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Von Rorschach nach Sambia – Psychologin bricht für drei Jahre nach Afrika auf: «Dort gelten Süchtige als verhext»

Für Karin Basig ist es ein Traum: In einem afrikanischen Land wohnen und arbeiten. In Sambia setzt sie sich für eine bessere Versorgung von Menschen mit Suchtproblemen und psychischen Erkrankungen ein. Im Interview erklärt sie, welche Herausforderungen die Sprache stellt und wieso sie als Frau auf ein Auto angewiesen ist.
Sandro Büchler
Karin Basig freut sich auf die Erfahrungen in Sambia. (Bild: PD)

Karin Basig freut sich auf die Erfahrungen in Sambia. (Bild: PD)

Am Freitag bricht die Psychologin Karin Basig mit der Schweizer Entwicklungsorganisation Comundo zu einem dreijährigen Einsatz nach Sambia auf, um sich dort für eine bessere Versorgung von Menschen mit Suchtproblemen und psychischen Erkrankungen einzusetzen. Zuletzt war Basig während viereinhalb Jahren im Ambulatorium Rorschach der Psychiatrie St.Gallen Nord tätig.

Karin Basig, mit welchen Gefühlen steigen Sie am Freitag in das Flugzeug nach Sambia?

Ich bin froh, dass es nun losgeht. Zwar hatte ich seit einem halben Jahr die Zusage, aber erst am Montag bekam ich die Arbeitsbewilligung und damit die Einreiseerlaubnis. Just an meinem 51. Geburtstag geht’s los.

Wieso Sambia?

Seit einer Reise nach Madagaskar vor 20 Jahren träume ich davon, für längere Zeit in einem afrikanischen Land zu leben und zu arbeiten.

Was erwartet Sie vor Ort?

In Sambia, einem der ärmsten Länder weltweit, führen Alkohol und Drogen – wie überall auf der Welt – zu vielfältigen Problemen: Krankheiten, soziale Isolation, fehlende Perspektiven, Gewalt. Die psychosoziale Versorgung von Betroffenen steckt in Sambia in den Kinderschuhen.

«Psychische Krankheiten werden zwar auch in der Schweiz noch immer stigmatisiert, in Sambia ist das aber viel extremer.»

Viele glauben dort, dass psychische Kranke und Süchtige verhext seien. Es gibt nur wenig Therapieangebote, Betroffene suchen aus Scham keine Unterstützung. Oftmals fehlt einfach auch das Angebot. So gibt es in ganz Sambia gerade mal eine Psychiatrie. Hilfe wird eher bei traditionellen Heilern gesucht.

Wie gehen Sie vor?

Ich arbeite mit einer lokalen Organisation zusammen, die landesweit führend in der Versorgung von Menschen mit Suchterkrankungen ist. Das Team ist englischsprachig, hat aber keine psychologische Fachausbildung. Hier möchte ich meinen Erfahrungsschatz einbringen.

Wie haben Sie sich vorbereitet?

Ich habe Bücher gelesen, mich im Internet informiert und mit Fachpersonen von Comundo ausgetauscht.

Vor welchen Herausforderungen haben Sie Respekt?

Sambias Amtssprache ist zwar Englisch, wird aber nur von 1,7 Prozent der Bevölkerung gesprochen. Es gibt hingegen rund 70 Bantusprachen. Ich habe versucht, Nyanja, das vor allem in der Hauptstadt gesprochen wird, zu lernen. Richtig lernen kann ich die Sprache aber erst vor Ort.

Was sind die Unterschiede zwischen Rorschach und Sambia?

Das Klima und die Strukturen sind völlig anders. Sambia hat über 17 Millionen Einwohner, allein in der Hauptstadt Lusaka leben 2,5 Millionen Menschen. Während ich in Rorschach auf ein multikulturelles Umfeld traf, werden es in Lusaka nur sambische Patienten sein. In Rorschach habe ich als Therapeutin für alle psychischen Krankheiten gearbeitet, in Sambia fokussiere ich auf Suchterkrankungen.

Was werden Sie vermissen?

Eine gewisse Form der Autonomie: Denn als Frau sollte man im Dunkeln nicht allein unterwegs sein. Deshalb werde ich Autofahren lernen, um mich fortbewegen zu können und mein Sozialleben aufrechtzuerhalten. Ich bin im Bündnerland aufgewachsen. Deshalb werde ich die Berge, Wanderungen und den Schnee vermissen. Stattdessen erkunde ich Sambia.

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