Strassenprojekt des Kantons spurt für die erste Lidl-Filiale Gossaus vor

Der Kanton will im Gossauer Mettendorf einen Abschnitt der St. Gallerstrasse umgestalten. Das Projekt bringt Vorteile für Velofahrer, wenn auch vorerst nur auf 230 Metern. Der Auslöser ist aber ein anderer.

Johannes Wey
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In die Halle links im Bild will der Discounter Lidl einziehen. Dazu müssen die St. Gallerstrasse und die Zufahrt angepasst werden. (Bild: Urs Bucher (14. Februar 2017))

In die Halle links im Bild will der Discounter Lidl einziehen. Dazu müssen die St. Gallerstrasse und die Zufahrt angepasst werden. (Bild: Urs Bucher (14. Februar 2017))

Die St. Gallerstrasse wird velo­freundlicher. Vorerst zumindest auf rund einem Viertelkilometer. Der Kanton hat ein entsprechendes Projekt ausgearbeitet, das nun zur Vernehmlassung ins Stadtparlament kommt. Die Baukommission beantragt ein Ja zu.

Die Fahrbahnbreite soll künftig insgesamt 11,5 Meter betragen, wie es in der Parlamentsvorlage heisst. Auf dem Abschnitt zwischen der Schulstrasse und der Lichtsignalanlage Mettendorf soll es nach dem Umbau auf beiden Seiten der Strasse einen Velostreifen geben. Zudem ist in der Strassenmitte ein 2,5 Meter breiter Mehrzweckstreifen geplant.

Lidl braucht eine geeignete Zufahrt

Längerfristig soll es im Rahmen des Agglomerationsprogramms auf dem ganzen Abschnitt zwischen Mettendorf und Oberdorf Verbesserungen für Velofahrer geben. Dass nun ein Teilabschnitt vorgezogen wird, hat mit einem Detailhändler zu tun: Anfang 2017 wurde bekannt, dass Lidl in einer Halle der Granova Holding AG seine erste Gossauer Filiale eröffnen will. «Der Standort ist bestens geeignet. Das Gebiet ist mit Detailhandelsangeboten unterversorgt», sagt Rolf Grass, CEO der Granova Holding AG.

Nach einer Einsprache musste eine Lösung gefunden werden, wie die Kunden von der St. Galler­strasse auf den Parkplatz gelangen. Künftig sollen sich die Autos auf dem Mehrzweckstreifen aufreihen, bis der Gegenverkehr das Abbiegen erlaubt. «Der Kanton hat die Angelegenheit zügig an die Hand genommen. Nun hoffen wir, dass das Projekt auch bald umgesetzt werden kann», sagt Grass. Denn das Baugesuch für die Umnutzung der ehemaligen Grass-Lackiererei soll zeitgleich mit dem Strassenprojekt aufgelegt werden. «Wir wollen bereit sein, um dann parallel zum Strassenprojekt umzubauen.» Ebenfalls gleichzeitig soll ein Strassenprojekt der Stadt Gossau für den Einlenker aufgelegt werden. Dieser soll baulich angepasst und neu als Gemeindestrasse 2. Klasse gewidmet werden.

Umnutzung hängt vom Strassenprojekt ab

Der Kanton erwartet Kosten von knapp 1,9 Millionen Franken. Die Stadt Gossau muss 35 Prozent der Kosten für den Geh- und Radweg tragen, was weniger als 40000 Franken ausmacht. Nach dem Vernehmlassungsbeschluss im Gossauer Stadtparlament muss das Projekt unter anderem vom Regierungsrat abgesegnet werden, ehe die Pläne aufgelegt werden können. Angesichts der Unwägbarkeiten eines Auflageverfahrens will man sich beim kantonalen Tiefbauamt nicht auf einen Zeithorizont für die Umsetzung festlegen.

Laut dem Gossauer Kommunikationsbeauftragten Urs Salzmann ist offiziell noch kein Baugesuch für die Umnutzung des Werk- und Lagergebäudes eingegangen. Die Auflage des Baugesuchs wäre frühestens zusammen mit der Auflage des Strassenprojekts möglich. Ohne dass die hinreichende Erschliessung gewährleistet sei, könne die Baukommission der geplanten Umnutzung nicht zustimmen. Es sei aber denkbar, dass die Arbeiten für die Umnutzung und jene an der Strasse teils gleichzeitig laufen, sofern sie aufeinander abgestimmt seien.

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