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Vor dem Spiel gegen Schweden: "Ich gewinne so oder so"

52 schwedische Staatsangehörige leben in der Stadt St. Gallen. Jessica Svahn Bold ist eine davon. Dem Klischee von der lebenslustigen Schwedin wird sie rundum gerecht. Auch beim Sport.
Corinne Allenspach
Wenn Schweden spielt, fiebert Jessica Svahn Bold mit - Schweizer Pass hin oder her.

Wenn Schweden spielt, fiebert Jessica Svahn Bold mit - Schweizer Pass hin oder her.

Ihre Wohnung ist einfach zu finden. Unübersehbar flattert die grosse gelb-blaue Fahne an der Balkonbrüstung. Nein, nein, sie habe die Fahne nicht extra für die Fussball-WM gekauft, beteuert Jessica Svahn Bold. Das gehöre zur Grundausstattung. Genauso wie ihre vier Schweden-T-Shirts sowie Armband und Dächlikappe. Alles Accessoires, die sie öfters brauche. «Schweden sind recht traditionell», sagt Jessica Svahn Bold, die Mitglied ist im skandinavischen Klub der Ostschweiz. Erst kürzlich haben die Mitglieder zusammen Midsummer gefeiert, den längsten Tag des Jahres. Überhaupt liebt es Jessica Svahn Bold zu feiern. Am liebsten laut und ausgelassen und es darf auch gerne mal auf dem Tisch getanzt werden. Darum ist auch ein Vier-Tages-Pass am St. Galler Open Air Pflicht. Was das Feiern angehe, seien viele Schweizer «schon recht gehemmt». Aber sie als Schwedin habe es da einfacher, räumt sie ein. «Wie heisst es so schön: Ist der Ruf mal ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.» Darum müsse sie weitermachen, wie sie sei. «Das ist echt ein Vorteil», sagt die 48-Jährige und lacht.

Vom Partyschiff ins Spital Davos

Beim Feiern hat sie auch ihren Mann kennengelernt. Damals, 1990, im schwedischen Göteborg. Er, ein gebürtiger Thurgauer, hat dort gearbeitet. Auf einem Partyschiff im Ausgang haben sie sich zum ersten Mal getroffen. Als seine Aufenthaltsbewilligung ablief, mussten sie sich entscheiden: Schweden oder Schweiz. «Ich habe gedacht, ich probiere es mal aus in der Schweiz», sagt Jessica Svahn Bold, damals gerade 20-jährig. Das sei das Glück, wenn man jung sei: «Da ist man auch etwas naiv.»

Zuerst arbeitete sie als Krankenpflegerin in Davos und sie erinnert sich gut an die schwierigen Anfangszeiten. «Ich konnte kein Wort Deutsch.» Zehn Jahre lang besuchte sie die Abendschule und schloss mit dem Goethe-Sprachdiplom ab. «Wenn schon, denn schon», sagt sie, die längst fliessend Deutsch spricht, mit einem Dialekt, der ein bisschen ans Vorarlbergische oder ans Bündnerische erinnert. Seit fast 25 Jahren lebt sie mit ihrem Mann und den zwei inzwischen erwachsenen Kindern in St. Gallen. Ihre Verbundenheit zu ihrer Heimat lebt die ganze Familie mit: Ihr Mann präsidiert den skandinavischen Klub der Ostschweiz, daheim wird mehrheitlich Schwedisch gesprochen und mindestens einmal pro Jahr steht ein Besuch in Schweden an.

Nicht nur die WM gehört zum Pflichtprogramm

«Die Stadt ist mega schön», sagt Jessica Svahn Bold über St. Gallen. Nach 30 Jahren in der Krankenpflege arbeitet sie heute in leitender Funktion in den Studentenbars der HSG sowie als Fitnessinstruktorin. Oft sitzt sie gemütlich auf ihrem Balkon hinter dem Kinderspital und lässt sich von der Aussicht begeistern und geniesst es, mitten in der Stadt zu wohnen und doch ist es ruhig wie auf dem Land.

Wenn Schweden heute im Achtelfinal gegen die Schweiz tschuttet, ist es aber vorbei mit ruhig und gemütlich. Egal welche Sportart, ob WM und die Olympischen Spiele, die 48-Jährige schaut immer. Sie sagt:

«Die Sportler haben ihr Leben lang trainiert und die Luft ist so dünn dort oben an der Spitze»

Da habe es auch mit Anstand zu tun, dass man sich dafür interessiere. In ihrer Familie ist sie mit Abstand der grösste Fussballfan.

Beim Mitfiebern zeigt sich jeweils auch, welch emotionaler Mensch sie ist. Ihr Mann habe darum gesagt, er wäre froh, wenn die Schweden gewinnen würden, damit daheim Ruhe herrsche, erzählt sie lachend. «Er weiss, dass ich eine schlechte Verliererin bin.» Wobei sie, die nebst dem schwedischen auch den Schweizer Pass besitzt, immer sagt: «Ich gewinne heute so oder so.» Trotzdem hofft sie auf Schweden. Ihr Lieblingsspieler ist Andreas Granqvist, früher war’s Zlatan Ibrahimovic. Er sei zwar bluffig: «Aber wenn du zu den fünf besten Spielern der Welt gehörst, darfst du auch ein bisschen bluffen.»

Selbstverständlich zieht Jessica Svahn Bold fürs heutige Spiel eines ihrer sonnengelben T-Shirts an und nimmt die grosse Schwedenfahne mit zur Arbeit an der HSG. Zudem ein kleines Schweizer Fähnli. Einfach zur Sicherheit.

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