Vorberatende Kommission beantragt einen tieferen Kredit für das neue Gossauer Stadtmagazin – statt 1,6 Millionen soll nur eine Million bewilligt werden

Dass Gossau eine neue Publikation erhält, ist schon länger bekannt. Unklar ist noch, wie viel Geld die Stadt in das neue Magazin investiert. Der Stadtrat beantragt 1,65 Millionen Franken über sechs Jahre. Die vorberatende Kommission findet eine kürzere Kreditlaufzeit sinnvoller: Das Parlament soll einen Rahmenkredit für vier Jahre genehmigen.

Perrine Woodtli
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Das Stadtparlament Gossau entscheidet an seiner nächsten Sitzung über den Rahmenkredit für das Stadtmagazin.

Das Stadtparlament Gossau entscheidet an seiner nächsten Sitzung über den Rahmenkredit für das Stadtmagazin.

Urs Bucher

Drei Sitzungen lang hatte sich die vorberatende Kommission (VBK) mit dem Gossauer Stadtmagazin und dessen Rahmenkredit beschäftigt. Wie die VBK am Montag nun mitgeteilt hat, spricht sie sich im Grundsatz für das Stadtmagazin aus, welches online und digital first sowie in gedruckter Form erscheinen soll.

Allerdings geht sie davon aus, dass zunehmend Leserinnen und Leser von der Print- zur Onlineausgabe wechseln werden. Die Stadt solle rascher auf derartige Veränderungen reagieren können, heisst es in der Mitteilung der Kommission:

«Daher ist nach drei Jahren eine Standortbestimmung durchzuführen.»

VBK will Maximalbetrag nicht erhöhen

Die fünfköpfige VBK beantragt einstimmig einen Rahmenkredit für die nächsten vier Jahre – der Stadtrat hat eine Laufzeit von sechs Jahren vorgesehen. Im Antrag der VBK wird der jährliche Maximalbetrag von 250'000 Franken zudem während der ganzen Laufzeit nicht erhöht. Der Stadtrat hingegen beantragt aufgrund der unsicheren Medienlandschaft in den Jahren 2023 bis 2026 jährlich 275'000 statt 250'000 Franken.

Mit einem gleichbleibenden Rahmenkredit von jährlich maximal 250'000 Franken während vier Jahren würde die Stadt so einen Betrag von 1,05 Millionen Franken leisten, statt den beantragten 1,65 Millionen Franken. In beiden Krediten sind auch 50'000 Franken für die Lancierung des Magazins enthalten.

Das Stadtparlament entscheidet an seiner nächsten Sitzung vom 1.September über den Rahmenkredit.

Publikation geriet schon früh unter Druck

Das neue Stadtmagazin hat bereits zu reden gegeben, bevor es das erste Mal erschienen ist. Grund dafür ist der Entscheid des Stadtrates, den Auftrag für das Magazin an die Druckerei Appenzeller Volksfreund und nicht an ein lokales Unternehmen, beispielsweise an die Gossauer Cavelti AG mit «Goinside», zu vergeben.

Viele Gossauer gingen davon aus, dass die Cavelti AG mit ihrer Publikation «Goinside» den Zuschlag erhält.

Viele Gossauer gingen davon aus, dass die Cavelti AG mit ihrer Publikation «Goinside» den Zuschlag erhält.

Urs Bucher

Sowohl die Fachgeschäfte Gossau als auch die Handels- und Industrievereinigung (HIG) reagierten empört und forderten das Stadtparlament auf, den Kredit abzulehnen. Auch einige Parteien zeigten sich überrascht vom Vergabeentscheid – obschon dieser verfahrensmässig korrekt sei.

Denn der Stadtrat war verpflichtet, sich an die korrekte Vorgehensweise in einem öffentlichen Ausschreibungsverfahren zu halten – lokale Befindlichkeiten dürfen dabei keine Rolle spielen.

Vortrag des künftigen Herausgebers überzeugte

Dass der Auftrag nicht an ein einheimisches Unternehmen ging, war auch Thema innerhalb der VBK. Das Coronavirus hat dazu geführt, dass das Parlament eine längere Sitzungspause eingelegt hat. Deshalb wurde der Kreditantrag erst beraten, nachdem das Ergebnis des Submissionsverfahrens bereits bekannt war. «Der übliche Ablauf wurde so etwas durcheinandergebracht», sagt VBK-Präsident Markus Bernhardsgrütter (CVP).

Markus Bernhardsgrütter, Präsident VBK Stadtmagazin und CVP-Stadtparlamentarier.

Markus Bernhardsgrütter, Präsident VBK Stadtmagazin und CVP-Stadtparlamentarier.

PD

Obwohl es nicht in der Kompetenz der VBK liege, über das Kommunikationskonzept der Stadt sowie das gewählte Auswahlverfahren zu urteilen, habe man sich über beides «eingehend orientieren lassen». Man habe sich einen Vortrag des künftigen Herausgebers des Magazins angehört, sagt Bernhardsgrütter.

«Wir wollten uns ein besseres Bild machen.»

Durch die Präsentation habe die VBK den Eindruck gewonnen, dass der ausgewählte Anbieter ebenfalls in der Lage sei, ein ansprechendes Produkt für Gossau zu realisieren.

Bezüglich Vergabeverfahren ist die VBK zum Schluss gekommen, dass alles korrekt abgelaufen ist. Die Kommission hätte es jedoch begrüsst, wenn ein einheimisches Unternehmen den Zuschlag für dieses Projekt erhalten hätte.

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