«Kein Konzept und keine Arbeitsgruppe»: Bei den Gossauer Fachgeschäften brodelt es wegen Gschenkli-Sunntig

Nach einer hitzigen Versammlung der Fachgeschäfte Gossau steht fest, dass es zumindest 2020 noch keine Adventsnacht gibt.

Perrine Woodtli
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Der Gschenkli-Sunntig hat seit 31 Jahren Tradition. 2019 beleuchtete Lichtkünstler Gerry Hofstetter die Andreaskirche.

Der Gschenkli-Sunntig hat seit 31 Jahren Tradition. 2019 beleuchtete Lichtkünstler Gerry Hofstetter die Andreaskirche.

Bild: Michel Canonica

Ein ruhiger Mittag: Daraus wurde für die Mitglieder der Fachgeschäfte Gossau am Donnerstag nichts. Der Verein lud im Freihof zu einer ausserordentlichen Versammlung zur Zukunft des Gschenkli-Sunntig. Dass das Thema viel Zündstoff für eine Diskussion bringt, zeichnete sich bereits im Vorfeld ab. Am Donnerstag wurde dann klar: Bei den Fachgeschäften brodelt es.

Der Reihe nach: Letzten Herbst schlug Herbert Scheiwiler vor, ein Konzept für eine Adventsnacht 2020 zu erarbeiten. Nach 30 Jahren Gschenkli-Sunntig sei es Zeit für eine Veränderung, so der Geschäftsführer von Kühnis Optik. An einer Adventsnacht wäre die Weihnachtsstimmung festlicher. Sein Antrag wurde angenommen, obwohl der Vorstand dagegen war. Dieser wurde beauftragt, eine Projektgruppe einzusetzen.

Aus dieser ist wegen Differenzen mittlerweile ein Ein-Mann-Vorhaben geworden. Alle Mitglieder bis auf Scheiwiler sind ausgetreten. Weil er und der Vorstand sich über einiges uneinig sind, hat dieser gestern den Antrag gestellt, den Gschenkli-Sunntig dieses Jahr wie gewohnt durchzuführen und Abstand von der Idee der Adventsnacht zu nehmen.

Vorstand habe versucht, das Ganze zu verzögern

Herbert Scheiwiler, Geschäftsführer von Kühnis Optik.

Herbert Scheiwiler, Geschäftsführer von Kühnis Optik.

Bild: PD

Herbert Scheiwiler betont zu Beginn, dass der Auftrag laute, eine Adventsnacht zu prüfen. Es gehe nicht darum, ob sie stattfinde. Der Vorstand werfe ihm ein zu schnelles Tempo vor. «Der Auftrag war aber eine mögliche Adventsnacht 2020.» Deshalb habe er Gas gegeben. Scheiwiler sagt:

«Ich habe den Missmut gespürt.»

Der Vorstand habe versucht, das Ganze zu verzögern. «Ob Kalkül dahintersteckt, weiss ich nicht.» Scheiwiler ist bewusst, dass eine Adventsnacht 2020 nicht mehr realistisch ist. Zu knapp sei die Zeit. «Ich bin aber nach wie vor überzeugt davon.»

In allen Gesprächen, sei es mit der Kirche, der Stadt oder Vereinen, habe er «grosses Wohlwollen» verspürt. Vieles habe er abklären können. So würde etwa die Stadt denselben Betrag wie für den Gschenkli-Sunntig sprechen. Alles Weitere, etwa die Kosten, könne er aber nicht alleine klären. Der Vorstand jedoch würde statt Abklärungen zu treffen vor allem den Gschenkli-Sunntig verteidigen. Dazu sagt Vorstandsmitglied Marco Müller:

«Wir haben kein Konzept, keine detaillierten Kosten und auch keine Arbeitsgruppe.»

So könne man keinen Anlass auf die Beine stellen. Er präsentiert einige grobe Zahlen, die er basierend auf Erfahrungen mit dem Strassenfest, dem Gschenkli-Sunntig und Gesprächen mit der Stadt Gossau zusammengestellt hat. Der Vorstand erwarte Tausende Franken Mehrkosten. Den Mehrwert für die Geschäfte sehe man nicht.

Im Freihof liegt Spannung in der Luft, immer wieder fallen sich die Gewerbler ins Wort, die Voten sind emotional, teils gereizt. Herbert Scheiwiler spricht auch die Einladung zur gestrigen Versammlung an. Dort heisst es, «dass bei Ablehnung des Antrags zudem die Frage offenbleibe, ob noch der richtige Vorstand im Amt ist».

«Damit droht der Vorstand ganz klar den Mitgliedern. Entweder man stimmt dem Antrag zu oder er tritt zurück.»

Dem widerspricht Müller. Es sei keine Drohung. «Aber wenn die Mitglieder etwas wollen, hinter dem wir nicht stehen können, sind wir vielleicht die falschen Leute.»

Neue Projektgruppe soll nochmals loslegen

Ein Mitglied stört sich daran, dass der Vorstand das Ganze nun für erledigt hält, nur weil es keine Arbeitsgruppe mehr gebe. In der Einladung schreibt der Vorstand, dass er das Erstellen eines Detailkonzepts ablehnt.

Vorstandsmitglied Julian Stoob versteht nicht, warum man etwas Bewährtes absetzen will. Der Gschenkli-Sunntig sei ein Erfolg und verkaufsfördernd. «Was will man mehr?» Er habe jeweils ein volles Geschäft.

Diese Aussage stösst einigen sauer auf. Es sei ja schön, wenn der Gschenkli-Sunntig bei ihm so gut laufe, sagt ein Mitglied, aber das sei nicht bei allen so. Als Vorstand könne man nicht nur eigene Interessen verfolgen.

Ein anderes Mitglied schlägt vor, über einen zweiten Antrag abzustimmen, nämlich darüber, ob eine neue Projektgruppe ein Detailkonzept erarbeiten soll für eine Adventsnacht in der Zukunft. Ohne Zeitdruck. Der Vorschlag erhält Zuspruch. Müller fragt, ob es überhaupt Interessenten gibt. Vier melden sich.

Die 25 Anwesenden stimmen schliesslich mit 21 Ja-Stimmen und 4 Enthaltungen für den Gschenkli-Sunntig 2020. 6 sind für die neue Projektgruppe, 12 dagegen, 7 enthalten sich. Da aber nicht alle anwesend sind, werde man erst alle Mitglieder schriftlich informieren, sagt Müller. Gleichzeitig werde man fragen, wer in die neue Projektgruppe wolle. Gebe es genügend Leute und Zuspruch, sei dies eine Möglichkeit.

Zu Beginn befürchtete ein Mitglied, das Ganze könnte in einem Scherbenhaufen enden. Ob das Thema noch zur Zerreissprobe für die Gossauer Fachgeschäfte wird, wird sich zeigen. Präsident André Wigger gibt sich zum Schluss jedenfalls versöhnlich. Er zieht zwei Bierflaschen aus seiner Tasche – eine für ihn, eine für Scheiwiler.