leitlinie in der Mitte der Fahrbahn. So muss sich der Autofahrer nicht auf die Leitlinie fixieren, wenn er einen Velofahrer überholt, und fährt so nicht zu nahe vorbei, so die Idee der Ingenieure. Ist kein Velofahrer in Sichtweite, kann am rechten Rand des Velostreifens gefahren werden. Bei dieser Variante soll die Grüntalstrasse 9,50 Meter breit sein und in eine 4,50 Meter breite Fahrbahn, zwei 1,50 Meter breite Velostreifen und ein 2 Meter breites Trottoir aufgeteilt werden. Diese Variante ist verkehrsorientiert. Die Velostreifen werden bei den Bushaltestellen unterbrochen. Zudem würden Velofahrer bei so schmalen Kernfahrbahnen oft auf das Trottoir ausweichen. Auch sind hier keine Strasseneinengungen möglich und somit keine verkehrsberuhigenden Wirkungen feststellbar.

Die zweite Variante dagegen ist siedlungsorientiert und hat einen Geh- und Veloweg, einen «Gehweg mit Velo gestattet», wie es im Fachjargon heisst. Die Velofahrer können auf dem Weg fahren, dürfen aber auch auf die Strasse. Der Weg soll teilweise mit einem grünen Belagstreifen in zwei Zonen eingeteilt werden. Die 9,40 Meter breite Strasse wird unterteilt in eine 5,90 Meter breite Fahrbahn und einen 3,50 Meter breiten Geh- und Veloweg. Geplant sind zudem Strasseneinengungen an drei Stellen. An diesen kann nicht gekreuzt werden und auch entlang der Strasse ist dies bei zwei Lastwagen nur mit reduziertem Tempo möglich.

«Jeder muss Kompromisse eingehen»

Ziel der Gemeinde sei es, den Durchgangsverkehr auf der Grüntalstrasse zu vermindern, die Sicherheit und den Komfort für die Velofahrer zu erhöhen und die Fussgängerquerungen zu verbessern, sagten die Verantwortlichen. Viele Anwesende tendierten am Montag deshalb zur Variante zwei Geh- und Veloweg. Es sei sinnvoll, dass auf einer Strasse, die an eine Schule grenze, nicht zu schnell gefahren werden könne. Für Kinder sei ein Veloweg sicherer. Aber nicht alle waren begeistert von einem gemeinsamen Geh- und Veloweg.

Einige Anwesende präferierten die erste Variante. Etwa weil man bei den Einengungen die Busse nicht überholen könne. Ein Bürger bezweifelte, dass eine Landwirtschaftsmaschine bei der zweiten Variante genügend Platz auf der Fahrbahn hätte. Patrick Brunschwiler vom Ingenieurbüro Wälli verstand die Bedenken.

«Uns ist bewusst, dass es auch Einschränkungen gibt. Aber jeder muss Kompromisse eingehen.»

Einzelne Bürger waren der Meinung, dass man einfach alles so lassen soll, wie es ist. Das sei reine Geldverschwendung.

Im Mai stimmen die Wittenbacher ab

Stichwort Geld: Beide Varianten kosten etwa gleich viel. Die Variante Kernfahrbahn kostet rund 1,7 Millionen Franken, die Variante Geh- und Veloweg rund 1,5 Millionen. Gemeinderat Christophe Wäspi betonte: «Es handelt sich dabei erst um eine grobe Kostenschätzung.» Für die erste Variante ist ein Landerwerb von 790 Quadratmetern nötig, bei der zweiten Variante sind es 680.

Der Gemeinderat werde die Rückmeldungen aus den Infoanlässen nun auswerten und sich dann entscheiden. «Bei beiden Varianten gibt es Punkte, die dafür und dagegen sprechen», sagte Worni. Man müsse die unterschiedlichen Bedürfnisse abwägen. Die Bürger stimmen an der Bürgerversammlung vom 27. Mai über den Kredit ab. Wird dieser genehmigt, soll es schnell gehen. «Ziel ist, dass wir Ende Jahr die Bewilligung erhalten.» 2020 soll dann die Sanierung starten.