Von Gallus bis Corona: Das Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen macht Stadtgeschichte online zugänglich

Das Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen hat eine neue Website. Darauf können sich Interessierte von Meilenstein zu Meilenstein durch die Stadtgeschichte klicken. Oder mit Bildern von früher und heute erfahren, wie sich St.Gallen baulich verändert hat.

Christina Weder
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Oliver Ittensohn vom Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen präsentiert die neue Homepage.

Oliver Ittensohn vom Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen präsentiert die neue Homepage.

Nik Roth

Das Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen an der Notkerstrasse 22 will kein Bunker sein. Man wolle die Urkunden, Akten, Bücher und Fotografien nicht einfach horten, sagt Stadtarchivar Stefan Sonderegger: «Wir wollen die Bevölkerung dazu animieren, die Bestände zu nutzen. Und ihr einen Einblick in unsere Forschungstätigkeit ermöglichen.» Nicht zuletzt deshalb hat das achtköpfige Team des Stadtarchivs die eigene Website überarbeitet und neu gestaltet.

Stefan Sonderegger, Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen

Stefan Sonderegger, Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen

Nik Roth

Es hat dafür einen beträchtlichen Aufwand betrieben. Ein Jahr hätten die Vorbereitungen gedauert, sagt Archivmitarbeiter Oliver Ittensohn, der die Website zusammen mit Stefan Sonderegger und Rezia Krauer, der Leiterin der Vadianischen Sammlung, vorstellte.

Bildvergleiche: So hat sich die Stadt baulich verändert

Die Website bietet nicht nur Informationen über die Archivbestände und die kommenden Veranstaltungen; sie versteht sich als Plattform für Stadtgeschichte sowie bauliche Stadtveränderung und richtet sich sowohl an ein Fachpublikum als auch an die Öffentlichkeit. Auf den ersten Blick ist sie übersichtlich gegliedert, kommt aufgeräumt und fast nüchtern daher. Doch wartet sie mit einigen Besonderheiten auf.

Besonders eingängig sind die Bildvergleiche unter dem Stichwort «St.Gallen früher und heute in Bildern». Betrachterinnen und Betrachter können mit einem sogenannten Slider oder Schieber historische und aktuelle Stadtansichten, die aus derselben Perspektive aufgenommen wurden, miteinander vergleichen. So erhalten sie eindrücklich vor Augen geführt, wie sich etwa das Bahnhofquartier, der Bohl oder das Bleicheli baulich verändert haben.

Wer sich für die Stadtgeschichte interessiert, kann sich aber auch auf einem Zeitstrahl von einem Meilenstein zum nächsten weiterklicken. Die Zeitreise beginnt im Jahr 612 mit der Niederlassung von Gallus im Steinachtobel und führt bis in die Gegenwart zur Coronapandemie, die auch in der Stadt St.Gallen die Schliessung von Schulen und Geschäften zur Folge hatte.

Alte Schriften lesen und historische Fotos suchen

Nutzer können sich zudem auf einen interaktiven Stadtrundgang durchs mittelalterliche St.Gallen begeben. Sie können sich die Highlights aus dem Stadtarchiv und der Vadianischen Sammlung zu Hause am Bildschirm zu Gemüte führen, oder sie können alte Schriften lesen lernen. Seit Jahren bietet das Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde Transkriptionskur­­se an, die gemäss Stefan Sonderegger stets gut besucht sind. Nun finden Interessierte auf der Website weitere Übungen.

Historische Bestände, neue Technik: Oliver Ittensohn und Rezia Kauer klicken sich auf dem Smartphone durch die neue Homepage der Ortsbürgergemeinde.

Historische Bestände, neue Technik: Oliver Ittensohn und Rezia Kauer klicken sich auf dem Smartphone durch die neue Homepage der Ortsbürgergemeinde.

Nik Roth

Oliver Ittensohn kommt zudem auf die umgangsreichen Fotosammlungen zu sprechen, die das Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde zusammen mit dem Stadtarchiv der politischen Gemeinde erschliesst. Immer mehr historische Fotografien werden digitalisiert und online zugänglich gemacht. Derzeit sind es rund 1500. Man muss sie nicht mehr im Archiv betrachten, sondern kann dies neu zu Hause am Bildschirm tun. Das sei ein Vorteil für die Originale, sagt Ittensohn: «Wir müssen sie nur noch selten in die Finger nehmen.»

Die neue Website ist nicht in Stein gemeisselt. Sie soll laufend ergänzt und erweitert werden. Mitarbeiterin Rezia Krauer sagt: «Zunächst sind wir aber gespannt darauf, wie sie ankommt.»

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