Glosse

Von Götte und Goethe: Ein Guckloch auf dem Tübacher Ruheberg

Sieh, das Gute liegt so nah: Ein Spaziergang in Tübach bringt Erstaunliches zum Vorschein.

Daniel Wirth
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Durchblicken. Und dann staunen.

Durchblicken. Und dann staunen.

Bild: Daniel Wirth

Der Ruheberg in Tübach. Das ist ein sanfter Hügel über dem Bodensee. Einst lud dort ein regional bekanntes Restaurant zur Einkehr. Vor dem Riegelbau hatte es ein Karussell für Kinder. Und ein schwenkbares Fernrohr, das 50 Rappen schluckte. Das ist passé.

Gleichwohl lohnt sich der Aufstieg auf den Ruheberg. Das vom SVP-Politiker Michael Götte regierte Dorf hat auf dem Gipfelchen einen schmucken Rastplatz für Spaziergänger und Wanderer eingerichtet. Bei schönem Wetter reicht der Blick weit über die Landesgrenzen und den See hinaus.

Michael Götte, SVP-Gemeindepräsident von Tübach.

Michael Götte, SVP-Gemeindepräsident von Tübach.

Bild: Benjamin Manser

Im Wissen um die grandiose Fernsicht sind auf dem Ruheberg Kanthölzer mit einem chromstahlumfassten Löchlein auf Augenhöhe aufgestellt worden. Wer hindurchschaut, sieht den Pfänder in Vorarlberg oder das Flugfeld Altenrhein.

Ein Pfahl ist mit «Partnergemeinde Oberteuringen» angeschrieben. Oberteuringen ist eine Gemeinde im Bodenseekreis in Baden-Württemberg. Der Blick durch das Löchlein offenbart Eigenartiges. Kein Dorf. Nichts Deutsches.

Warum in die Ferne schweifen?

Aufklärung tut not. Entweder hat es Gemeindepräsident Götte mit Johann Wolfgang Goethe, der schrieb: «Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.» Oder: Tübachs Partnergemeinde liegt am Strom Amazonas, so grün wie das dort aussieht.

Träfe zweites zu, wär’s vorbei mit der Ruhe auf dem Ruheberg. Ein Hügel im Tourismusland Schweiz mit Blick bis nach Südamerika – eine Sensation!

Dann würde aus dem Kleinod ein touristischer Hotspot. Soweit kommt’s nicht. Wenn beim Baum vor dem Guckloch die Blätter fallen, ist die Sicht auf Oberteuringen frei.